Das Museo Egizio wurde 1824 von König Carlo Felice di Savoia gegründet, als dieser für 400.000 Lire die gewaltige Sammlung von Bernardino Drovetti erwarb. Damit ist es das weltweit älteste Museum, das sich ausschließlich der Kultur des alten Ägyptens widmet. Untergebracht im Palazzo dell'Accademia delle Scienze aus dem 17. Jahrhundert, den der Architekt Guarino Guarini entwarf, gehört das Haus heute zu den am meisten besuchten Museen Italiens – für 2025 werden über 1,2 Millionen Besucher erwartet. Rund 40.000 Exponate decken die Spanne von der Altsteinzeit bis zur koptischen Epoche ab. Neben den Funden Drovettis umfasst der Bestand die Ausgrabungen aus der Expedition des Botanikers Vitaliano Donati im 18. Jahrhundert sowie die Arbeiten des Ägyptologen Ernesto Schiaparelli im 20. Jahrhundert, der bei 15 Kampagnen in Ägypten die savoyische Sammlung massiv erweiterte.
Sehenswertes
Die Ausstellung bietet dir einen eindrucksvollen Überblick über Kunst und Alltag der Ägypter. Der Statuen-Parcours gipfelt in der Assemblea dei Re, wo ein spektakuläres Licht- und Spiegelkonzept, das Dante Ferretti für die Olympischen Spiele 2006 entwarf, Meisterwerke wie die Rosa-Granit-Statue von Pharao Ramses II., die in Copto und Karnak entdeckten Göttinnen Iside und Sekhmet sowie die fünf Tonnen schwere Statue von Seti II. in Szene setzt. Einen zentralen Schwerpunkt bildet die Grabarchäologie: Die 1906 von Schiaparelli völlig unversehrt entdeckte Tomba di Kha e Merit wurde komplett ins Museum überführt. Sie steht neben der Rekonstruktion der Tomba di Maia, den Wandmalereien aus der Tomba di Iti e Neferu aus Gebelein und den Funden aus der Tomba di Ignoti. Ebenso außergewöhnlich ist der Felsentempel von Ellesija, den Ägypten Italien in den 1960er-Jahren als Dank für die Hilfe bei der Rettung der nubischen Denkmäler am Nassersee schenkte. Die Papyri-Sammlung beeindruckt mit 700 vollständigen Schriftrollen und 17.000 Fragmenten, an denen Jean-François Champollion schon ab 1824 seine Entzifferung der Hieroglyphen überprüfte. Zu den Höhepunkten zählen der Papiro delle miniere, der Papiro Erotico, der Papiro Giudiziario sowie drei Fassungen des Totenbuchs – darunter das Exemplar von Iuefankh mit beachtlichen 1.847 Zentimetern Länge und die persönliche Kopie des Architekten Kha. Vervollständigt wird die Sammlung durch 24 menschliche Mumien, 17 mumifizierte Tiere, die Reliefs von Djoser, das von Giulio Farina entdeckte bemalte Leinen aus Gebelein von 3500 v. Chr. und die Mensa Isiaca.
Der Besuch
Nach dreieinhalbjährigen Arbeiten öffnete das Museum am 1. April 2015 wieder seine Pforten und erstreckt sich nun über 12.000 Quadratmeter. Die chronologische Ausstellungsroute verläuft über fünf Etagen, darunter ein Untergeschoss, mit einem Gestaltungskonzept des Büros Migliore+Servetto Architects. Die Räume sind mit Klimaanlagen zur präzisen Regulierung von Temperatur und Feuchte ausgestattet, um Mumien und Papyri zu schützen, ergänzt durch Restaurierungswerkstätten, eine Bibliothek und Schulungsbereiche. Seit dem 29. Juni 2022 gehört auch ein kostenlos zugänglicher botanischer Garten zur Anlage, der sich der Pflanzenwelt des alten Ägyptens widmet. Zudem ist das Haus Teil des internationalen Multaka-Netzwerks und bietet kostenfreie Führungen in arabischer Sprache an, die von geschulten Guides geleitet werden, um Geflüchteten und Migranten einen Zugang zum kulturellen Erbe zu eröffnen.
Tipp der Redaktion
Schau dir in der Papyrus-Abteilung unbedingt den Papiro dei Re an, ein Schlüsseldokument für die Chronologie der ägyptischen Herrscher. Neben seiner historischen Bedeutung rankt sich eine seltsame Turiner Legende um das Werk und sein mysteriöses Verschwinden in der Vergangenheit: Die Chroniken berichten sogar, dass 1950 ein Parapsychologe zu Rate gezogen wurde, um vergeblich nach den fehlenden Teilen zu suchen. Vergleiche diese jahrtausendealte Kostbarkeit mit der Mensa Isiaca, einer Bronzeplatte aus römischer Nachahmung, die 1630 nach Turin gelangte: Es war genau dieses eine exotische Objekt, das die jahrhundertelange Faszination des Hauses Savoyen für Ägypten entfachte und letztlich zur Gründung des Museums führte.