1499 unterschrieb Luca Signorelli den Vertrag für eine Kapelle, die seit 1447 halb bemalt dastand, seit dem Weggang von Fra Angelico aus Orvieto; in fünf Jahren malte er dort das Ende der Welt. Den Grundstein der Kathedrale hatte Papst Nikolaus IV. am 13. November 1290 gelegt: Er wollte einen einzigen großen Bau anstelle der beiden Kirchen, die den Platz schon besetzten. Der erste, romanische Entwurf wird Arnolfo di Cambio zugeschrieben; Giovanni di Uguccione brachte gotische Formen ein, und ab 1310 gab der Sieneser Lorenzo Maitani der Schauseite die Gestalt, die sie bis heute hat. Maitani starb 1330, die Bauhütte überlebte ihn um zweieinhalb Jahrhunderte: Die letzten Fialen stammen von Ippolito Scalza und wurden 1591 fertig.
Sehenswertes
Die Schauseite ist eine dreigiebelige Front unter goldenem Mosaik. Unten tragen vier Pfeiler Marmorreliefs mit der Geschichte des Menschen von der Genesis bis zum Jüngsten Gericht: Das erste und das letzte schuf Maitani, die übrigen namenlos gebliebene Werkstätten. Darüber laufen eine Loggia mit Kleeblattbögen und dann die Fensterrose, die Andrea di Cione, genannt Orcagna, zwischen 1354 und 1380 arbeitete, mit zweiundfünfzig gemeißelten Köpfen im Rahmen und dem Antlitz Christi in der Mitte; in den Zwickeln sitzen die Mosaiken des Piero di Puccio mit den vier Kirchenvätern. Die drei Bronzetüren sind dagegen jung: Emilio Greco goss sie, eingehängt wurden sie 1970.
Im Inneren wechseln die Wände Bänder aus hellem Travertin und dunklem Basalt, und die Fenster der Seitenschiffe sind mit Alabasterplatten geschlossen, die den Bau im Sommer kühl halten. Im rechten Querhaus öffnet sich die Kapelle San Brizio: Dort malte Signorelli bis 1504 die Predigt des Antichrist, den Weltuntergang, die Auferstehung des Fleisches, die Verdammten und die Erwählten und setzte Dante und die antiken Dichter in den Sockel zwischen Szenen in Grisaille. Gegenüber bewahrt die Korporalskapelle das Leinen des Wunders von Bolsena von 1263 in einem emaillierten Silberschrein, den der Sieneser Goldschmied Ugolino di Vieri 1338 ablieferte. Dazu kommen die Madonna mit Kind, die Gentile da Fabriano 1425 freskierte, und die Pietà, die Ippolito Scalza 1579 aus einem einzigen Marmorblock schlug; die zwölf Apostelfiguren, im 19. Jahrhundert aus dem Schiff entfernt, stehen seit November 2019 wieder an ihrem Platz.
Der Besuch
Orvieto liegt auf einem Tuffelsen, die Kathedrale auf dessen höchstem Punkt. Vom Bahnhof an der Strecke Florenz-Rom fährt die Standseilbahn hinauf zum Piazzale Cahen, von dort ein Bus zur Piazza Duomo; zu Fuß sind es rund zwanzig Minuten bergauf. Der Eintritt kostet, das Ticket verkauft die Opera del Duomo, und es schließt die Kapelle San Brizio ein, die in kleinen Gruppen betreten wird. Für die Kathedrale allein genügen vierzig Minuten, eine Stunde, wenn man vor den Reliefs der Front stehen bleibt; mit dem Museo dell'Opera wird ein halber Tag daraus. Im Winter ist es drinnen kalt und früh dunkel: Das Chorfenster, zwischen 1328 und 1334 von Giovanni di Bonino eingesetzt, wirkt nur bei Sonne.
Tipp der Redaktion
Wir kommen am späten Nachmittag. Die Schauseite blickt nach Westen, und die Mosaiken sind für diese Stunde gemacht: Steht die Sonne tief, brennt das Gold, und die Pfeilerreliefs, mittags flach und unlesbar, kehren Tafel für Tafel zurück. Vor dem Eintreten geben wir dem linken Pfeiler zehn Minuten, dem der Genesis, und suchen die Erschaffung Evas zwischen den Ranken. Dann hinein: Der Sprung vom Gold des Platzes in das gestreifte Halbdunkel des Schiffs ist die Eintrittskarte allein schon wert.








