🏰 Burgen und Schlösser

Via Garibaldi e i Palazzi dei Rolli

📍 Genova, Ligurien · 86/100

Die Republik Genua besaß kein Herrscherschloss, und die Fürsten auf Staatsbesuch mussten dennoch irgendwo untergebracht werden. Die Lösung war bürokratisch und schlau: amtliche Verzeichnisse, die rolli, in die man die prächtigsten Privatpaläste eintrug, nach dem Rang des Gastes in Kategorien geordnet; aus diesen Listen loste man das Haus aus, das den Kardinal oder den Botschafter aufnehmen sollte, und die Aufnahme war eine Pflicht gegenüber dem Staat, keine Höflichkeit. Insgesamt standen 163 Paläste darin. Die Strada Nuova, ab 1550 nach dem Entwurf von Bernardino Cantone angelegt und 1882 in via Garibaldi umbenannt, ist die dichteste Stelle des Systems: 250 Meter Fassaden an einer Gasse von knapp siebeneinhalb Metern Breite, seit 2006 UNESCO-Welterbe.

Sehenswertes

Die Abfolge ist fast vollständig erhalten. Palazzo Pallavicini Cambiaso, 1558 begonnen, eröffnete die Baustelle der Straße; bei Nummer 3 steht Palazzo Lercari Parodi, bei Nummer 4 Palazzo Carrega Cataldi mit der Goldenen Galerie, heute Sitz der Handelskammer. Bei Nummer 9 folgt Palazzo Doria Tursi, der breiteste von allen, seit 1848 Rathaus: In seinen Sälen liegen die Geige Cannone von Niccolò Paganini und einige Briefe des Musikers. Bei den Nummern 11 und 18 vervollständigen Palazzo Bianco und Palazzo Rosso die Musei di Strada Nuova, die ein gemeinsames Ticket erschließt.

Palazzo Rosso entstand zwischen 1671 und 1677 für die Brüder Brignole Sale nach dem Entwurf von Pietro Antonio Corradi, mit zwei gleichwertigen Beletagen, weil keiner der Brüder unter dem anderen wohnen wollte. Die vier Jahreszeitensäle, von Domenico Piola und Gregorio De Ferrari ausgemalt, gelten als Höhepunkt des genuesischen Barock; an den Wänden hängen die Bildnisse, die Antoon van Dyck von den Brignole Sale malte, das Bildnis eines jungen Venezianers, das Albrecht Dürer 1506 schuf, und ein heiliger Sebastian von Guido Reni. 1874 vermachte Maria Brignole Sale, Herzogin von Galliera, Palast und Gemälde der Stadt. Im Palazzo Bianco hängen dagegen Caravaggio, Memling und Filippino Lippi.

Der Besuch

Die Straße verläuft von der piazza Fontane Marose bis zum largo Zecca, zehn Minuten zu Fuß von der piazza De Ferrari und eine Viertelstunde vom Bahnhof Principe. Sie ist Fußgängerzone und in fünf Minuten abgeschritten, doch die drei Museen verlangen mindestens zweieinhalb Stunden, und das Kombiticket schließt die Dachterrasse des Palazzo Rosso ein. Viele der übrigen Paläste bleiben privat oder beherbergen Banken und Büros: Die Eingangshallen sind aber fast immer von der Schwelle aus einsehbar, und dort erschließt sich das Spiel aus Treppen, Höfen und ansteigenden Gärten. Zweimal im Jahr öffnen die Rolli Days auch die sonst verschlossenen Häuser.

Tipp der Redaktion

Wir heben uns die Terrasse des Palazzo Rosso bis zum Schluss auf, gegen Sonnenuntergang: Von oben sieht man die Schieferdächer, die Lanterna und die Kräne des Hafens, und die Straße, die unten nur ein Korridor aus Fassaden schien, bekommt endlich einen Maßstab. Wer nur eine Stunde hat, wählt Palazzo Rosso und verzichtet auf die anderen beiden: Säle mit originalem Mobiliar und originalen Fresken sind mehr wert als ein Sprint durch drei Museen. Und kommen Sie abends noch einmal vorbei, wenn die beleuchteten Hallen den Blick bis in die hinteren Höfe freigeben: genau die Wirkung, für die die Bauherren bezahlt haben.

Vor Ort: Touren, Tickets und Erlebnisse

Via Garibaldi e i Palazzi dei Rolli

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