🏖️ Strände und Meer

Faraglioni and Gardens of Augustus

📍 Capri, Kampanien · 91/100

Auf der Spitze des äußersten der drei Felsgipfel, die sich südöstlich von Capri erheben, lebt ein weltweit einzigartiges Geschöpf: die Blaue Eidechse (Podarcis siculus coeruleus). Vom Festland isoliert, hat sie zur Tarnung die Farbe von Meer und Himmel angenommen. Die Faraglioni sind das Wahrzeichen der Insel in Kampanien, vor Jahrtausenden entstanden durch ein komplexes unterirdisches System. Das Karstwasser wusch das Gestein zunächst bis zu 15 Meter unter dem heutigen Meeresspiegel aus; später führten der Zerfall der Küste, die Meereserosion und das Wetter zum Einsturz der Gewölbe und formten jene Silhouetten, die heute den Golf von Neapel beherrschen. Schon ihr Name verrät ihre einstiges Funktion: Er leitet sich vom griechischen faros (Leuchtturm) ab, da in der Antike nachts auf den Küstenfelsen große Feuer entzündet wurden, um Seefahrern den Weg zu weisen und Zusammenstöße zu vermeiden.

Sehenswertes

Die Formation besteht aus drei Hauptfelsen, zu denen sich ein viertes, weiter hinten liegendes Klippeneiland gesellt. Der erste ist der Faraglione di Terra (oder Stella), der über eine vier Meter breite Landenge mit der Insel verbunden ist; er ist mit 111 Metern der höchste der Gruppe. An seiner Südwestwand öffnet sich eine Spaltenhöhle, die als „piccola grotta Azzurra“ bekannt ist – benannt nach dem grünblauen Licht, das durch eine Unterwasserschwelle dringt und das Innere erhellt. Vom Meer umspült ragt der Faraglione di Mezzo (81 Meter) empor, berühmt für seinen natürlichen Durchgang: Eine 58 Meter lange und etwa 13 Meter hohe Galerie durchbricht den Felsen von einer Seite zur anderen. Zwischen ihm und dem dritten Felsen, dem 104 Meter hohen Faraglione di Fuori (oder Scopolo), verläuft ein 8 Meter breiter und 60 Meter langer Kanal namens „Saetta“. Genau auf diesem markanten Scopolo gedeiht die seltene Blaue Eidechse mit ihrem unverwechselbaren blauen Kleid, das nur am Rücken von einer schwärzlichen Zeichnung unterbrochen wird und sich von ihren Verwandten auf dem Festland unterscheidet.

Hinter den drei Kolossen ragt der Scoglio del Monacone hervor, benannt nach den „bovi marini“ – jener Kolonie von Mönchsrobben, die dort bis 1904 lebte, als das letzte Exemplar bei Palazzo a Mare getötet wurde. Auf seiner Oberfläche befinden sich Reste römischen Mauerwerks: Ob sie tatsächlich zum Grab von Masgaba, dem Architekten von Augustus, gehörten, ist ungewiss; möglicherweise handelte es sich um Becken zum Einsalzen von Fisch oder um Gehege für die Kaninchenzucht, deren Bestand dem Schriftsteller Norman Douglas zufolge später durch eine Seuche ausgerottet wurde.

Der Besuch

Du kannst die Faraglioni vom Meer aus oder von den Aussichtspunkten der Insel bewundern, allen voran von den Giardini di Augusto, aber auch von der Via Krupp und der Villa Monacone. Nachdem sie im 19. und 20. Jahrhundert zu „Naturdenkmälern“ erklärt worden waren, wurden sie von Landschaftsmalern wie Joseph Rebell, Johan Christian Dahl, Albert Bierstadt, Karl Wilhelm Diefenbach und William Stanley Haseltine porträtiert. Étienne-Jules Marey hielt ihre Formen mithilfe der Chronofotografie im Kurzfilm Vague, baie de Naples fest. Im italienischen Kino dienten sie als Kulisse für Filmklassiker wie L'imperatore di Capri (1949) mit Totò und für eine berühmte Szene aus Il secondo tragico Fantozzi, in der Paolo Villaggio beim Wasserskifahren frontal gegen den Felsen krallt und ein Erdbeben auslöst, das bis zur Piazzetta spürbar ist.

Tipp der Redaktion

Wenn du das Ensemble betrachtest oder die örtliche Toponymie liest, achte auf den Begriff „Saetta“: Er wird fälschlicherweise oft für den Faraglione di Mezzo verwendet, bezeichnet in Wahrheit aber ausschließlich den schmalen Meeresarm, der diesen vom Faraglione di Fuori trennt.

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