Sehenswertes
Die außergewöhnlich gut erhaltene augusteische Stadtmauer markiert den gesamten innerstädtischen Bereich. Das Bauwerk ist 4,80 Meter hoch sowie 1,80 Meter dick und wurde aus Kalkstein des Matese errichtet, der in kleine Pyramiden geschnitten ist, um ein perfektes opus reticulatum zu bilden, gekrönt von einem Wehrgang an der Spitze. Entlang des Verlaufs standen in Abständen von 80 bis 120 römischen Füßen Rundtürme: Die 19 heute noch sichtbaren Exemplare besitzen einen Durchmesser von sieben Metern und eine Höhe von fast elf Metern. Sie ragen drei Meter nach außen ins Feld – wo sie drei Schießscharten zur Verteidigung aufweisen – und ebenso weit nach innen vor, wo drei Fenster der Überwachung der Siedlung dienten. Der Zugang wurde durch vier monumentale Tore mit Rundbögen gewährt, die 4,8 Meter hoch waren und an den Enden des Cardo und Decumanus lagen. Jedes Tor wurde von zwei Türmen flankiert und besaß ein cavaedium, einen offenen Sicherheitsinnenhof mit einer Doppeltür nach innen. Der Eingang wurde durch ein hölzernes Fallgitter verschlossen, das von oben über eine Steintreppe bedient wurde.
Im Inneren der Mauern erstreckt sich die Römerstadt, wo die Überreste eines Theaters und der Jupiter sowie Apollo geweihten Tempel ans Licht treten. Entlang des Decumanus Maximus, der dem Verlauf des Viehtriebwegs folgt, haben Ausgrabungen antike Gewerbebetriebe aus dem Beginn des 2. Jahrhunderts v. Chr. freigelegt, darunter eine Gerberei für Leder und eine fullonica für die Wollverarbeitung, die eng mit der Wirtschaft der Transhumanz verbunden waren. Bei den archäologischen Untersuchungen im Jahr 2023 kam zudem eine außergewöhnliche domus mit monumentalem Eingang am Decumanus zum Vorschein, die mit einer ungewöhnlichen Anlage für häusliches Warmwasser ausgestattet ist – basierend auf einem großen zylindrischen Bleibehälter, der mit Rohrleitungen verbunden war.
Der Besuch
Seit 2021 wird das Areal vom Parco Archeologico di Sepino verwaltet, einer Einrichtung des Kulturministeriums mit Sonderautonomie. Die Ausgrabungskampagnen, die sich vor allem auf die Jahre 1950 bis 1955 konzentrierten, wurden seit 2010 auf den Flächen des Staatseigentums wieder aufgenommen und teilweise aus den Einnahmen der Staatslotterie gemäß dem Gesetz 662/96 finanziert. Einige Abschnitte der Mauer wurden unter Wiederverwendung des eingestürzten antiken Materials gefestigt; wo noch nicht gegraben wurde, lässt sich der Verlauf an den heraustretenden Gussmauerwerkskernen erahnen. Im Jahr 2017 verzeichnete die Stätte mehr als 20.300 Besucher.
Tipp der Redaktion
Am Tor, das in Richtung Bovianum führte, ist eine bedeutende Inschrift aus dem Jahr 168 n. Chr. erhalten: ein rares Edikt, mit dem die römischen Behörden der örtlichen Bevölkerung ausdrücklich untersagten, den auf den Viehtriebwegen durchziehenden Wanderhirten Schaden zuzufügen.