Zwischen dem 25. März 1303 und dem 25. März 1305 überzog Giotto jede Innenfläche dieses Paduaner Oratoriums mit Fresken, zusammen mit rund vierzig Mitarbeitern: 625 giornate haben die Forscher gezählt, wobei eine giornata jene Putzfläche meint, die sich bemalen lässt, bevor sie trocknet. Auftraggeber war Enrico degli Scrovegni, der im Februar 1300 von Manfredo Dalesmanini das Gelände der alten römischen Arena gekauft und dort einen Palast mit angebauter Privatkapelle errichtet hatte. Dass er damit die Sünden seines Vaters, eines Wucherers, habe sühnen wollen, ist eine Legende: Dantes Verdammung des Rinaldo degli Scrovegni im Inferno stammt aus den Jahren nach dem Abschluss der Arbeiten.
Sehenswertes
Die Wände sind in vier übereinanderliegende Streifen gegliedert: oben die Geschichte von Joachim und Anna, darunter das Leben Marias, dann das Leben Christi und ganz unten, in grauem Scheinmarmor, die Allegorien der Laster und Tugenden. Die bemalte Fläche misst rund 700 Quadratmeter, davon 180 an der Decke, einem blauen Sternenhimmel. An der Eingangswand steht das Jüngste Gericht, in dem Enrico der Muttergottes ein Modell der Kapelle überreicht: an jedem 25. März fällt morgens ein Lichtstrahl zwischen seine Hand und ihre.
Die Apsis erzählt von einem Streit. Im Januar 1305 beschwerten sich die Eremitani-Mönche aus dem Kloster nebenan, aus dem privaten Oratorium werde eine Kirche mit Glockenturm; wahrscheinlich wurden daraufhin die monumentale Apsis und das Querhaus abgerissen. Was blieb, ist eng und passt schlecht zu Giottos Symmetrie: Die sechs Szenen vom Lebensende Marias stammen von einer anonymen Hand, dem Meister des Scrovegni-Chors, der etwa zwanzig Jahre später hier arbeitete. Darunter liegen die Gräber von Enrico und seiner zweiten Frau Jacopina d'Este.
Der Besuch
Der Raum ist kleiner, als Fotos vermuten lassen: 29,88 Meter lang und 12,65 hoch. Eingelassen wird in Gruppen von höchstens fünfundzwanzig Personen, und jede Gruppe verbringt zuvor eine Viertelstunde im Corpo Tecnologico Attrezzato, der Kammer, die die Luft entfeuchtet und Staub abfängt; der Aufenthalt in der Kapelle selbst ist ebenso kurz, weshalb die Reservierung Pflicht ist und das Ticket auch die Musei Civici bei den Eremitani einschließt. 1827 begannen die Eigentümer, den Palast abzureißen und die Materialien zu verkaufen; die Stadt Padua rettete die Kapelle, indem sie sie 1881 für 54.971 Lire kaufte. Die Restaurierung der Fresken endete 2002, und seit 2021 gehört der Zyklus zum UNESCO-Welterbe der Paduaner Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts.
Tipp der Redaktion
Die fünfzehn Minuten in der Schleuse sind keine verlorene Zeit: Der Film, der dort läuft, hilft dabei, sich vorher zu überlegen, worauf man achten will, denn drinnen vergeht die Zeit schnell. Wir drehen uns sofort zur Eingangswand um und nehmen uns das Jüngste Gericht vor, solange die Gruppe noch ankommt; danach gehen wir hinunter zu den Tugenden und Lastern in Scheinmarmor auf Augenhöhe. Fast alle übersehen sie, dabei sind sie der modernste Teil des Zyklus, mit dem Neid, den die eigene Flamme frisst, und der Torheit im Federhut.










