Mit ihren 52 Quadratkilometern Fläche und Höhenlagen zwischen 1680 und 2350 Metern über dem Meeresspiegel ist die Alpe di Siusi (Mont Sëuc auf Ladinisch, Seiser Alm auf Deutsch) die größte Hochalm Europas. Das Dolomitenplateau auf dem Gemeindegebiet von Castelrotto in Alto Adige ist historisch in Parzellen unterteilt, die den Talhöfen als Weideland und zur Heuernte dienen. Begrenzt wird das Gebiet im Norden von der Val Gardena, im Nordosten vom Gruppo del Sassolungo und im Südosten vom Massiv des Sciliar, dessen unverkennbare Silhouette als Symbol der Dolomiten gilt.
Sehenswertes
Die Landschaft des Hochplateaus eröffnet dir eine 360-Grad-Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Wenn du von Norden im Uhrzeigersinn blickst, erkennst du den Sass de Putia (2873 m), die Gruppo delle Odle e del Puez (3025 m), die Gruppo del Sella (3152 m), den Sassolungo (3181 m) und den Sassopiatto (2995 m), die Marmolada (3343 m), die Pale di San Martino, die Torri del Vajolet, die Gruppo del Catinaccio mit der Cima d'Antermoia (3002 m) sowie den Sciliar (2450 m). Orografisch unterteilt die SOIUSA das Gebiet in drei Kammlinien: Palancia-Cresta di Siusi, Denti di Terra Rossa-Punta d'Oro-Piz und Bulacia-Salames-Col di Rende. Der östliche Teil der Alm liegt seit 1975 im Parco Naturale dello Sciliar. Die Bebauung konzentriert sich auf zwei Hauptorte, die 4 Kilometer voneinander entfernt liegen: Compaccio (1825 m) als Eingangstor zur Alm und Saltria (1700 m). Dazwischen verteilen sich etliche Tiroler Hütten, in denen du einkehren kannst. Unter den jüngeren Bauten sticht die 2011 errichtete Kirche San Francesco d'Assisi hervor.
Der Besuch
Als eines der 12 Skigebiete des Verbunds Dolomiti Superski bietet das Plateau zwei Skischulen, Alpe di Siusi und Sciliar 3000. Der Wintertourismus besitzt hier eine lange Tradition: Nach der Eröffnung der Seilbahn von Ortisei im Sommer 1934 ging im Januar 1938 die erste Anlage in Betrieb – ein Schlittenlift zur Schutzhütte Giogo/Joch. In den 1940er-Jahren folgte ein Einer-Sessellift zur Icaro-Hütte unterhalb des Monte Piz. Heute verzeichnet das Gebiet 21 Aufstiegsanlagen führender Hersteller wie Leitner, Doppelmayr und Agamatic, darunter die moderne Kombibahn Puflatsch/Bullaccia aus dem Jahr 2009 mit Sechser-Sesseln und Gondeln, das erste Telemix-System der Dolomiten. Die Region ist auch als Austragungsort für Spitzensport bekannt: Sie beherbergte bereits Weltcup-Rennen im Naturbahnrodeln und Etappen des Giro d'Italia. 2009 gewann Denis Men'šov hier die 5. Etappe, während der Schwede Thomas Löfkvist das Rosa Trikot trug, und 2016 fand ein Bergzeitfahren von Castelrotto aus statt. Die Zufahrt mit dem Auto über die Straße Castelrotto-Siusi ist zeitlich streng beschränkt (Sperrung von 9:00 bis 17:00 Uhr); Besucher nutzen vor allem die Kabinenbahnen von Siusi und Ortisei oder die Linienbusse vom Monte Pana.
Tipp der Redaktion
Um die historische Entwicklung des Hochplateaus nachzuvollziehen, fährst du am besten mit dem Sechser-Sessellift Panorama: Die heutige Anlage verläuft auf exakt derselben Trasse wie der allererste Schlittenlift von 1938 und der spätere Einersessellift von 1961 und bietet dir genau die Ausblicke, die dem Lift einst seinen Namen einbrachten.