Am 15. August 2024 schossen die Ausbrüche des Voragine-Kraters die Spitze auf 3403 Meter über dem Meeresspiegel und stellten damit einen neuen Rekord für den höchsten aktiven Vulkan der eurasischen Platte auf. Von den Vereinten Nationen zum „Decade Volcano“ ernannt und seit dem 21. Juni 2013 UNESCO-Welterbe, driftet dieser Riese unaufhaltsam mit einem Tempo von 14 Millimetern pro Jahr in Richtung Mittelmeer. Mit einem Durchmesser von mehr als 40 Kilometern, einem Umfang an der Basis von rund 135 Kilometern und einer Fläche von über 1190 Quadratkilometern überragt der Vulkanbau den Vesuv um das Zweieinhalbfache. Seine Wucht prägt die Ostküste Siziliens zwischen den Monti Nebrodi und den Monti Peloritani, wo ihn auch der 15. östliche Meridian kreuzt.
Sehenswertes
Das komplexe Vulkansystem hat sich über 500.000 Jahre hinweg entwickelt – von Unterwasserausbrüchen und dem alten Zentrum des Trifoglietto bis zum heutigen Massiv des Mongibello. Auf dem Gipfel verteilen sich fünf Hauptkrater: der Cratere di Nord-Est (entstanden 1911), die Voragine (1945) und die Bocca Nuova (1968) im Inneren des ehemaligen Cratere Centrale sowie der Cratere di Sud-Est (1971) und der Nuovo Cratere di Sud-Est (2007 entstanden). Um diese Öffnungen herum zählen Geologen mehr als 300 Nebenkrater und Ausbruchsspalten. An der Ostflanke öffnet sich die gewaltige Valle del Bove, eine riesige Senke, die vor etwa 8.000 Jahren durch einen katastrophalen Einsturz entstand und einen Tsunami im Mittelmeer auslöste, während weiter oben die vor 2.000 Jahren geformte Piano Caldera liegt. Die Ausbrüche haben immer wieder die Geschichte geprägt: Eine Eruption im Jahr 396 v. Chr. stoppte den Vormarsch der Karthager auf Syrakus, und 122 v. Chr. ließ ein Aschenregen die Dächer von Catania einstürzen, woraufhin die Römer der Stadt zehn Jahre lang die Steuern erließen. Das Innere des Berges, das den Griechen einst als Schmiede des Hephaistos und Gefängnis des Ungeheuers Typhon galt, verwandelte sich im Mittelalter durch die Erzählungen der Bretonen im Gefolge der Normannen in das sagenumwobene unterirdische Reich von König Artus und der Fee Morgana.
Der Besuch
Wenn du den Südhang erkundest, lässt du zunächst die Kulturlandschaft hinter dir, die sich bis auf 1000 Meter Höhe erstreckt und auf deren fruchtbarem Vulkanboden Weinhänge und Obstgärten gedeihen. Die Route führt über die Strada Provinciale SP92 und schlängelt sich über knapp 20 Kilometer Serpentinen bis auf fast 2000 Meter empor. Du durchquerst Wälder, die um die 1500 Meter spürbar lichter werden und den sogenannten „sciare“ weichen – weiten Feldern aus lockerem Vulkanstein. Die Straße endet am historischen Rifugio Sapienza im Gemeindegebiet von Nicolosi. Von diesem Stützpunkt aus, wo auch die Seilbahn Funivia dell'Etna startet, geht dein Blick weit über den Golf von Catania und das Simeto-Tal. Das Klima verändert sich beim Aufstieg spürbar: Von milden 13–14 °C am Fuß des Vulkans fällt das Thermometer auf alpine 2–3 °C am Gipfel, sodass sich Schnee mancherorts bis weit in den Sommer hält und Eiswelten wie die Grotta del Gelo ganzjährig überdauern.
Tipp der Redaktion
Schau dir die steilen Wände der Valle del Bove genau an: Die freiliegenden Gesteinsschichten in dieser riesigen Senke zeigen dir wie ein offen aufgeschlagenes Buch die Ausbruchsgeschichte des Vulkans und lassen dich die geologische Entwicklung der letzten Jahrtausende auf einen Blick nachvollziehen.