🏺 Archäologische Stätten

Parco Archeologico della Neapolis

📍 Siracusa, Sizilien · 88/100

Der zwischen 1952 und 1955 mit Mitteln der Cassa per il Mezzogiorno eingerichtete Park wurde von den Archäologen Paolo Orsi und Luigi Bernabò Brea zusammen mit V. Cabianca entworfen, um die Überreste des alten griechisch-römischen Viertels „Neapolis“ (Neustadt) vor dem Bauboom zu retten. Zwischen den 1950er und 1980er Jahren wuchs die Bevölkerung von Siracusa nämlich von 66.000 auf 117.000 Einwohner an, sodass viele Ruinen unter neuen Wohnblocks verschwanden. Heute bildet das eingezäunte Schutzgebiet die größte städtische Grünfläche der Stadt und erstreckt sich über den colle Temenite – einen Hügel, den bereits der Historiker Tucidide erwähnte, weil dort während des Krieges gegen Siracusa das athenische Lager aufgeschlagen war.

Sehenswertes

Der Eingang zum Gelände befindet sich bei der Chiesa di San Nicolò ai Cordari, in der heute die Besucherinformation untergebracht ist. Das in der Normannenzeit über einem älteren römischen Getreidespeicher errichtete Gebäude war 1093 Schauplatz der Trauerfeier für Giordano d'Altavilla, den Sohn des Großgrafen Ruggero I. Ab 1577 wurde es den Seilmachern überlassen, die in den nahe gelegenen Latomien arbeiteten. Unter der Kirche erstreckt sich die Piscina Romana, ein System großer, in den Fels gehauener Zisternen, das in der Antike das Wasser für die Schiffskämpfe im Anfiteatro romano lieferte. Der Bereich um das Amphitheater war wegen der vielen Granatapfelbäume traditionell als „fossa dei granati“ bekannt. Weiter führt der Weg zum Teatro greco am höchsten Punkt des Hügels. Im Norden öffnen sich die tief in den Stein geschlagenen Latomien, während ganz oben eine Terrasse mit der Grotta del Ninfeo liegt. Hier fließt das Wasser aus den antiken Aquädukten Ninfeo und Galermi zusammen und lässt die Nymphaea blühen – jene Wasserpflanze, die der Höhle ihren Namen verleiht. Das gesamte Areal gleicht einem botanischen Garten mit mehr als 250 erfassten Pflanzenarten: Besonders auffällig sind der Acanthus mellis, dessen Blätter das griechisch-korinthische Kapitell inspirierten, sowie Hibiskus, Kapernsträucher, im 19. Jahrhundert aus Brasilien eingeführte Bougainvilleen, Johannisbrot- und Zitrusbäume.

Der Besuch

Die Geomorphologie des colle Temenite teilt den Park in zwei Bereiche und bringt ein komplexes Mikroklima hervor, das von salzigen Meereswinden und geringen Niederschlägen geprägt ist. Bei deinem Rundgang durchquerst du völlig unterschiedliche Umgebungen: Die tiefer gelegenen Abschnitte und die schattigen Latomien bieten eine feuchte Atmosphäre mit dichtem Bewuchs. Steigst du hingegen zu den höher gelegenen Punkten wie dem Teatro greco hinauf, erwartet dich ein heißes, trockenes Klima in praller Sonne.

Tipp der Redaktion

An den Kalkfelswänden des colle Temenite wächst eine seltene Oregano-Art, der Origanum onites. Wirf ruhig einen Blick auf diese Aromapflanze mit ihren auffälligen Blüten: Der Legende nach soll Alessandro Magno sie aus dem Orient mitgebracht haben, doch die botanischen Fakten sprechen eher dafür, dass sich der heimische Samen in diesem speziellen Winkel von Siracusa schon seit uralten Zeiten ganz natürlich vermehrt.

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