Das Objekt, mit dem alles begann, stammt nicht aus Ägypten: Die Mensa Isiaca, eine Bronzetafel, die Karl Emanuel I. 1628 kaufte und die um 1630 nach Turin gelangte, ist eine römische Nachahmung, vermutlich für einen Isistempel in Rom gefertigt. Sie genügte, um das Haus Savoyen neugierig zu machen: Zwischen 1759 und 1762 wurde der Botaniker Vitaliano Donati zum Graben nach Ägypten geschickt und kehrte mit den Statuen Ramses' II. aus Rosengranit, der Göttin Sachmet und der Isis zurück. Das Museum selbst entstand 1824, als Karl Felix für 400.000 Lire die Sammlung des Piemontesen Bernardino Drovetti erwarb, des französischen Generalkonsuls in Ägypten: mehr als 7.000 Stücke, darunter Statuen, Sarkophage, Mumien und Papyri. Im selben Jahr kam Jean-François Champollion nach Turin, war beim Öffnen der Kisten dabei und prüfte an den Originalen, was er gerade entziffert hatte.
Sehenswertes
Das Herzstück ist das Grab von Cha und Merit, das Ernesto Schiaparelli 1906 unversehrt fand und vollständig nach Turin bringen ließ: Möbel, Kleidung, Lebensmittel, die komplette Grabausstattung eines Architekten des Neuen Reiches und seiner Frau. Daneben stehen der Felsentempel von Ellesija, den Ägypten Italien für die Hilfe bei der Rettung der nubischen Denkmäler schenkte, und der Königspapyrus, jene Herrscherliste, auf der ein großer Teil der pharaonischen Chronologie ruht.
In den Vitrinen liegen vierundzwanzig menschliche Mumien und siebzehn tierische, siebenhundert vollständige Papyri und siebzehntausend Fragmente; das Totenbuch des Iuefankh misst 1847 Zentimeter, die Statue Sethos' II. wiegt fünf Tonnen. Die Säle mit den großen Königsstatuen richtete 2006 der Filmarchitekt Dante Ferretti mit Spiegeln und streifendem Licht ein. Seit dem 29. Juni 2022 gehört auch ein Garten mit Pflanzen des alten Ägypten dazu, der Eintritt dorthin ist frei.
Der Besuch
Der Eingang liegt in der Via Accademia delle Scienze 6, im Akademiepalast aus dem 17. Jahrhundert nach Plänen von Guarino Guarini, fünf Gehminuten von der Piazza Castello. Am 1. April 2015 öffnete das Haus nach dreieinhalb Jahren Umbau wieder, unter der seit 2014 amtierenden Leitung von Christian Greco: 12.000 Quadratmeter auf fünf Etagen, chronologisch geordnet. Bei mehr als 40.000 Objekten braucht der vollständige Rundgang gut drei Stunden; zwei genügen, wenn man einige Säle auswählt und den Rest auslässt. 2025 kamen über 1,2 Millionen Menschen, die Karte kauft man also besser online.
Tipp der Redaktion
Unser Rat ist, die Reihenfolge umzudrehen: Suchen Sie gleich das Grab von Cha und Merit, solange der Blick noch frisch ist, denn dort ist das Museum am stärksten, und nach zwei Stunden Vitrinen schaut man nur noch flüchtig hin. Bevor Sie gehen, werfen Sie einen Blick in den ägyptischen Garten, an den fast niemand denkt.










