🏺 Archäologische Stätten

Herculaneum Excavations

📍 Ercolano, Kampanien · 90/100

Bis 1982 nahm man an, die Einwohner von Herculaneum seien alle rechtzeitig entkommen. Am 16. Januar jenes Jahres kamen unter den Gewölbekammern, die die Terrasse der Vorstadtthermen trugen, am antiken Strand die ersten Skelette zum Vorschein; in den Jahren danach wurden mehr als 300 geborgen, Männer, Frauen und Kinder, dicht gedrängt in den Kammern, in Erwartung von Booten, die nie kamen. Der Ausbruch des Jahres 79 begrub die Stadt nicht unter Lapilli wie Pompeji, sondern unter Schlamm- und Aschenströmen, die zu hartem Gestein von 10 bis 25 Metern Stärke erstarrten. Deshalb ist das Holz hier nicht verbrannt: Es verkohlte und blieb an Ort und Stelle, samt Obergeschossen, Türen und Betten.

Sehenswertes

Die römische Stadt bedeckte rund zwanzig Hektar, ausgegraben sind etwa vier, ein halber Tag reicht also fast für alles. Die besten Häuser liegen zum Meer hin: das Haus der Hirsche mit der Marmorgruppe der von Hunden gerissenen Hirsche und einem Besitzer, den man über den Stempel auf einem verkohlten Brot bestimmte; das Haus des Telephos-Reliefs, das Marcus Nonius Balbus gehörte und acht marmorne Oscilla zwischen den Säulen bewahrt; das Haus mit dem Mosaikatrium, das sich auf die alte Stadtmauer stützt; das Haus des Neptun und der Amphitrite mit dem Glaspastenmosaik, das ihm den Namen gab, und daneben der Laden, in dem Vorratsgefäße mit Bohnen und Kichererbsen lagen. Im Haus mit der Holzwand steht die Trennwand noch da, mit Flügeln und Bronzebeschlägen.

Von den öffentlichen Bauten sind die Forumsthermen erhalten, geteilt in einen Männer- und einen Frauentrakt, mit Tritonmosaiken auf den Böden, und die Vorstadtthermen, die zu den besterhaltenen des Römischen Reiches zählen: Im Caldarium stecken noch der hölzerne Türflügel und der Abdruck des Marmorbeckens im verhärteten Schlamm. Die Palästra hat ein Becken mit einer Bronzefontäne in Gestalt einer Hydra; im Kollegium der Augustalen, zwischen 27 und 14 v. Chr. errichtet, fand man das Skelett des Wächters auf seinem Bett. Vor den Mauern liegt die Villa dei Papiri, aus der Karl Weber 1750 insgesamt 58 Bronzen, 21 Marmorwerke und mehr als 1.800 verkohlte Papyrusrollen holte; sie steckt bis heute fast ganz unter fünfundzwanzig Metern Gestein.

Der Besuch

Von Neapel fährt die Circumvesuviana Richtung Sorrent bis Ercolano Scavi; von dort sind es fünfhundert Meter bergab durch die Via IV Novembre bis zum Eingang. Der Weg beginnt oben am Rand der Grabung und führt hinunter auf das Niveau der antiken Straße: Man begreift sofort, wie viel Material abgetragen wurde. Entdeckt wurde der Ort 1709 zufällig von einem Bauern beim Brunnengraben, dann von den Bourbonen in Stollen erkundet und ab 1927 von Amedeo Maiuri unter freiem Himmel freigelegt; seit 1997 steht er zusammen mit Pompeji auf der UNESCO-Liste. Zwei bis drei Stunden genügen, doch einige Häuser öffnen im Wechsel: Am Eingang nachfragen, welche an diesem Tag zugänglich sind.

Tipp der Redaktion

In Herculaneum schaut man nach oben. In Pompeji ist über Bodenhöhe kaum etwas geblieben; hier haben die verkohlten Deckenbalken gehalten, die Obergeschosse stehen noch, mit Balkonen, Fenstern und originalem Bauholz über dem Kopf. Wir gehen den Cardo V mit zurückgelegtem Nacken ab und steigen dann zu den Kammern am Strand hinunter, dort hört der Ausbruch auf, Archäologie zu sein. Früh kommen, vor den Gruppen, die nachmittags aus Pompeji herüberfahren.

Vor Ort: Touren, Tickets und Erlebnisse

Herculaneum Excavations

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Archäologie · Ercolano

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