🏰 Burgen und Schlösser

Royal Palace of Venaria

📍 Venaria Reale, Piemont · 90/100

Das Schloss Venaria Reale öffnete nach dem größten Restaurierungsprojekt der europäischen Geschichte am 13. Oktober 2007 wieder seine Pforten – ein gewaltiges Unterfangen, das über 300 Millionen Euro kostete und acht Jahre dauerte. Der imposante piemontesische Komplex wurde 1658 von Herzog Carlo Emanuele II. in Auftrag gegeben, der dem von seinem Vorgänger Carlo Emanuele I. erbauten Castello di Mirafiori ein ebenbürtiges Denkmal entgegensetzen wollte. Nachdem der Herzog den Mailänder Adligen Birago die Dörfer Altessano Superiore und Altessano Inferiore abgekauft hatte, wählte er dieses Gebiet am Fuße der Valli di Lanzo nahe den Wäldern des Gran Paese als Stützpunkt für seine Jagden. Schon der Name leitet sich vom lateinischen Venatio Regia ab, was königliche Jagd bedeutet. Zusammen mit den anderen Residenzen des Hauses Savoyen gehört die Anlage seit 1997 zum UNESCO-Welterbe und wurde 2017 vom Guida Michelin mit drei Sternen ausgezeichnet.

Sehenswertes

Der Architekt Amedeo di Castellamonte entwarf das Anwesen als ideale Stadt im Miniaturformat, deren kreisförmiger Grundriss dem Kollane des Höchsten Ordens der Annunziata nachempfunden ist. Das Bildprogramm der Anlage, das den Herzog als Beherrscher der Natur feiert, stammte von dem Jesuiten Emanuele Tesauro. Zum Kern aus dem 17. Jahrhundert gehört die Reggia di Diana, die zwischen 1660 und 1663 um vier Etagen mit einem Belvedere erweitert wurde, sowie die Zwillingsfassaden der Kirchen an der Piazza aus dem Jahr 1669. Die ursprüngliche Gestaltung verrät den Einfluss römischer Villen des späten 16. Jahrhunderts wie der Villa Borghese und der Villa Mondragone. Nach den Zerstörungen durch die Franzosen im Jahr 1693 und der Belagerung von Turin 1706 durch Louis d'Aubusson de la Feuillade wandte sich der Hof der Savoyer dem französischen Formalismus zu. Michelangelo Garove baute in Abstimmung mit dem Versailler Architekten Robert de Cotte die Süd-Pavillons und gestaltete die Außenanlagen neu. Den eigentlichen Höhepunkt des Barock schaffte jedoch Filippo Juvarra, der 1716 die Arbeit übernahm: Von ihm stammen die eindrucksvolle Galleria Grande mit ihren Marmordekoren, die Scuderia Grande, die Citroneria (1722–1727) und die Cappella di Sant'Uberto. Benedetto Alfieri führte das Werk ab 1739 weiter, indem er den Uhrturm Torre dell'Orologio neu errichtete und den Belvedere-Flügel (1751) sowie die Reithalle (1761) hinzufügte. Im Zuge des gewaltigen modernen Restaurierungsprojekts wurden 240.000 Quadratmeter Gebäudefläche, 1.000 Fresken und 9.500 Quadratmeter Stuckarbeiten sowie 800.000 Quadratmeter Grünflächen wiederhergestellt. Die Giardini, die 2019 zum schönsten öffentlichen Park Italiens gekürt wurden, umfassen die Allea Reale, den 1710 angelegten Englischen Garten und das Labyrinth, das Juvarra 1725 anstelle des einstigen Tempio di Diana schuf.

Der Besuch

Heute ist das Schloss das siebte der meistbesuchten staatlichen Museen Italiens mit über einer Million Besuchern im Jahr 2018. Es dient als bedeutender Ausstellungsort unter der Leitung der Struttura Flessibile del Complesso della Venaria, in dem 2011 die großen Ausstellungen zum 150. Jahrestag der Einheit Italiens stattfanden. Wenn du durch die Räume gehst, fällt es schwer, sich den Niedergang des Komplexes während seiner militärischen Nutzung vorzustellen: In der Napoleonischen Ära wurden die Giardini für einen Exerzierplatz eingeebnet, während die ursprüngliche Einrichtung nach Racconigi, Stupinigi und Agliè verfrachtet wurde. Bis 1943 beherbergte das Anwesen die Artillerie und die Scuola di cavalleria und entwickelte sich zu einem europäischen Zentrum für neue Reit- und Kampfmethoden. Nach einer flüchtigen kosmetischen Instandsetzung im Jahr 1961 wurde dem Verfall erst 1978 Einhalt geboten – nicht zuletzt dank eines aufsehenerregenden Fernsehberichts des Kunsthistorikers Federico Zeri, der die Öffentlichkeit aufrüttelte.

Tipp der Redaktion

Um die städtebauliche Vision zu verstehen, die 1669 sogar die Pläne von Ludwig XIV. für sein Versailles beeinflusste, beginnst du deinen Rundgang am besten in der Hauptstraße des Borgo. Wenn du unter den 1679 von Castellamonte errichteten Arkaden entlanggehst, erkennst du rasch, wie die geradlinige Achse den Ort, die Piazza, das Schloss und die Giardini optisch zu einer einzigen eindrucksvollen Perspektive verbindet.

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