Auf einer Landzunge über der Adria, geschützt von alten Mauern, die es von der modernen Stadt trennen, bildet das Borgo Antico von Termoli den historischen Kern des einzigen Hafens von Molise. Die befestigte Siedlung reicht weit zurück: Ausgrabungen unter der Kathedrale brachten Keramikfragmente aus der Bronzezeit ans Licht. Der alte Name Interamna Frentanorum verwies bereits auf die strategische Lage zwischen den Mündungen der Flüsse Biferno und Sinarca. Einst Sitz einer bedeutenden langobardischen Grafschaft, erlebte das Dorf unter den Normannen eine Blütezeit, ehe eine Phase des Niedergangs erst um 1770 endete, als der Adelsstand von den Herrschern Neapels die Erlaubnis erhielt, außerhalb der Stadtmauern zu bauen. Eine geografische Besonderheit: In Termoli kreuzen sich der 42. Breitengrad Nord und der 15. Längengrad Ost, wobei Letzterer maßgeblich für die Mitteleuropäische Zeit ist.
Sehenswertes
Das Straßennetz der Altstadt gleicht einem Labyrinth aus kleinen Gassen mit alten Fischerhäusern, die sorgfältig restauriert und in Pastelltönen gestrichen wurden. Über den Dächern ragt das Castello Svevo empor, der mächtigste Festungsbau der Stadt. Ursprünglich im 11. Jahrhundert auf Veranlassung des normannischen Grafen Robert I. von Loritello erbaut, ließ Friedrich II. die Burg 1240 umfassend umgestalten, nachdem sie bei einem Angriff der venezianischen Flotte beschädigt worden war. Das Kastell gehörte zu einem größeren Befestigungssystem um die gesamte Stadt, von dem heute nur noch ein einziger Turm steht. Auf dem zentralen Platz erhebt sich die Kathedrale aus dem 12.–13. Jahrhundert, die Santa Maria della Purificazione geweiht ist. Als bedeutendes Beispiel apulischer Romanik bewahrt sie die Reliquien der Schutzpatrone der Stadt, des heiligen Basso von Lucera und des heiligen Timotheus. Der obere Teil der Fassade erzählt von wechselvollen Zeiten: Er wurde 1456 durch ein Erdbeben und 1566 bei einer türkischen Plünderung teilweise zerstört. Unter dem Kirchenbau entdeckte man die Überreste einer älteren Basilika aus dem 11. Jahrhundert, bekannt als Ecclesia Sanctae Mater. An den Klippen der Landzunge fallen zudem die Trabucchi auf, traditionelle Holzkonstruktionen, mit denen ohne Boot gefischt wurde.
Der Besuch
Wenn du das ummauerte Viertel betrittst, kannst du einen kompakten historischen Kern bequem zu Fuß erkunden, der von späteren Umgestaltungen verschont blieb: Bei den Restaurierungen zwischen 1930 und 1969 wurden die barocken Elemente der Kathedrale gezielt entfernt, um ihr ursprüngliches romanisches Erscheinungsbild wiederherzustellen. Neben der Architektur birgt der Ort auch Spuren des Zweiten Weltkriegs: Vom 2. bis 6. Oktober 1943 war Termoli Schauplatz der Operation Devon, einer großen Schlacht zwischen britischen Commandos und der deutschen 16. Panzerdivision. Vom Hafen direkt unterhalb der alten Stadtmauern legen ganzjährig Fähren zu den Tremiti-Inseln ab.
Tipp der Redaktion
Such am Strand von Rio Vivo nahe dem Yachthafen San Pietro nach dem genauen Schnittpunkt des 42. Breitengrads und des 15. Längengrads Ost: Du stehst dort nur wenige Schritte vom Trabucco di Bricche entfernt, einer der historischen Fischerkonstruktionen aus Holz, die heute nicht mehr genutzt werden.