Die Stiftskirche Santa Maria Assunta steht auf den Überresten einer römischen Villa, die beim Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. zerstört wurde. Im Inneren beherbergt sie eine byzantinische Marienikone, um die sich eine bekannte Legende rankt: Ein Segelschiff, das in einer Flaute feststeckte, soll durch den Ruf „Posa, posa“ gerettet worden sein. Auch wenn die Sage erzählt, das Bildnis sei später in einem Ginsterstrauch entdeckt worden, belegen historische Quellen, dass es im 12. Jahrhundert von Benediktinermönchen hierher gebracht wurde. Der im 8. Jahrhundert gegründete und bereits 994 urkundlich erwähnte Klosterkomplex war ursprünglich San Vito geweiht, bevor ihn Bischof Giovanni II. von Amalfi im Jahr 1159 Maria weihte. Im Laufe der Jahrhunderte verfiel das Bauwerk jedoch zusehends: 1440 zwangen Überfälle der Sarazenen den Abt Antonio Acciappaccia zur Flucht nach Cava. Später wurde die Kirche Kommendataräbten anvertraut – unter ihnen der spätere Papst Benedikt XIII. –, doch das Gebäude geriet in einen so schlechten Zustand, dass Bischof Michele Bologna 1711 Baumaterialien abtragen ließ, um damit den Dom von Amalfi zu restaurieren. Zwischen 1777 und 1778 folgte eine umfassende Umgestaltung, bei der die Seitenschiffe und der Barockstuck hinzugefügt wurden, was 1783 in der feierlichen Krönung der Ikone durch Bischof Antonio Puoti gipfelte. In den 1970er-Jahren wurde das Gotteshaus schließlich an die Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils angepasst.
Sehenswertes
Die von Michele Chioccarelli in den Jahren 1926-1927 neu gestaltete Fassade aus Trani-Marmor besticht durch eine Rosette mit buntem Glas und drei Portale – das mittlere besteht aus Bronze und besitzt ein abgeflachtes Tympanon. Durch ihre starke Vertikalität verbirgt sie die berühmte Kuppel, die außen mit grünen, blauen und gelben Majolika-Fliesen verkleidet ist und von einer Laterne mit konischem Dach gekrönt wird. Das Innere auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes gliedert sich durch fünf Rundbögen auf Pfeilern mit ionischen Kapitellen in drei Schiffe; das Hauptschiff wird von einem Tonnengewölbe mit Lünetten bedeckt, das in der traditionellen Technik der „camera a canne“ errichtet wurde. Zwei Weihwasserbecken aus Marmor mit Reliefs der Madonna mit Kind affiancieren den Eingang, darüber befindet sich die Empore mit einer Orgel aus dem Jahr 2000. Der Marmorboden von 1889 bildet im Presbyterium ein Sternenmuster. An den Seitenschiffen reihen sich acht miteinander verbundene Kapellen aneinander: Auf der linken Seite liegen San Nicola di Bari (mit einer neapolitanischen Krippe aus dem 18. Jahrhundert), San Vito (mit einer Holz- und Silberbüste der neapolitanischen Schule aus dem 16. Jahrhundert), l'Annunziata und il Crocifisso, abgeschlossen durch ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert, das Christus mit dem Kreuz zeigt. Rechts folgen die Kapellen San Biagio, Immacolata, Sant'Antonio und Sant'Anna, bevor man die quadratische Sakristei erreicht. Im Querschiff bewunderst du die „Beschneidung“ (1599) von Fabrizio Santafede, eine „Madonna del Carmine“ sowie eine Kanzel von 1781, die an einem Pfeiler unter dem mit dem hölzernen Wappen von Positano verzierten Triumphbogen lehnt. Der Hauptaltar von 1740, gestaltet als ionische Ädikula aus Marmor und Stuck, beherbergt die byzantinische Ikone. In der vieleckigen Apsis stechen das Chorgestühl aus Nussbaumholz, eine Statue der Addolorata und der 1798 von Michele Trillocco geschaffene „Cristo alla colonna“ hervor, flankiert von den Kapellen Santissimo Sacramento und Santo Stefano.
Der Besuch
Der rechteckige Kirchplatz vor dem Gebäude dient als Aussichtsterrasse mit direktem Blick auf den darunter liegenden Strand. Im Inneren kannst du im Bereich des Presbyteriums ein seltenes erhaltenes Fragment des ursprünglichen mittelalterlichen Mosaikbodens entdecken – ein Zeugnis aus den frühesten Phasen des Bauwerks, das über den Überresten der 1758 wiederentdeckten römischen Villa steht. Im Querschiff fallen zudem ein Relief aus dem Jahr 1506 auf, bei dem es sich wohl um ein Reliquiar von San Vito handelt, sowie die Grabplatte aus dem Jahr 1600 mit dem Wappen des Abtes Pirro Giovanni Campanile.
Tipp der Redaktion
Da die hohe Marmorfassade aus dem 20. Jahrhundert die Sicht auf die Kuppel vom Kirchplatz aus komplett versperrt, steigst du am besten zum Strand hinab: Von dort aus kommt die berühmte Verkleidung aus bunten Majolika-Fliesen voll zur Geltung, während die kleine Laterne am Horizont emporragt.