⛪ Kirchen und Heiligtümer

Santa Maria dell'Isola

📍 Tropea, Kalabrien · 86/100

Die Kirche Santa Maria dell'Isola in Tropea wurde zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert auf einem Sandsteinfelsen errichtet, der einst vollständig vom Meer umgeben war. Ursprünglich diente sie Einsiedlern und byzantinischen Basilianermönchen als abgeschiedener Ort der Einkehr. Der Ort gewann schnell so stark an Bedeutung, dass die Abtei von Montecassino ihren Namen „Sancta Maria de Tropea cum omnibus pertinentiis suis“ sogar in ihre Bronzetür eingravieren ließ, um ihren Besitzanspruch zu dokumentieren. Um 1060 veranlasste schließlich der normannische Herzog Robert Guiscard den Wechsel vom griechischen zum lateinischen Ritus und übergab das Heiligtum dem Benediktinerorden.

Sehenswertes

Wie das Gebäude heute aussieht, ist das Ergebnis jahrhundertelanger Umbauten, die vor allem nach den schweren Erdbeben von 1783 und 1905 nötig wurden. Von der frühmittelalterlichen Bausubstanz ist nur wenig erhalten geblieben. Der ursprüngliche Grundriss bestand aus einem zentralen quadratischen Raum, der von einem gewölbten Umgang umschlossen war. Später setzte man darauf eine dreischiffige Basilika mit Tonnengewölben. Durch diese Überlagerung entstand ein unregelmäßiges Bauwerk: Die alten Tuffsteinbereiche der einstigen Einfassung bilden heute ein ungewöhnliches viertes Schiff, an dessen Wänden Fragmente alter Grabplatten eingemauert sind. Das Äußere zeigt die Spuren der Arbeiten nach 1905: Der bestehende Portikus wurde symmetrisch gestaltet, der Glockenturm mittig über der Fassade ausgerichtet und dekorative Fialen als oberer Abschluss hinzugefügt. Zum Eingang führt eine Treppe aus der Zeit um 1810. Im Inneren birgt die Nische des Hauptaltars eine Skulpturengruppe der Heiligen Familie aus verschiedenen Materialien, die aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Der Besuch

Die Geschichte des Heiligtums ist eng mit einer alten Legende aus der Zeit des Bildersturms verknüpft. Es heißt, eine aus dem Orient stammende Holzstatue der Maria sei zu groß für die natürliche Höhle gewesen, die der Bischof und der Bürgermeister als Standort ausgewählt hatten. Der Zimmermann, der ihre Beine absägen sollte, war auf der Stelle gelähmt, während die beiden Auftraggeber augenblicklich starben. Seit jener Zeit und bis vor wenigen Jahrzehnten war die Höhle ein Wallfahrtsort für Kranke. Der Höhepunkt der örtlichen Verehrung findet heute am Tag von Maria Himmelfahrt statt: Die Skulpturengruppe der Heiligen Familie aus dem 18. Jahrhundert wird auf einem geschmückten Fischerboot in einer Schiffsprozession von Zambrone bis nach Capo Vaticano geführt, begleitet von einer ganzen Flotte kleinerer Boote.

Tipp der Redaktion

Achte beim Rundgang durch die Kirchenschiffe besonders auf das sogenannte vierte Schiff aus Tuffstein: Es ist der einzige Ort, an dem du die Struktur der alten byzantinischen Einfassung noch klar erkennen kannst. Die Fragmente der Grabplatten verraten dir viel über die ursprüngliche Bedeutung dieser Stätte vor den Umbauten der Neuzeit.

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