🏰 Burgen und Schlösser

Fénis Castle

📍 Fénis, Aostatal · 80/100

Im Jahr 1392, nachdem er zwei Jahre lang das Amt des Inspektors für Befestigungsanlagen am Hof der Savoyer innegehabt hatte, leitete Bonifacio I. von Challant eine umfassende Baumaßnahme ein. Sie verwandelte eine bestehende Familienburg in eine repräsentative höfische Residenz. Anders als die Burgen von Verrès und Ussel, die auf unzugänglichen Felsvorsprüngen errichtet wurden, steht das Castello di Fénis etwa dreizehn Kilometer von Aosta entfernt auf einem Hügel ohne jegliche natürliche Schutzbarrieren. Seine bühnenreife Architektur diente rein repräsentativen Zwecken: Sie sollte Eindruck schinden und die Bevölkerung in Staunen versetzen. Die Ursprünge der Anlage reichen mindestens bis ins Jahr 1242 zurück, als ein Dokument das „castrum Fenitii“ als Eigentum des Vizegrafen Gotofredo di Challant erwähnt. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Bauwerk jedoch zwischen 1320 und 1421. Nach dem ab 1426 einsetzenden Niedergang wurde das Schloss 1716 für 90.000 Lire verkauft, um hohe Schulden zu begleichen, und diente schließlich nur noch als Stall und Scheune. Seine Wiedergeburt verdankt es Alfredo d'Andrade, der es 1895 für 15.000 Lire für den italienischen Staat erwarb und die Restaurierungsarbeiten einleitete.

Sehenswertes

Die Burg entfaltet sich um einen fünfzackigen Hauptbau, der von einer doppelten Zinnenmauer umgeben ist. Entlang der Ringmauer erheben sich mehrere kleine Türme, die durch einen Wehrgang miteinander verbunden sind. Die großen Türme im Süden und Westen besitzen Schießscharten und Kragsteine, während die nach Norden zur ehemaligen Hauptstraße gerichtete Mauer heute fünf Rundtürme aufweist (einer davon wurde während der umstrittenen Restaurierungen in den 1930er-Jahren unter Cesare Maria De Vecchi und Vittorio Mesturino ergänzt, die auch das heutige Eingangsportal im Süden schufen). Bei einem Spaziergang im Zwinger zwischen den beiden Mauerringen kannst du an den Wänden eingemeißelte Steinmasken entdecken, die Unheil abwehren sollten. Das Herzstück der Anlage bildet der rechteckige Innenhof mit seiner imposanten halbkreisförmigen Steintreppe und zwei hölzernen Galeriegeschossen. Hier sticht das Fresko des heiligen Georg aus dem 15. Jahrhundert hervor, der den Drachen tötet; die Wände der Galerien zeigen Gestalten von Weisen, Propheten sowie Sprichwörter in altfranzösischer Sprache – Werke, die Giacomo Jaquerio, seiner Schule und dem Maler Giacomino da Ivrea zugeschrieben werden. Das Innere gliedert sich in drei Etagen, die Platz für bis zu sechzig Personen boten. Im Erdgeschoss befanden sich die Wache, die Küche, der Holzschuppen und die Regenwasserzisterne. Das erste Obergeschoss bildete die Beletage: Hier lagen die Gemächer der Herrschaften, der Gerichtssaal und die mit Fresken verzierte Kapelle. Die Räume sind mit Möbeln ausgestattet, die während der Restaurierung 1935 auf dem Antiquitätenmarkt erworben wurden, um ein Museum für aostataler Einrichtungskunst zu schaffen. Das zweite Obergeschoss im Dachgeschoss und das Souterrain mit den Gefängnissen vervollständigen den Bau.

Der Besuch

1896 zum Nationaldenkmal erklärt, gehört das Schloss heute der Regionalverwaltung des Aostatals, die es in ein Museum umgewandelt hat. Die Innenräume können ausschließlich im Rahmen von Führungen besichtigt werden, bei denen das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss zugänglich sind. Das zweite Obergeschoss, das ursprünglich dem Gesinde vorbehalten war, ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Tipp der Redaktion

Nimm dir Zeit, die Details des Innenhofs und der Holzgalerien genau zu betrachten: Der Architekt Alfredo d'Andrade studierte diese Räume mit solcher Präzision, dass er sie noch vor dem Kauf der Burg als exaktes Vorbild nutzte, um den Hof des Borgo Medievale in Turin für die Italienische Generalausstellung von 1884 nachzubilden.

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