⛪ Kirchen und Heiligtümer

Basilica di San Francesco

📍 Assisi, Umbrien · 95/100

Am 16. Juli 1228, genau einen Tag nach der Heiligsprechung des heiligen Franziskus, legten Papst Gregor IX. und Bruder Elias von Cortona den Grundstein für diesen monumentalen Komplex. Der Papst bestimmte das Bauwerk als specialis ecclesia sowie als Caput et Mater des Minderbrüderordens. Errichtet wurde die Basilika am nordwestlichen Rand der ummauerten Stadt auf dem „Collis inferni“ – einer Anhöhe, auf der gewöhnlich Gesetzlose beigesetzt wurden. Nach einer Grundstücksschenkung durch Simone di Pucciarello benannte man den Ort in „Collis paradisi“ um. Obwohl der Bau der strengen Armutsregel der Franziskaner widersprach, erfüllte er zwei klare Aufgaben: Er sollte riesige Pilgermassen aufnehmen und das lesekundelose Volk über bildliche Darstellungen als visuelle Biblia pauperum unterweisen. Am 25. Mai 1253 weihte Papst Innozenz IV. die Basilika. Sie ist nicht-extraterritoriales Eigentum des Heiligen Stuhls und gehört seit dem Jahr 2000 zum UNESCO-Welterbe.

Sehenswertes

Das Bauwerk war eine der wichtigsten Stationen bei der Verbreitung der Gotik in Italien. Es verbindet die Erfordernisse einer großen Wallfahrtsstätte mit dem Grundriss einer Palastkapelle und nimmt sich französische Vorbilder wie die Sainte-Chapelle in Paris zum Muster – gekennzeichnet durch zwei übereinanderliegende, einschiffige Kirchen. Die um 1230 fertiggestellte Basilica Inferiore birgt die Gebeine des heiligen Franziskus, die man aus der Kirche San Giorgio hierher überführte. Um einen Raub zu verhindern, hielt man seinen Leichnam über Jahrhunderte hinweg verborgen, bis man ihn 1818 wiederentdeckte und in einem Sarkophag unter dem Hauptaltar beisetzte. Ursprünglich schlicht und rechteckig angelegt, erweiterte Bruder Elias die Unterkirche um ein Joch, ein Querhaus, eine Apsis und Kreuzrippengewölbe. In ihrem Inneren ruhen Johann von Brienne (König von Jerusalem und lateinischer Kaiser von Konstantinopel), Blasco Fernandez, Herzog von Spoleto, mit seinem Sohn Garcia, die römische Adlige Jacopa dei Settesoli sowie vier der ersten Weggefährten des Heiligen: Leone, Rufino, Masseo und Angelo. Die Freskendekoration begann im Querhaus um 1253 durch den Maestro di San Francesco, gefolgt um 1278 von Cimabue und seiner berühmten Maestà.

Die Basilica Superiore hingegen diente als Mönchssaal und Predigtraum. Als der Engländer Aimone da Faversham 1241 Generalminister des Ordens wurde, schufen transalpine Baumeister im Inneren einen innovativen „gotischen Käfig“. Dessen Rippenskelett steht in starkem Kontrast zum romanischen Erscheinungsbild der Außenfassaden mit ihren massiven Strebepfeilern. Hier gestaltete Cimabue gemeinsam mit dem Maestro Oltremontano und dem Maestro della Cattura den Chor und das Querhaus – Werke, die heute wegen damaliger technischer Fehler schwer beschädigt sind. In den frühen 1290er Jahren versahen römische und toskanische Meister, darunter Jacopo Torriti und der wegweisende Maestro di Isacco, die Gewölbezwickel und oberen Wandzonen des Langhauses mit Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament. Ihr endgültiges äußeres Erscheinungsbild erhielt die Anlage 1367 mit dem Bau der Cappella di Santa Caterina.

Der Besuch

Ununterbrochen von den Franziskaner-Konventualen betreut, gilt das Gotteshaus als Päpstliche Kapelle und seit 2006 als Päpstliche Basilika. Der Zugang ermöglicht es dir, das Grab in der Krypta sowie das lichtdurchflutete obere Kirchenschiff zu erkunden – historische Räume, in denen der heilige Bonaventura da Bagnoregio im 13. Jahrhundert sechzehn Predigten hielt, gefolgt im nächsten Jahrhundert von den Ansprachen des heiligen Bernardino da Siena. Der Komplex, zu dem auch das Sacro Convento gehört, in dem der heilige Giuseppe da Copertino im 17. Jahrhundert lebte, trägt die Spuren einer vielschichtigen Geschichte: 1320 plünderte Muzio di Francesco den Kirchenschatz, 1492 folgten die Baglioni, 1497 Jacopo Fiumi und Ende des 18. Jahrhunderts französische Truppen. Nach den Enteignungen des 19. Jahrhunderts gelangte das Gebäude 1927 wieder in den Besitz der Kirche und wurde 1939 zum Nationalheiligtum erklärt.

Tipp der Redaktion

Achte genau auf den deutlichen architektonischen Kontrast der Basilica Superiore: Die schweren Strebepfeiler und Außenpfeiler romanischer Prägung wurden gezielt konstruiert, um den enormen Statikschub der gotischen Kreuzrippengewölbe im Inneren aufzufangen.

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