Sehenswertes
Vom ursprünglichen Bauwerk ist kaum etwas erhalten: Die heutige Architektur ist ein Mosaik aus Wiederverwendungselementen aus verschiedenen Teilen Italiens und dem Ausland, vereint in einem Stil, der neugotische, maurische und venezianische Einflüsse verschmilzt. Über dem alten Eingangstor ist noch das päpstliche Wappen von Kardinal Della Rovere zu sehen. Der weitläufige Park vermittelt zwischen dem wilden botanischen Stil eines englischen Gartens und der Präzision eines italienischen Gartens – ein Kompromiss, den auch die Schriftstellerin Vita Sackville-West anregte. Beim Spazierengehen stößt du auf Brunnen, Grotten, Kreuzgänge, Zinnen und kleine Pavillons. Becketts Tochter Lucy baute hier eine bedeutende botanische Sammlung auf und züchtete in den 1930er-Jahren die Sorte „Rose of Ravello“. Am Fuß des Tempio di Bacco ruht die Asche von Ernest Beckett selbst, der 1917 in London starb; ein Catull-Zitat auf dem Fries ehrt sein Andenken. Der Höhepunkt des Anwesens ist die Terrazza dell'Infinito, ein Aussichtspunkt steil über dem Golfo di Salerno, gerahmt von einer Reihe von Marmorbüsten, die Gregorovius aus der Nähe als „hässlich“, aus der Ferne jedoch als durchaus reizvoll beschrieb. Der Park beherbergte die Bloomsbury Group, D.H. Lawrence, T.S. Eliot und Henry Moore; eine Gedenktafel von 1938 erinnert zudem an die Aufenthalte der Schauspielerin Greta Garbo und des Dirigenten Leopold Stokowski.
Der Besuch
Der Komplex liegt in einer Fußgängerzone und ist ausschließlich über ein Panoramaweglein mit Treppenstufen erreichbar. Während das Hotel den Gästen vorbehalten ist und über einen Hubschrauberlandeplatz verfügt, sind die Gärten das ganze Jahr über gegen Eintritt für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Alleen und der Aussichtspunkt bieten dieselben Perspektiven, die 1953 als Kulisse für den Film „Il tesoro dell'Africa“ (Beat the Devil) von John Huston mit Humphrey Bogart und Jennifer Jones dienten sowie in jüngerer Zeit für „Tenet“ (2020) von Christopher Nolan.
Tipp der Redaktion
Folge dem Rat des amerikanischen Schriftstellers Gore Vidal, der von 1972 bis 2004 im nahe gelegenen Anwesen La Rondinaia lebte (das von Lucy Beckett erbaut worden war). 1976 erklärte er, der beste Moment für den Blick vom Aussichtspunkt sei ein klarer Wintertag, wenn das Blau von Himmel und Meer so intensiv verschmilzt, dass man beide nicht mehr voneinander unterscheiden kann.