Im Jahr 1554 gipfelte der brutale Angriff des türkischen Piraten Dragut Rais in der Enthauptung von 5.000 Einwohnern Viestes, womit die Bevölkerung dieser apulischen Festung fast vollständig ausgelöscht wurde. Heute ist Vieste die östlichste Gemeinde des Gargano-Vorgebirges und seit 2023 mit der Blauen Flagge ausgezeichnet. Der historische Ortskern liegt auf einer Karsthalbinsel, die vom Meer in zwei Landzungen geformt wurde: die steile Punta di San Francesco im Osten mit dem mittelalterlichen Ortskern und die flachere Punta di Santa Croce im Norden, die sich im 19. Jahrhundert rund um den Hafen entwickelte – genau in jenem Gewässer, in dem der venezianische Doge Pietro II. Orseolo 1002 mit seiner Flotte anlegte, um Bari von den Sarazenen zu befreien. Als Wächter im Süden des Ortes ragt der Pizzomunno empor, ein mächtiger, etwa 25 Meter hoher Monolith aus weißem Kalkstein und das unangefochtene Wahrzeichen des Städtchens.
Sehenswertes
Das alte Zentrum auf der Punta di San Francesco bildet ein Labyrinth aus engen Gassen, Treppen und Bögen – ein historisches Baugefüge, das den verheerenden Erdbeben von 1414 und 1646 trotzte. Der ursprüngliche Hauptzugang zur Altstadt war die Porta ad Alt', die an ihrem spitzzulaufenden Bogen zu erkennen ist. Auf der Höhe ragt das Castello Svevo auf, eine von Friedrich II. in Auftrag gegebene Festung mit dreieckigem Grundriss und charakteristischen spitzen Bastionen. Die braune Anlage erhebt sich steil über den Kalkfelsen; trotz der Schäden durch venezianische Überfälle und den Ersten Weltkrieg hat sie nichts von ihrer imposanten Erscheinung eingebüßt. Ganz in der Nähe befindet sich die Konkathedrale Santa Maria Assunta, die von 993 bis 1817 Bischofssitz war. Diese dreischiffige Basilika, die Friedrich II. nach den Beschädigungen während des Kreuzzugs von Papst Gregor IX. ebenfalls instand setzen ließ, zeigt Spuren jahrhundertealter Umgestaltungen – darunter der barocke Glockenturm, der nach seinem Einsturz 1772 neu errichtet wurde. Gleich bei der Kathedrale liegt die „Chianca Amara", jener Stein, der an das Massaker von 1554 erinnert. Entlang der Küste, die 1506 durch zum Schutz vor Korsaren errichtete Türme gesichert wurde, finden sich traditionelle hölzerne Fischerkonstruktionen – die Trabucchi – sowie zahlreiche Meeresgrotten. Der Küstenstreifen bietet weite Strände: im Süden den Strand des Castello, der sich bis zum modernistischen Feriendorf Pugnochiuso erstreckt, das in den 1960er-Jahren von Enrico Mattei initiiert wurde, und im Westen den Strand von San Lorenzo. Außerhalb der Stadt liegen die frühchristliche Nekropole La Salata sowie das Heiligtum Santa Maria di Merino im römischen Archäologiepark Merinum.
Der Besuch
Dein Rundgang führt dich durch historische Denkmäler und über Wege im Freien, begünstigt vom mediterranen Klima mit milden Wintern und Sommerwerten, die meist knapp unter 30 °C bleiben. Das Castello Svevo ist für Besucher verschlossen, da es von der Marina Militare Italiana genutzt wird. Die Konkathedrale und der Gedenkstein der Chianca Amara lassen sich dagegen problemlos besichtigen, während in der kleinen Bucht Marina Piccola zwischen den beiden Landzungen gegenüber dem Leuchtturm ein partielles Badeverbot gilt.
Tipp der Redaktion
Achte auf den auffälligen Farbkontrast zwischen dem strahlend weißen Kalkstein des Pizzomunno-Monolithen und dem ungewöhnlich dunklen Braun des Castello Svevo direkt über dem Meer. Mach außerdem einen Abstecher in den drei Kilometer entfernten Ortsteil Defensola: Dort verbirgt sich ein riesiges paläolithisches Feuersteinbergwerk, das zu den größten Europas zählt.