1880 stieg Richard Wagner nach Ravello hinauf, trat in den Garten der Villa Rufolo und erkannte darin Klingsors Garten, den Schauplatz des zweiten Akts seines Parsifal, an dem er damals arbeitete. Aus diesem Nachmittag wurde ein Jahrhundert Musik: Wagner-Konzerte schon in den dreißiger Jahren, oft mit dem Orchester des Teatro di San Carlo aus Neapel; 1953 dann, siebzig Jahre nach dem Tod des Komponisten, die „Wagner-Konzerte in Klingsors Gärten“ von Girolamo Bottiglieri und Paolo Caruso; seit 2003 schließlich das Ravello Festival der Fondazione Ravello. Das Haus ist weit älter: Die Anlage stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehörte den Rufolo, Kaufleuten von großem Reichtum, so groß, dass ein Landolfo Rufolo Held einer Novelle des Decameron ist; danach kamen die Confalone, die Muscettola und die d'Afflitto.
Sehenswertes
Das schönste Stück ist der Kreuzgang mit doppelter Säulenordnung und arabisch-sizilischem Dekor, an dem sich der arabisch-normannische Stil der ganzen Anlage ablesen lässt. Man betritt sie durch eine Spitzbogenöffnung im Eingangsturm, der vier Statuen für Nächstenliebe und Gastfreundschaft bewahrt; im Hauptgebäude blieb die Kapelle mit ihrem Tonnengewölbe erhalten. Über allem steht der rund dreißig Meter hohe Torre Maggiore, jahrhundertelang das Maß des Reichtums der Rufolo: Seit 2017 beherbergt er nach einer aufwendigen Restaurierung ein vertikales Museum, und nach etwa 100 Stufen öffnet sich eine Aussicht auf den Altstadtkern von Ravello und die Küste.
Die Gärten liegen auf zwei Terrassen, die steil zum Golf von Salerno abfallen, und blühen fast das ganze Jahr; der untere ist die Bühne des Ravello Festival, mit dem Orchester auf einer über dem Abgrund schwebenden Plattform. Die heutige Gestalt ist nicht mittelalterlich, sondern aus dem 19. Jahrhundert: Um dessen Mitte kaufte der Schotte Francis Neville Reid die Villa, ein Kenner von Kunst und Botanik, und ließ sie von Grund auf herrichten. Nach seinem Tod fiel sie an die Erben, 1974 kaufte sie das Provinziale Fremdenverkehrsamt von Salerno zurück und führte sie bis 2007; heute betreut sie die Fondazione Ravello. Auch die restaurierten oberen Säle liegen zu den Gärten hin und zeigen Ausstellungen.
Der Besuch
Der Eingang liegt an der Piazza del Vescovado gegenüber dem Dom: Man kommt nur zu Fuß hin, denn Ravellos Zentrum ist für Autos gesperrt, die auf den Parkplätzen am Ortsrand bleiben; aus Amalfi und Atrani fahren Linienbusse die Kehren des Dragone-Tals herauf. Die Karten gibt es am Eingang unter dem Turm. Für den ganzen Rundgang, Kreuzgang, Turm, obere Säle und beide Gärten, reichen drei Viertelstunden, eine gute Stunde, wenn man am Aussichtspunkt stehen bleibt; an Sommerabenden hängt der Zugang zum unteren Garten vom Konzertprogramm ab.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie am späten Nachmittag hin, wenn die Reisebusse weg sind und das Licht flach über den Golf fällt: Dann erklärt die untere Terrasse von selbst, warum Wagner an Klingsors Garten dachte. Wer im Sommer kommt, sollte das Festivalprogramm prüfen, bevor er das Hotel bucht: Ein Orchester auf einer Plattform hoch über dem Meer zu hören, den Golf von Salerno im Rücken der Musiker, gibt es sonst nirgends. Und steigen Sie auf jeden Fall auf den Torre Maggiore: Von oben steht der Glockenturm des Doms fast auf Augenhöhe.







