⛪ Kirchen und Heiligtümer

San Fruttuoso Abbey

📍 Camogli, Ligurien · 84/100

Die Abbazia di San Fruttuoso verdankt ihre Entstehung einer legendären Flucht, bevor sie zwischen dem späten 10. und frühen 11. Jahrhundert auf Wunsch von Adelheid von Burgund, der Witwe Kaiser Ottos I., neu aufgebaut wurde. Im 8. Jahrhundert floh Bischof Prosper von Tarragona vor der arabischen Invasion der Iberischen Halbinsel und landete in dieser Bucht – im Gepäck die Asche des heiligen Fructuosus, eines Bischofs aus dem 3. Jahrhundert, der unter Kaiser Valerian das Martyrium erlitten hatte. Ein erster Bau, die sogenannte „Chiesa Vecchia“, entstand auf halber Hanghöhe, wovon heute nur noch wenige Spuren zeugen. Das heutige Ensemble nahm ab Mitte des 9. Jahrhunderts Gestalt an und ging später an die Benediktinermönche über. Das Schicksal des Klosters war aufs Engste mit der Genueser Adelsfamilie Doria verknüpft: Sie veranlasste im 13. Jahrhundert eine Erweiterung nach dem Vorbild der Stadtpaläste von Genua und behielt das Patronat bis ins 18. Jahrhundert. Danach verfiel das Bauwerk zusehends und diente zeitweise sogar als Schafstall, bis der italienische Staat 1933 erste Restaurierungen einleitete. Dank der Schenkung durch Frank und Orietta Pogson Doria Pamphilj im Jahr 1983 führte der Fondo per l'Ambiente Italiano (FAI) zwischen 1985 und 2017 eine umfassende Sanierung durch. Die Anlage liegt in der Gemeinde Camogli mitten im Parco naturale regionale di Portofino.

Sehenswertes

Der romanische Gebäudekomplex präsentiert sich als verschachteltes Ensemble verschiedener Epochen mit Schieferdächern. Die „Klosterkirche“ bewahrt Putzschichten und Bodenbeläge aus dem 10. Jahrhundert sowie eine Apsis, die direkt in den nackten Fels gehauen ist. Der Hochaltar birgt eine kleine Silberschatulle mit den Reliquien der Märtyrer Fructuosus, Augurius und Eulogius, die früher im winzigen Raum des „sancta sanctorum“, dem ältesten Kern der Siedlung, verehrt wurden. Darüber erhebt sich die mittelbyzantinische Kuppel, verziert mit 17 kleinen Bögen aus heimischem Naturstein. Sie gipfelt im Vierungsturm aus dem 10. Jahrhundert, der ursprünglich eine oval-sphärische Kuppel besaß und später von einem mächtigen achteckigen Turm mit sichtbaren Lisenen ummantelt wurde.

Der dem Meer zugewandte Trakt aus dem 13. Jahrhundert mit seinen Loggien schließt direkt an die Kreuzgänge an. Im unteren Geschoss befindet sich die Grabstätte, in der sieben zwischen 1275 und 1305 verstorbene Mitglieder der Familie Doria ruhen. Die Wandgräber zeigen die typische ligurische Zweifarbigkeit mit abwechselnden Streifen aus weißem Marmor und grauem Stein; darüber befinden sich spitzbogige Arcosolien, Satteldächer und Inschriften. Im selben Raum stehen zudem ein römischer Sarkophag und zwei namenlose Gräber. Der obere Kreuzgang wurde im 16. Jahrhundert im Auftrag von Admiral Andrea Doria neu errichtet, wobei Kreuzgratgewölbe, romanische Kapitelle und eine Loggia aus dem 10. Jahrhundert integriert wurden. Die einstigen Klosterräume beherbergen heute ein Museum: Hier wird Tischkeramik aus dem 13. und 14. Jahrhundert gezeigt, die von den Benediktinern genutzt und bei den Restaurierungsarbeiten in einem Depot entdeckt wurde.

Um die lebenswichtige Süßwasserquelle und die kleine Siedlung vor den Überfällen der Barbaren-Korsaren zu schützen, beauftragten die Erben Giovanni, Andrea und Pagano Doria den Architekten Giovanni Ponzello mit dem Bau eines Turms. Im August 1562 fertiggestellt – die Baukosten beliefen sich auf 2687 Goldskudi –, prangt an den Fassaden der Torre Doria der kaiserliche Adler. Der Wehrturm war ursprünglich mit drei Bronzekanonen, einer Bombarde und 33 Musketen bestückt, ehe ihm Abt Orazio Spinola im 17. Jahrhundert ein neues Dach aufsetzen ließ. Auf dem westlichen Felsvorsprung erhebt sich zudem ein kleiner, pyramidenstumpfförmiger Turm, den der Genueser Senat 1561 errichten ließ: Er kostete 940 Lire und bot Platz für acht Soldaten mit zwei Feldschlangen.

Der Besuch

Da es keinerlei Zufahrtsstraßen gibt, erreichst du diesen besonderen Ort nur zu Fuß oder auf dem Seeweg. Die Schiffe legen direkt am Strand vor der Abtei an; regelmäßige Verbindungen gibt es ab Camogli, Recco, Portofino, Santa Margherita Ligure, Rapallo, Chiavari, Lavagna, Sestri Levante und Genua. Alternativ kannst du die Landzunge auch erwandern: Zwei steile Waldwege führen hinab, wahlweise von Portofino Vetta oder Portofino Mare aus, wobei du für beide Strecken rund 90 Minuten Gehzeit einplanen solltest. In den historischen Gemäuern der Abtei veranstaltet der FAI zudem regelmäßig Konzerte mit klassischer und moderner Musik.

Tipp der Redaktion

In den glasklaren Wassern der Bucht verbirgt sich ein Werk aus dem 20. Jahrhundert, das du dir nicht entgehen lassen solltest: In 17 Metern Tiefe ruht der Cristo degli abissi, eine Bronzestatue, die 1954 auf den Meeresgrund abgesenkt wurde. Wenn du die Abtei an Tagen mit ruhiger See per Schiff erreichst, beuge dich über die Reling, um ihre Konturen im Wasser auszumachen – oder buche einen Tauchgang, um das Kunstwerk aus nächster Nähe zu bewundern.

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