Sehenswertes
Außen zeigt sich das Bauwerk mit einer romanisch-gotischen Fassade und einer Vorhalle, die Patriarch Massenzio im 9. Jahrhundert hinzufügen ließ. Über die sogenannte Chiesa dei Pagani schließt sie an die Reste des Baptisteriums aus dem 5. Jahrhundert an. Weithin über die friulische Ebene ragt der mehr als 70 Meter hohe Campanile heraus: Patriarch Poppone ließ ihn 1031 nach dem Vorbild des Leuchtturms von Alexandria aus wuchtigen Marmorblöcken des alten römischen Amphitheaters errichten. Im Inneren teilen 28 Säulen den Raum in drei Schiffe. Die Spitzbögen des Hauptschiffs ließ Patriarch Marquardo di Randeck nach dem Erdbeben von 1348 einziehen, während venezianische Zimmerleute 1526 die imposante Holzdecke in Form eines Schiffskiels schufen. Der berühmte Mosaikboden gliedert sich in vier Joche: Das erste zeigt Salomo-Knoten und den Kampf zwischen Hahn und Schildkröte als Symbol für das Ringen zwischen Gut und Böse. Im zweiten Joch siehst du Medaillonporträts, in denen die Forschung Kaiser Konstantin, seine Mutter Helena und seine Söhne vermutet, neben einer Darstellung Jesu als Guten Hirten nach dem Vorbild des heidnischen Gottes Merkur mit dem Schaf auf den Schultern. Das dritte Joch – einst Standort des Altars – zeigt eine geflügelte Siegesgöttin als Allegorie des christlichen Triumphs, während das vierte die Geschichte des Propheten Jona in einem fischreichen Meer erzählt. Im linken Seitenschiff steht das Santo Sepolcro aus dem 11. Jahrhundert, das in der Osterliturgie genutzt wurde. Gleich daneben legt ein Bodenfenster drei historische Schichten frei: ganz unten eine römische Villa aus augusteischer Zeit, darüber eine Estrichschicht aus Cocciopesto und oben geometrische Mosaike mit Brandspuren aus der Zeit Attilas. Der Apsisbereich beherbergt Fresken aus dem 11. Jahrhundert sowie Wandmalereien des 4. Jahrhunderts in der Cappella di San Pietro. Unter dem Presbyterium erzählt die Cripta degli Affreschi, im 12. Jahrhundert unter Patriarch Ulrico di Treffen ausgemalt, von den Anfängen des lokalen Christentums und dem ersten Bischof Sant'Ermagora. Draußen hinter der Apsis liegt der Cimitero dei Caduti: Hier ruhen zehn unbekannte Soldaten des Ersten Weltkriegs, Maria Bergamas – die einst den Leichnam des italienischen Unbekannten Soldaten auswählte – sowie Sant'Ermagora selbst.
Der Besuch
Beim Rundgang durch den Komplex steigst du buchstäblich tief in die verschiedenen Bauphasen ein. Die ursprünglichen Säle des Bischofs Teodoro – zwei einst 37x20 Meter große Räume, die über ein Vestibül für die Firmung verbunden waren – lassen sich noch heute teilweise im Hauptschiff und unter dem Fundament des Glockenturms erkennen. Der spätere südliche Saal des Bischofs Chromatius, der zwischen 388 und 407 auf 65x29 Meter erweitert wurde, steckt noch immer den Grundriss ab, auf dem die mittelalterliche Basilika entstand. Vom nördlichen Saal (73x31 Meter), den Bischof Fortunaziano errichten ließ und den die Hunnen niederbrannten, blieben hingegen nur archäologische Spuren erhalten.
Tipp der Redaktion
Schau dir die Porträts im zweiten Joch des Mosaiks ganz genau an und achte auf den geschickten Einsatz der schwarzen Mosaiksteine: Diese antike Technik zieht kraftvolle Konturen um die Gesichter und schafft einen scharfen Farbkontrast zu den Gewändern, was den Figuren eine erstaunliche Tiefe verleiht.