🎈 Einzigartige Erlebnisse

Marinelli Bell Foundry

📍 Agnone, Molise · 74/100

Mit ersten dokumentierten Spuren aus dem Jahr 1339 und einer vermuteten Gründung im Jahr 1040 ist die Pontificia Fonderia di Campane Marinelli eines der ältesten Familienunternehmen Italiens. Geführt von den Brüdern Armando und Pasquale Marinelli und ansässig in Agnone – einer Gemeinde mit 5.200 Einwohnern in den Hügeln des Molise-Apennins (einst im Königreich Neapel) – beschäftigt die Gießerei etwa 12 Handwerker. Im Jahr 1924 erhielt das Unternehmen vom Vatikan den Titel einer päpstlichen Gießerei; heute macht die katholische Kirche 90 % ihrer Aufträge aus, bei einer Jahresproduktion von rund 50 Glocken.

Sehenswertes

Die Arbeit der Gießerei beschränkt sich nicht nur auf Glocken, sondern erstreckt sich auch auf Bronzeportale, Flachreliefs und verschiedene sakrale Gegenstände sowie auf die Restaurierung abgenutzter Werke. Die hier hergestellten Bronzen haben jeden Winkel der Welt erreicht. Zu den bedeutendsten Arbeiten gehört der 600 Kilogramm schwere Nachbau einer Glocke aus dem 17. Jahrhundert für den Turm von Pisa, die bei den Bombardierungen von 1944 beschädigt und Ostern 2004 wieder eingesetzt wurde. Die Gießerei goss außerdem 1923 die Bronzen für das Santuario Mariano in Pompei, 1950 die Glocke für die Kirche San Benedetto in Montecassino sowie Gedenkstücke zum hundertjährigen Jubiläum der Einheit Italiens im Jahr 1961 und zum fünfhundertsten Jahrestag der Entdeckung Amerikas im Jahr 1992. Im Jahr 2000 erhielt Papst Johannes Paul II. die Jubiläumsglocke (Campana del Giubileo), die sich heute auf dem Petersplatz befindet. Weitere Werke findest du im UNO-Hauptgebäude in New York, bei der FAO in Rom, in Peking, Jerusalem, Südamerika und Südkorea.

Der Besuch

Wenn du in die Welt der Familie Marinelli eintauchst, siehst du ein Wachsausschmelzverfahren bei der Arbeit, das seit fast einem Jahrtausend angewendet wird. Die Handwerker übertragen mit Wachs die Motive auf einen mit Ton überzogenen Ziegelkern, der etwas kleiner als die spätere Glocke ist. Darauf wird eine weitere Tonschicht aufgetragen, um die falsche Glocke zu formen. Sobald alles ausgehärtet ist, wird das innere Wachs geschmolzen, sodass der Abdruck des Motivs zurückbleibt. Schließlich wird die flüssige Bronze bei einer Temperatur von etwa 1200 Grad Celsius in den Hohlraum gegossen.

Tipp der Redaktion

Achte besonders auf die dekorativen Details, die während der Wachsphase in den Ton eingeprägt werden: Das ist der entscheidende Schritt, der die Präzision des Reliefs vor dem Guss bei extremen Temperaturen garantiert.

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