🏺 Archäologische Stätten

Su Nuraxi

📍 Barumini, Sardinien · 87/100

Der aus massiven Basaltblöcken ab dem 17. Jahrhundert v. Chr. errichtete Zentralturm von Su Nuraxi ragt 18,60 Meter über die Ebene von Barumini auf. Dieser archäologische Komplex, dessen Name auf Sardisch (Campidanesisch) schlicht „der Nuraghe" bedeutet, ist das imposanteste Zeugnis der Nuraghenkultur auf Sardinien und gehört seit 1997 zum UNESCO-Welterbe. Jahrhundertelang fungierte er als organisatorischer und defensiver Hauptort eines alten protosardischen Kantons und kontrollierte an der strategischen Grenze zwischen Marmilla und Sarcidano den Zugang vom Campidano ins Inselinnere. Der Ort wurde zwischen 1950 und 1957 vom einheimischen Archäologen Giovanni Lilliu vollständig ausgegraben und belegt eine außergewöhnliche Besiedlungskontinuität, die von einer Zerstörungs- und Wiederaufbauphase in karthagischer Zeit im 6. Jahrhundert v. Chr. bis zur römischen Besetzung im 1. Jahrhundert v. Chr. reicht.

Sehenswertes

Die Anlage dreht sich um den ursprünglichen Nuraghen, einen zentralen Turm aus drei übereinanderliegenden Kammern. In der späten Bronzezeit wurden an diesen ursprünglichen Kern vier Ecktürme angebaut, die durch eine Ringmauer verbunden waren; diese besaß einst einen oberen Wehrgang, der heute nicht mehr erhalten ist. Alle vier Türme münden in einen Innenhof mit einem Brunnen zur Wasserversorgung. In der Eisenzeit wurde die Anlage von einer weiteren fünfpassförmigen Ausfallmauer umgeben. Um die Festung herum erstreckt sich das weitläufige Nuraghendorf, das zwischen dem 13. und 6. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde und zwischen 40 und 200 Hütten umfasst. Diese aus großen Trockensteinen errichteten und ursprünglich mit konischen Dächern aus Holz und Zweigen gedeckten Behausungen lassen eine klare soziale Hierarchie erkennen. Hervorstechend sind die große, verschachtelte Hütte für die Treffen des Anführers sowie die Versammlungshütte, in der Symbole der verehrten Gottheiten gefunden wurden, umgeben von Küchen, Werkstätten und landwirtschaftlichen Verarbeitungsstätten. Bemerkenswert ist die in den Überresten sichtbare ingenieurtechnische Entwicklung: Türen und Fenster weisen leicht geneigte Laibungen auf, um den Lichteinfall zu verringern und die Last auf die Türstürze zu mindern, die in der Mitte dicker gemeißelt wurden, um ein Brechen zu verhindern. Zwischen dem 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. wurde die Siedlung mit einer Straßenachse und einem Abwassersystem ausgestattet.

Der Besuch

Beim Erkunden der Siedlung lässt sich das Leben in einem lebendigen Zentrum nachvollziehen, das einst 100 bis 1000 Einwohner zählte. Obwohl die ursprüngliche Funktion des ältesten Turms unter Fachleuten nach wie vor umstritten ist — die Hypothesen reichen von religiösen über zivile Zwecke bis hin zu einer Zufluchtsstätte —, lässt sich die spätere militärische Entwicklung klar im Stein ablesen. Der Weg zwischen den Hütten zeigt den Übergang von Einraumbauten, wie sie für die ältere Phase typisch waren, zum jüngeren Trend, Wohnräume in verschiedene Bereiche zu gliedern. Die Ausgrabungen brachten eine Fülle von Werkzeugen, Waffen, Keramik und Schmuckgegenständen zutage, die das materielle Alltagsleben jener Zeit veranschaulichen.

Tipp der Redaktion

Der Nuraghe und das Dorf standen nicht isoliert da, sondern gehörten zu einem strategischen Netz zur Gebietskontrolle. Nach der Besichtigung des Freilichtareals solltest du in den nahe gelegenen Ort Barumini weiterfahren, um die Casa Zapata zu besuchen: Unter den Fundamenten dieses Adelspalasts aus dem 15. Jahrhundert wurde ein weiterer mehrpassförmiger Nuraghe entdeckt. Der darin untergebrachte Museumskomplex zeigt die wichtigsten Fundstücke der Ausgrabungen.

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