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Ortigia e il Duomo

📍 Siracusa, Sizilien · 89/100

Am 15. August 310 v. Chr. nutzte Agathokles eine Sonnenfinsternis als Omen und durchbrach genau hier die karthagische Seeblockade, um den ersten syrakusanischen Angriff auf afrikanischem Boden zu starten. Ortigia ist der älteste Kern von Syrakus – Schauplatz epischer Schlachten und im Jahr 361 v. Chr. auch Wirkungsstätte des Philosophen Platon am Hof des Tyrannen Dionysios II. Im 8. Jahrhundert v. Chr. vom Korinther Archias auf Geheiß des Orakels von Delphi gegründet, verdankt die Insel ihren Namen dem griechischen Wort ortyx (Wachtel). Mythen, die von Homer, Pindar, Ovid und Diodor überliefert wurden, rühmen sie als Zwillingsinsel von Delos und als heiligen Ort, an dem die Titanin Leto die Mondgöttin Artemis gebar. Geologisch gehört dieses nur 1 km² große und von 3889 Menschen bewohnte Kalkstein-Eiland zu den Hybläischen Bergen. Es bildet den natürlichen Rahmen der großen Bucht des Porto Grande, an deren gegenüberliegender Seite die Halbinsel Maddalena liegt.

Sehenswertes

Auf dem höchsten Punkt der Insel, an der heutigen Piazza del Duomo, entdeckte der Archäologe Paolo Orsi unter dem Palazzo del Vermexio die Reste des Artemision – eines seltenen ionischen Tempels aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. An dessen Seite stand einst ein dorischer Bau, den der Tyrann Gelon 480 v. Chr. durch den Athena-Tempel ersetzte, um den Sieg über die Karthager bei Himera zu feiern. Nahe dem Zugang zur Insel erhebt sich das Apollonion (6. Jahrhundert v. Chr.), der älteste dorische Peripteros-Tempel Siziliens. Er besticht durch mächtige monolithische Säulen und eine archaische Inschrift auf den Stufen, die den Baumeister Kleomenes nennt. An der zerklüfteten Küste im Porto Piccolo (oder Lakkios) zeichnen sich im Wasser noch die antiken Marmorkais des griechischen Hafens ab. Ein besonderes botanisches Phänomen ist die Quelle Fonte Aretusa, in der Echter Papyrus (Cyperus papyrus) wild gedeiht.

Der Besuch

Wenn du über die Insel schlenderst, bewegst du dich über einem tiefen Süßwasservorkommen der Hybläischen Berge. Der Überlieferung nach wirkten bei der Stadtgründung Priester aus Olympia mit, die den Kult um Alpheios und Arethusa einführten: Pindar nannte die Insel einst den „heiligen Hauch des Alpheios“ – einen Karstfluss, der der Sage nach direkt vom Peloponnes entspringt. Das Stadtbild verrät noch immer die Vergangenheit als befestigte Zitadelle, die tyranneia von Dionysios I., der einst die Bevölkerung evakuieren ließ, um seine Leibgarde und Söldner zwischen Höfen und Gärten unterzubringen. Heute prägen vor allem Palmen und Fikusbäume das Bild, während die Quelle Lebensraum für eine ganz eigene Tierwelt aus Enten und Süßwasserfischen bietet. Einst über einen dorischen Steinaufschüttungsdamm mit dem Festland (Acradina) verbunden, bewahrt die Insel ihren maritimen Charakter – genau in diesen Gewässern besiegten die Syrakusaner 413 v. Chr. die athenische Flotte entscheidend.

Tipp der Redaktion

Blicke von der Felsküste aus nach Osten und halte Ausschau nach dem breiten, fast vollständig überspülten Felsen: Er ist historisch als Isola dei cani bekannt.

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