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Chianalea

📍 Scilla, Kalabrien · 84/100

1954 baute ein alter Bootsbaumeister hier eine luntre, das flache Boot, mit dem man in der Meerenge Schwertfisch jagte; 1981 kaufte die Gemeinde Scilla es, bewahrte es auf und stellte es öffentlich aus wie ein Museumsstück. Das Handwerk steckt schon im Ortsnamen: Chianalea heißt „Ebene der Galeeren“, und galea bezeichnet sowohl ein altes Schiff als auch, in älterem Sprachgebrauch, den Schwertfisch.

Sehenswertes

Die Häuser stehen fast alle direkt am Wasser, die Mauern auf den Felsen, die Boote unter den Fenstern vertäut: daher der Beiname „kleines Venedig des Südens“. Der Ort besteht aus niedrigen Häuschen an engen Gassen, und durch ihn führt eine einzige Straße, die an einem Ende am Hafen ankommt und am anderen auf die SS18 trifft. Strand gibt es kaum: Die Küste ist fast durchweg Fels, der Einstieg ins Wasser ist heikel und nicht zu unterschätzen.

Oben, auf dem Felsen, der Chianalea von Marina Grande trennt, steht die Burg Ruffo mit dem Leuchtturm, der die nördliche Einfahrt in die Meerenge markiert. Es ist der Fels der Nymphe Skylla, die Kirke aus Eifersucht in das sechsköpfige Hundeungeheuer der Odyssee und von Ovids Metamorphosen verwandelte. Im Hafen zwischen beiden Vierteln liegen weiterhin Fischerboote: in Sizilien feluche, in Kalabrien passerelle, mit dem Ausguck an der Mastspitze, auf den der 'ntinneri steigt, und dem langen Steg am Bug, von dem der lanzaturi die Harpune wirft; beide Teile sind mit Stahlseilen verbunden und geben dem Rumpf Halt, zwei Motoren stemmen ihn gegen die Strömung. Das Erdbeben von 1783 beendete das beste Jahrhundert des Ortes, jenes von 1908 forderte zwischen Scilla und Messina Tausende Tote.

Der Besuch

Man geht zu Fuß, eine Stunde reicht für alles: vom Hafen hinein und auf die Landstraße hinaus oder umgekehrt, mit Abstechern über die Treppen, die zu privaten Anlegern hinabführen. Der Bahnhof an der Strecke Salerno-Reggio Calabria liegt oberhalb des Ortes, die Autobahnausfahrt mündet auf die SS18; das Auto lässt man besser oben, denn unten gibt es nur eine schmale Straße, auf der Fahrzeuge kaum aneinander vorbeikommen. Im Sommer füllt sich der Hafen neben den Fischerbooten mit Sportbooten. Chianalea stand eine Zeit lang auf der Liste der Borghi più belli d'Italia, und CNN zählte den Ort zu den zwanzig schönsten Dörfern des Landes.

Tipp der Redaktion

Gehen wir in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang hin, wenn die Sonne hinter Sizilien sinkt und sich die Fenster nacheinander über dem Wasser erhellen: An klaren Tagen erkennt man nach Norden hin Stromboli weit draußen im Meer. Danach essen wir Schwertfisch in einem der Lokale mit Tischen auf den Felsen und fragen, woher er stammt: hier weiß man die Antwort, und sie erklärt am schnellsten, wovon dieser Ort lebte, bevor die Touristen kamen.

Vor Ort: Touren, Tickets und Erlebnisse

Chianalea

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