Sehenswertes
Die Ausstellung folgt streng der chronologischen Reihenfolge, von den Funden aus dem Paläolithikum bis hin zum Frühmittelalter und der Karolingerzeit. Zwar verwahrt das Museum auch prähistorische Menhire sowie Spuren römischer und mittelalterlicher Siedlungen im Etschtal, doch der unangefochtene Hauptdarsteller ist Ötzi. Du kannst die Mumie betrachten, die zu Lebzeiten zu einem etwa 45 Jahre alten, 160 Zentimeter großen und 50 Kilogramm schweren Mann gehörte und heute mit einem Gewicht von 13,750 Kilo aufbewahrt wird. Auf seinem Körper sind 61 Tätowierungen zu erkennen, die aus 19 Gruppen schwarzer, bis zu 3 Millimeter dicker Linien bestehen. Zusammen mit den sterblichen Überresten sind seine persönlichen Gegenstände ausgestellt, darunter eine Axt mit einer Klinge aus 99,7% reinem Kupfer und die Reste eines Langbogens, der bei der Bergung zerbrach. Eine mit modernen Technologien erstellte 3D-Gesichtsrekonstruktion zeigt den Mann vom Similaun mit tief liegenden braunen Augen, Bart, eingefallenen Wangen und einem sichtlich erschöpften Ausdruck. Die im Ausstellungsrundgang erläuterten klinischen Analysen verraten, dass Ötzi laktoseintolerant war, durch den Ruß offener Feuer geschwärzte Lungen hatte und an Peitschenwürmern sowie Karies litt.
Der Besuch
Ein Besuch des Museums bedeutet auch, die abenteuerlichen Phasen der Entdeckung nachzuvollziehen, die sich am 19. September 1991 auf 3.210 Metern Höhe in der Nähe des Giogo di Tisa ereignete. Die deutschen Touristen Helmut und Erika Simon bemerkten den Leichnam im Eis und lösten eine Reihe von Bergungsversuchen mit Presslufthämmern und Eispickeln aus, die die Hüfte der Mumie beschädigten und einen Teil ihrer Kleidung zerstörten. Spätere topografische Vermessungen ergaben, dass sich Ötzi exakt 92,56 Meter auf italienischem Staatsgebiet befand, womit ein internationaler Streit um die durch den Vertrag von Saint-Germain-en-Laye von 1919 festgelegte Wasserscheide gelöst wurde. Neben der Dauerausstellung, die diese Ereignisse und die Ermordung des Mannes (getroffen von einem Pfeil in die linke Schulter) dokumentiert, bieten die Museumsräume Wechselausstellungen, Tagungen und Konferenzen, um das Publikum über die fortlaufenden wissenschaftlichen Untersuchungen auf dem Laufenden zu halten.
Tipp der Redaktion
Schaue dir die ausgestellten botanischen Funde und den Mageninhalt genauer an: Die Reste von Steinbockfleisch, Einkorn, Schlehen und intaktem Pollen der Hopfenbuche sind keine bloßen Kuriositäten, sondern der wissenschaftliche Beweis dafür, dass Ötzi seine letzte Mahlzeit in einem Nadelwald mittlerer Höhe im Frühjahr oder Frühsommer zu sich nahm – weniger als zwei Stunden bevor er getötet wurde.