Zwischen dem 25. März 1303 und dem 25. März 1305 schufen Giotto und seine 40 Mitarbeiter in nur 625 „giornate“ – also Arbeitstagen auf frischem Putz – einen Freskenzyklus, der die westliche Kunstgeschichte veränderte. Stifter der Kapelle, die als privates Oratorium und Familienmausoleum geplant war, war der wohlhabende paduanische Bankier Enrico degli Scrovegni. Er hatte das Areal der einstigen römischen Arena im Februar 1300 vom verarmten Adligen Manfredo Dalesmanini erworben. Bischof Ottobono dei Razzi genehmigte den Bau vor dem Jahr 1302, und am 1. März 1304 gewährte Papst Benedikt XI. den Besuchern einen besonderen Ablass. Seit 2021 gehört das Bauwerk als Teil der Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts in Padua zum UNESCO-Welterbe.
Sehenswertes
Das Kirchenschiff misst 29,88 Meter in der Länge, 8,41 Meter in der Breite und 12,65 Meter in der Höhe. Die Innenflächen bieten 700 Quadratmeter Fresken, dominiert von den 180 Quadratmetern des beinahe vollständig in Azurblau gehaltenen Gewölbes. Die Wände sind in vier Streifen mit den Geschichten von Joachim, Anna, Maria und Christus unterteilt, getrennt durch geometrische Rahmen, sowie Monochrom-Panels (Grisaille) mit Darstellungen der Tugenden und Laster. An der Eingangswand dominiert das Jüngste Gericht, auf dem Enrico Scrovegni abgebildet ist, wie er ein Modell der Kirche mit einem breiten Querschiff überreicht; im Paradiesbereich findet sich zudem ein postumes Porträt von Dante Alighieri. Das einheitliche theologische Programm entwarf der Augustiner-Mönch Alberto da Padova, der sich auf die apokryphen Evangelien des Pseudo-Matthäus und des Nikodemus, die Legenda Aurea des Jacopo da Varazze, den Physiologus sowie die Meditationen des Pseudo-Bonaventura stützte. Der Chorbereich mit den Gräbern von Enrico und seiner zweiten Frau Iacopina d'Este wirkt heute eingeengt und uneinheitlich: Er besteht aus einem ersten, quadratischen Teil von 4,49 mal 4,31 Metern und einem 2,57 Meter tiefen polygonalen Abschnitt, der von fünf Rippenkappen bedeckt wird. Grund dafür ist, dass das ursprüngliche Querschiff nach dem Januar 1305 abgerissen wurde, nachdem die benachbarten Eremitani-Mönche wegen unlauteren Wettbewerbs durch den neuen Glockenturm protestiert hatten. Die Absis weist nach 1320 entstandene Fresken des „Meisters des Scrovegni-Chores“ auf, der hier sechs Szenen aus den letzten Tagen Marias malte und Giottos Symmetrie über dem Altar von Katharina von Alexandrien durch zwei Tondi mit Heiligen, Christus in der Glorie, das Gebet im Gethsemane-Garten und die Geißelung veränderte. Bemerkenswert ist laut dem Forscher Giuliano Pisani, dass dieses augustinische Bildprogramm die Legende widerlegt, das Werk habe der Sühne für die Sünden von Enricos Vater Rinaldo gedient, den Dante erst Jahre nach Abschluss der Arbeiten im 17. Gesang des Inferno unter die Wucherer reihte.
Der Besuch
Nachdem die Kapelle 1880–1881 für 54.971 Lire von der Familie Baglioni-Gradenigo durch die Stadt Padua erworben worden war, konnte sie dank des Rechtsanwalts Giacomo Levi Civita gerettet werden. Dieser wies die ursprüngliche öffentliche Nutzung nach und verhinderte so die Zerstörung durch die Familie Foscari, die bereits 1827 den angrenzenden Palast abgerissen hatte, um Wohngebäude zu errichten (die später wieder abgebrochen wurden). Nach der umfassenden Restaurierung in den Jahren 2001–2002 unter der Leitung von Giuseppe Basile vom Istituto Centrale per il Restauro erfolgt der Zugang über eine Schleuse, das Corpo Tecnologico Attrezzato (CTA). Hier verweilen Gruppen von maximal 25 Personen für 15 Minuten, sehen Audiovisuelles und durchlaufen eine Entfeuchtung sowie Staubreinigung. Das Gebäude kämpft jedoch weiterhin mit Problemen: Die Krypta wird durch Grundwasser überschwemmt, und Betongurte aus den 1960er-Jahren, die anstelle der ursprünglichen Holzkonstruktionen eingesetzt wurden, beeinträchtigen die Elastizität des Bauwerks.
Tipp der Redaktion
Plan deinen Besuch am besten für den Morgen des 25. März, dem Fest der Verkündigung des Herrn und Jahrestag der Weihen von 1303 und 1305 (für die Marchetto da Padova eine eigene Motette komponierte). Genau an diesem Tag fällt ein Sonnenstrahl so durch das Fresko des Jüngsten Gerichts, dass er exakt die Lücke zwischen den Händen von Enrico und Maria trifft. Und ein besonderes Detail für Neugierige: Im Otsuka-Kunstmuseum in Japan gibt es einen exakten Nachbau der Kapelle im Maßstab 1:1.