Ab genau dem Jahr 1200 entstand die Piazza Maggiore, für die alte Wohnhäuser und Geschlechtertürme weichen mussten, um Platz für einen öffentlichen Markt zu schaffen. Damit zählt sie zu den frühesten städtischen Plätzen Italiens nach dem Ende des Römischen Reiches. Das rechteckige Areal misst 115 mal 60 Meter und erhielt seine heutige Gestalt im 15. Jahrhundert. Auf Veranlassung von Kardinallegat Carlo Borromeo wurde das architektonische Herzstück Bolognas im 16. Jahrhundert nochmals neu gestaltet.
Sehenswertes
Die Gebäude rings um den Platz spiegeln die politische und religiöse Geschichte der Stadt wider. Im Norden steht der Palazzo del Podestà aus dem Jahr 1201, der zwischen 1472 und 1484 von der Familie Bentivoglio umgestaltet wurde, samt der aufragenden Torre dell'Arengo und dem angrenzenden Palazzo Re Enzo mit seinem kreuzgewölbten Fußgänger-Durchgang. Die Westseite dominiert der Palazzo d'Accursio (auch Palazzo Comunale genannt) aus dem Jahr 1290, der nach einem Brand 1425 von Fioravante Fioravanti neu aufgebaut wurde und heute die Collezioni Comunali d'Arte sowie das Museo Morandi beherbergt. Im Osten verbirgt der Palazzo dei Banchi ältere Bauten hinter einer Fassade, die zwischen 1565 und 1568 nach Plänen von Giacomo Barozzi, genannt il Vignola, errichtet wurde; sein unter dem Namen „Pavaglione" bekannter Säulengang war über Jahrhunderte das Zentrum des lokalen Seidenraupenhandels. Im Süden ragt die Basilica di San Petronio auf, die ab 1390 nach Entwürfen von Antonio di Vincenzo zu Ehren des Stadtpatrons erbaut wurde. Obwohl ihre Backsteinfassade seit 1538 unvollendet geblieben ist, zieren die Porta Magna meisterhafte Marmorreliefs von Jacopo della Quercia. Das Kircheninnere ist 132 Meter lang sowie 47 Meter hoch und umfasst 22 Seitenkapellen. Besonders sehenswert sind die Cappella dei Magi mit den eindrucksvollen Fresken von Giovanni da Modena, die das Paradies und einen riesigen Luzifer in der Hölle zeigen, sowie die Cappella di Sant'Abbondio, in der Papst Clemens VII. im Jahr 1530 Kaiser Karl V. krönte. Auch die musikalische Ausstattung ist bedeutend: Sie umfasst zwei historische Orgeln, die 1476 von Lorenzo da Prato und 1596 von Baldassarre Malamini vollendet wurden. Im linken Seitenschiff verläuft zudem die 1655 vom Astronomen Giovanni Domenico Cassini berechnete Mittagslinie: Mit ihren 66,8 Metern Länge zählt sie zu den größten astronomischen Messinstrumenten der Welt.
Der Besuch
In der Mitte des Platzes erstreckt sich der „crescentone" – eine 15 Zentimeter hohe Fußgängerplattform aus weißem und rosa Granit, die 1934 angelegt wurde und nach der typischen Bologneser Focaccia benannt ist. Die sichtbaren Beschädigungen an der Ostseite wurden der Legende nach lange Zeit einem US-amerikanischen Panzer zugeschrieben, der am 21. April 1945 in die Stadt einrollte. Tatsächlich stammten sie jedoch von einem schweren Mähdrescher während einer Landwirtschaftsmesse in den 1970er-Jahren. Im Juli verwandelt sich die Piazza bei der Reihe „Sotto le stelle del Cinema" in ein Freiluftkino mit 4.000 Sitzplätzen, während hier an jedem 2. August das Abschlusskonzert des Kompositionswettbewerbs stattfindet – im Gedenken an die Opfer des Anschlags auf den Bahnhof von Bologna im Jahr 1980.
Tipp der Redaktion
Halte an der Fassade des Palazzo d'Accursio Ausschau nach der Marmortafel, die die alten amtlichen Maßeinheiten der Stadt zeigt, darunter den „piede bolognese" mit einer Länge von rund 38 Zentimetern. Bis zum Jahr 1877 dienten sie der Bevölkerung beim Einkauf auf dem großen Marktplatz dazu, nachzuprüfen, ob die Händler sie auch nicht übervorteilt hatten.