🖼️ Museen

Mole Antonelliana e Museo del Cinema

📍 Torino, Piemont · 86/100

Die Mole Antonelliana wurde am 10. April 1889 eingeweiht, nur wenige Tage nach dem Eiffelturm. Mit einer Höhe von 167,35 Metern (heute 167,5) war sie bis 1908 das höchste Mauerwerksgebäude der Welt. 1862 vom Architekten Alessandro Antonelli auf einer ehemaligen napoleonischen Bastei in der heutigen Via Montebello entworfen, sollte sie ursprünglich eine Synagoge für die jüdische Gemeinde werden – eine Folge der durch das Statuto Albertino gewährten Freiheiten. Antonellis ehrgeizige Pläne ließen jedoch die Kosten explodieren und sprengten die ursprünglich geplante Höhe von 47 Metern. Das veranlasste die Gemeinde dazu, das Bauwerk 1873 an die Stadt Turin abzutreten, die es Vittorio Emanuele II. widmete. Von Friedrich Nietzsche als „die wohl genialste Architekturleistung, die je geschaffen wurde“ bezeichnet, beherbergt das Gebäude seit 2000 das Museo Nazionale del Cinema und ist damit die Ausstellungsfläche mit der größten vertikalen Ausdehnung der Welt.

Sehenswertes

Die Außenstruktur erhebt sich über einem neoklassizistischen Pronaos, gekrönt von einer komplexen Kuppel mit quadratischem Grundriss. In 90 Metern Höhe ragt der „Tempietto“ auf, ein zweigeschossiger Säulengang mit sechs Säulen, gefolgt von der „Lanterna“, einer kreisförmigen Granitkolonnade auf einem Kegelstumpf. Die Spitze bildet ein 50 Meter hoher, achteckiger Turmhelm mit zehn kreisförmigen Balkonen, die durch Zickzack-Treppen verbunden sind. Ganz oben thront ein 4 Meter großer, fünfzackiger Kupferstern, den der Ingenieur Ernesto Ghiotti 1906 entwarf.

Im Inneren bietet die zwischen 1905 und 1908 von Annibale Rigotti gestaltete Tempelhalle eine Ausstellungsfläche von 3.200 Quadratmetern auf fünf Ebenen. Der Hauptraum ist von Kapellen umgeben, die den verschiedenen Filmgenres gewidmet sind. Die von der Historikerin Maria Adriana Prolo begründete Sammlung zeigt vorfilmische optische Geräte wie Laternae Magicae sowie Requisiten. Zum Bestand gehören über 300.000 Plakate, 80.000 Fotografien, 12.000 Filme und 20.000 Geräte und Drucke. Zudem ist der ursprüngliche „Genio Alato“ ausgestellt: eine 300 kg schwere Skulptur aus getriebenem und vergoldetem Kupfer mit Lanze und Palmenzweig, geschaffen vom Bildhauer Fumagalli für die Spitze des Gebäudes. Sie stürzte am 11. August 1904 durch einen Blitzeinschlag abstürzte und wurde von den Turiner Bürgern historisch oft für einen Engel gehalten. Ingenieurtechnisch zeigt das Bauwerk Antonellis System aus Eisenzugstangen und Backsteinbögen, das im 20. Jahrhundert durch Stahlbeton und Stahlträger ergänzt wurde.

Der Besuch

Das Herzstück des Museumsbesuchs ist der 2000 installierte Panoramalift aus transparentem Glas. Er durchfährt das einzige große, offene Hallenfeld des Gebäudes ohne Zwischendecken und legt dabei in 59 Sekunden eine vertikale Strecke von 75 Metern zurück. Die Fahrt endet am Tempietto, der als Aussichtsplattform für einen 360-Grad-Blick über Turin dient. Die Sehenswürdigkeit, die 2008 genau 532.196 Besucher verzeichnete, ist auch das Hauptzentrum des Torino Film Festivals, dessen Retrospektiven im nahegelegenen Multiplex-Kino Massimo stattfinden.

Tipp der Redaktion

Schau dir den im Museum aufbewahrten Genio Alato aufmerksam an: Du kannst den kleinen fünfzackigen Stern auf seinem Kopf erkennen und bekommst ein Gefühl für die Ausmaße dieser drei Zentner schweren Statue, die nach ihrem Absturz im Jahr 1904 wie durch ein Wunder auf der kleinen Terrasse unterhalb der Turmspitze hängen blieb.

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