⛪ Kirchen und Heiligtümer

Christ the Redeemer of Maratea

📍 Maratea, Basilikata · 78/100

Mit einer Höhe von 21,13 Metern und einem Gewicht von rund 400 Tonnen wurde die Statue des Cristo Redentore 1965 fertiggestellt. Eine offizielle Einweihungsfeier gab es jedoch nie – schuld daran war das unterkühlte politische Klima nach den Kommunalwahlen von 1964. Die mächtige Skulptur auf dem felsigen Gipfel des Monte San Biagio wird in Italien von ihren Ausmaßen her nur vom Colosso di San Carlo Borromeo übertroffen. Die Idee zum Bau stammte 1961 von dem Unternehmer Graf Stefano Rivetti di Val Cervo aus Biella. Er wollte damit ein Betonkreuz ersetzen, das der Podestà Biagio Vitolo 1942 hatte errichten lassen. Dieses wiederum hatte ein Schmiedeeisenkreuz aus dem Jahr 1907 abgelöst, das an die Belagerung der Ruinen von Maratea Castello durch 4.500 französische Soldaten im Jahr 1806 erinnerte.

Sehenswertes

Das Werk entstammt der Zusammenarbeit des florentinischen Bildhauers Bruno Innocenti, Dozent am Istituto Statale d'Arte in Florenz, und des Ingenieurs Luigi Musumeci, der 1964 die Tragstruktur entwarf. Die Statue steht ganz ohne Sockel direkt auf dem bloßen Fels; unter der Tunika tritt der linke Fuß in einem leichten Schritt nach vorne hervor. Die etwa 20 Zentimeter dicke Außenhülle besteht aus Beton gemischt mit Splittern aus Seravezza-Marmor, gegossen über ein tief im Fels verankertes Stahlgerüst aus mehr als 14 Tonnen Eisen. Zwischen Ende 1964 und Anfang 1965 bearbeitete Innocenti die gesamte, fast 400 Tonnen schwere Oberfläche eigenhändig mit dem Meißel, unterstützt von einem friulischen Bauunternehmen und Arbeitern aus Maratea und Lauria. Das Gesicht Christi bricht mit der traditionellen Ikonografie: Die Haare sind kurz und der Bart ist nur angedeutet – eine Wahl, die der Kunstkritiker Marco Fagioli mit Innocentis Engelsdarstellungen vergleicht. Der Kopf misst 3 Meter in der Höhe und der Körper neigt sich leicht zur Basilica di San Biagio und dem Landesinneren zu. Den Hinterkopf formte Innocenti jedoch so, dass er aus der Ferne wie ein Gesicht wirkt, das auf das Meer und den Hafen blickt. Die Arme spannen sich über etwa 19 Meter in einer Haltung auf, die an das Vaterunser erinnert, wobei der rechte Arm etwas höher gehalten ist als der linke. Hinter dem Denkmal erwarten dich ein Panoramablick und eine kleine Gedenktafel mit einer lateinischen Inschrift in Reliefschrift.

Der Besuch

Das Areal rund um das Monument ist frei zugänglich und dient als bedeutender Treffpunkt für Geist und Kultur. Vom 23. bis 28. Juli 2013 fand hier das überdiözesane Treffen zum Weltjugendtag statt. Dieses Ereignis legte den Grundstein für eine Partnerschaft mit dem Cristo Redentor in Rio de Janeiro, die am 16. Oktober 2021 anlässlich des brasilianischen Feiertags Dia da Italia offiziell besiegelt und mit zwei Gedenktafeln gewürdigt wurde. Seit 2014 kümmert sich die von Chiara Rivetti di Val Cervo gegründete gemeinnützige Fondazione Cristo di Maratea Onlus um den Erhalt und die Pflege des Werks. Die Statue ist fest im kollektiven Gedächtnis verankert: Sie ziert das Logo der örtlichen Pro Loco, taucht in der Literatur auf – etwa in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Simultan“ (wo sie einen Richter in einer patriarchalischen Ordnung darstellt) sowie in Raffaele Ruggieros Krimi „Il testimone di pietra“ – und glänzt im Kino als Eröffnungsschauplatz von Rocco Papaleos „Basilicata coast to coast“ oder als Kulisse in Piero Chiambrettis „Ogni lasciato è perso“.

Tipp der Redaktion

Schau dir das Denkmal am besten schon aus der Ferne an, während du dich der Küste näherst: So entdeckst du die ausgeklügelte optische Täuschung des Bildhauers Bruno Innocenti. Aus der Distanz wirkt der Hinterkopf der Skulptur wie ein zweites Gesicht, sodass der Cristo scheinbar zeitgleich die Basilika im Landesinneren sowie den Ort und das Meer segnet.

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