Am Borromäischen Golf des Lago Maggiore ist Verbania der Garten des Piemont: Die botanischen Gärten der Villa Taranto, die der schottische Hauptmann Neil McEacharn 1931 auf dem Grund einer Marchesa anlegen ließ, versammeln zwanzigtausend Sorten und Arten aus aller Welt und explodieren im Frühjahr in Tulpen. Der Name der Villa hat nichts mit Apulien zu tun: Er erinnert an einen Vorfahren des Hauptmanns, den Marschall McDonald, den Napoleon zum Herzog von Tarent gemacht hatte. Dass ein englischer Garten hier so gut gedeiht, ist kein Zufall, denn dies ist eine der regenreichsten Gegenden Italiens. Gegenüber liegen die Borromäischen Inseln, die Isola Bella, die Isola Madre und die Fischerinsel, der Bootsausflug schlechthin.
Die Stadt ist so jung wie ihr Name, eine Lehnbildung zum lateinischen Verbanus: Sie entstand 1939 aus der Vereinigung von Intra, geschäftig und voller Märkte, mit Pallanza, elegant an seiner Seepromenade, und wurde erst 1992 Provinzhauptstadt. In Pallanza wurde Luigi Cadorna geboren. In Fondotoce erschossen die Deutschen am zwanzigsten Juni 1944 dreiundvierzig Männer, nachdem sie sie zu Fuß durch Intra, Pallanza und Suna geführt hatten, hinter einem Spottschild her: Einer von ihnen, verwundet, stellte sich tot und überlebte, und deshalb spricht das Gedächtnis der Stadt von zweiundvierzig Märtyrern. Die Staatsstraße, die dort vorbeiführt, trägt ihren Namen, und Verbania besitzt die Goldmedaille des Widerstands. Dahinter steigt das Val Grande auf, das größte Wildnisgebiet der Alpen: See und völlige Stille, eine halbe Stunde voneinander entfernt.