🖼️ Museen

Ötzi – Archaeology Museum

📍 Bolzano, Trentino-Südtirol · 85/100

Mit seinen über 5.100 Jahren ist Ötzi die älteste menschliche Feuchtmumie Europas und das Herzstück des Südtiroler Archäologiemuseums in Bozen. Der Mann vom Similaun, der in der Kupfersteinzeit zwischen 3350 und 3105 v. Chr. lebte, ruht seit 1998 in einem historischen Gebäude in der zentralen Via Museo, direkt gegenüber dem Museo Civico. Das Bauwerk selbst erzählt ein Stück Verwaltungsgeschichte: Ursprünglich Sitz der kaiserlichen Österreichischen Nationalbank, beherbergte es ab 1919 und bis in die 1990er-Jahre die Banca d'Italia.

Sehenswertes

Die Ausstellung folgt streng der chronologischen Reihenfolge, von den Funden aus dem Paläolithikum bis hin zum Frühmittelalter und der Karolingerzeit. Zwar verwahrt das Museum auch prähistorische Menhire sowie Spuren römischer und mittelalterlicher Siedlungen im Etschtal, doch der unangefochtene Hauptdarsteller ist Ötzi. Du kannst die Mumie betrachten, die zu Lebzeiten zu einem etwa 45 Jahre alten, 160 Zentimeter großen und 50 Kilogramm schweren Mann gehörte und heute mit einem Gewicht von 13,750 Kilo aufbewahrt wird. Auf seinem Körper sind 61 Tätowierungen zu erkennen, die aus 19 Gruppen schwarzer, bis zu 3 Millimeter dicker Linien bestehen. Zusammen mit den sterblichen Überresten sind seine persönlichen Gegenstände ausgestellt, darunter eine Axt mit einer Klinge aus 99,7% reinem Kupfer und die Reste eines Langbogens, der bei der Bergung zerbrach. Eine mit modernen Technologien erstellte 3D-Gesichtsrekonstruktion zeigt den Mann vom Similaun mit tief liegenden braunen Augen, Bart, eingefallenen Wangen und einem sichtlich erschöpften Ausdruck. Die im Ausstellungsrundgang erläuterten klinischen Analysen verraten, dass Ötzi laktoseintolerant war, durch den Ruß offener Feuer geschwärzte Lungen hatte und an Peitschenwürmern sowie Karies litt.

Der Besuch

Ein Besuch des Museums bedeutet auch, die abenteuerlichen Phasen der Entdeckung nachzuvollziehen, die sich am 19. September 1991 auf 3.210 Metern Höhe in der Nähe des Giogo di Tisa ereignete. Die deutschen Touristen Helmut und Erika Simon bemerkten den Leichnam im Eis und lösten eine Reihe von Bergungsversuchen mit Presslufthämmern und Eispickeln aus, die die Hüfte der Mumie beschädigten und einen Teil ihrer Kleidung zerstörten. Spätere topografische Vermessungen ergaben, dass sich Ötzi exakt 92,56 Meter auf italienischem Staatsgebiet befand, womit ein internationaler Streit um die durch den Vertrag von Saint-Germain-en-Laye von 1919 festgelegte Wasserscheide gelöst wurde. Neben der Dauerausstellung, die diese Ereignisse und die Ermordung des Mannes (getroffen von einem Pfeil in die linke Schulter) dokumentiert, bieten die Museumsräume Wechselausstellungen, Tagungen und Konferenzen, um das Publikum über die fortlaufenden wissenschaftlichen Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten.

Tipp der Redaktion

Schaue dir die ausgestellten botanischen Funde und den Mageninhalt genauer an: Die Reste von Steinbockfleisch, Einkorn, Schlehen und intaktem Pollen der Hopfenbuche sind keine bloßen Kuriositäten, sondern der wissenschaftliche Beweis dafür, dass Ötzi seine letzte Mahlzeit in einem Nadelwald mittlerer Höhe im Frühjahr oder Frühsommer zu sich nahm – weniger als zwei Stunden bevor er getötet wurde.

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