🏰 Burgen und Schlösser

Rocca Calascio

📍 Calascio, Abruzzen · 84/100

Mit einer Höhe von 1464 Metern (oder 1520 Metern über dem Meeresspiegel laut dem Istituto Italiano dei Castelli) ist Rocca Calascio die höchstgelegene Festung des Apennin und zählt zu den höchsten in ganz Italien. Ausschließlich aus Stein und Mauerwerk für militärische Zwecke zur Unterbringung von Truppen errichtet, war die Anlage nie als Adelsresidenz gedacht. Der Erstbau, der aus einem einzelnen Wachturm aus dem 10. Jahrhundert bestand, wird nach der normannischen Eroberung traditionell Roger II. von Altavilla zugeschrieben. Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert wurde die Befestigung erweitert und der Baronie Carapelle angegliedert. Obwohl die Festung nie in einer Schlacht erprobt wurde, erlitt sie im November 1461 schwere Schäden durch ein Erdbeben, das auf der Richterskala auf Stärke 7 bis 8 geschätzt wird; anders als das darunter liegende Dorf Calascio wurde die Burg nicht wieder aufgebaut. Im Jahr 1463 überließ Ferdinand I. von Neapel den Komplex Antonio Todeschini aus der Familie Piccolomini, der die Festung für den Einsatz von Feuerwaffen anpasste. In aragonesischer Zeit veränderte die Einrichtung der Dogana della mena delle pecore in Apulien die lokale Wirtschaft gründlich: 1474 zählte man über 90.000 Schafe, und die Gegend entwickelte sich zu einem Knotenpunkt für den Wollhandel. 1579 kaufte der Großherzog der Toskana, Francesco I. de’ Medici, das Dorf, die Festung, das Markgraftum Capestrano und die gesamte Baronie von Costanza Piccolomini für 106.000 Dukaten. Unter den Bourbonen setzte nach 1743 ein unaufhaltsamer Niedergang ein, der 1957 zur vollständigen Entvölkerung führte, bevor Restaurierungsarbeiten in den 1980er Jahren des 20. Jahrhunderts das Areal teilweise sicherten. Geografisch liegt die Stätte im Nationalpark Gran Sasso und Monti della Laga, zentral gelegen zwischen Campo Imperatore sowie den Hochebenen von Navelli und Tirino.

Sehenswertes

Das Hauptmonument ist die Festung selbst, die am höchsten Punkt des Kamms thront. Der Komplex besteht aus einem höheren zentralen Turm, der von einem ummauerten Hof mit vier zylindrischen Ecktürmen umgeben ist. Eine architektonische Besonderheit liegt in der unteren Hälfte des Baus: Sie wurde mit deutlich größeren Steinen errichtet als der obere Teil – eine Technik, die das Fundament für Angreifer undurchdringlich machen sollte. Der Zugang zur Burg, den einst eine hölzerne Zugbrücke sicherte, erfolgt heute über eine einfache Rampe. Südöstlich erstreckt sich das mittelalterliche Dorf, das mit der Festung eine einzige Verteidigungseinheit bildete. Während der obere Teil die ältesten archäologischen Reste bewahrt, wurde der untere Bereich teilweise restauriert und in Unterkünfte umgewandelt. Auf der gegenüberliegenden Seite im Nordwesten erhebt sich die Kirche Santa Maria della Pietà. Das 1596 wahrscheinlich über einem früheren Renaissance-Bildstock errichtete Gotteshaus besitzt einen achteckigen Außenbau mit einer achtteiligen Kuppel und einer an eine der Fassaden angebauten Sakristei. Im Inneren wird der Raum durch toskanische Pilaster gegliedert; hier befinden sich ein Gemälde der wundertätigen Jungfrau Maria sowie eine Skulptur des bewaffneten Heiligen Michael. Der lokalen Legende nach entstand die Kirche genau an der Stelle, an der die Einwohner einst eine Räuberbande erfolgreich abwehrten.

Der Besuch

Die Burg liegt etwa 3 Kilometer vom Ortszentrum von Calascio entfernt und lässt sich über einen Wanderweg erreichen, bei dem 200 Höhenmeter zu überwinden sind. Das Gotteshaus Santa Maria della Pietà dient heute als Oratorium und wird regelmäßig von Gläubigen besucht. Zudem hat sich Rocca Calascio als Start- und Zielpunkt für zahlreiche Trekkingrouten nach Campo Imperatore etabliert und fungiert als Kulturzentrum für Veranstaltungen, die von Falknerei-Vorführungen über klassische Konzerte bis hin zu historischen Reenactments reichen.

Tipp der Redaktion

Das Profil der Festung ist untrennbar mit der Filmgeschichte verbunden: Bei einem Spaziergang durch das Dorf wirst du die Kulissen aus Filmen wie „Der Tag des Falken“ (Ladyhawke) von Richard Donner, „Der Name der Rose“, „The American“, „Amici miei – Atto IIº“ und „Allein gegen die Mafia 7“ (La piovra 7) wiedererkennen. Die Verödung des Ortes hatte Romano Scavolini übrigens schon 1968 in seiner Dokumentation „Nel silenzio dei sassi“ festgehalten. Und wenn du einen Windows-PC nutzt, kennst du diesen Anblick womöglich schon: Die Burg gehört zur Bildersammlung für den Sperrbildschirm von Windows Blickpunkt (Windows Spotlight).

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