Sehenswertes
Die Klippe besteht aus Trubi, einem Sedimentmergel von charakteristisch reinweißer Farbe, der aus den Schalen planktonischer Foraminiferen entstanden ist. Geologisch stammen diese Gesteine aus dem Unteren Pliozän, genauer gesagt aus dem Zancleum; sie lagerten sich nach der Flutkatastrophe an, die das Mittelmeer im Anschluss an die Messinische Salinitätskrise wieder auffüllte. Die Felswand schwingt in sanften, abgerundeten Formgebungen und gleicht einer riesigen Treppe der Natur. Sie liegt zwischen zwei feinsandigen Stränden, und von ihrer Höhe aus genießt du einen Weitblick über die Küste von Agrigent bis hin nach Capo Rossello. Anstelle eines zweiten illegalen Betonbaus, der 2015 abgerissen wurde, blickst du heute von einem Aussichtspunkt des Fondo per l'Ambiente Italiano (FAI) auf die Klippe. Dieser Aussichtspunkt wurde 2016 eingeweiht – als Ergebnis von Initiativen gemeinsam mit Legambiente, die schon 2013 den Abbruch eines Schwarzbaus aus den 1980er-Jahren durchgesetzt hatten.
Der Besuch
Seit 2023 steht die Stätte im öffentlichen Eigentum und wird vom Parco archeologico della Valle dei Templi verwaltet. Für den Zugang wird ein Eintrittsgeld erhoben, das auch den Besuch der nahe gelegenen Villa romana di contrada Durrueli (auch als Villa Aurea bekannt) beinhaltet. Um die Felsformation zu erreichen, gehst du am Ufer entlang und steigst den Hang hinauf. Die Anlage blickt auf eine verwickelte Verwaltungsgeschichte zurück: Seit 2017 machten ihr fortschreitende Erosion und Erdrutsche zu schaffen, und 2020 wurde das Areal wegen eines Eigentumsstreits mit einer Privatperson von der Staatsanwaltschaft Agrigent beschlagnahmt. Zudem war die Klippe das Ziel von Vandalismus. Der schwerste Vorfall ereignete sich im Januar 2022, als der Mergel mit rotem Putzpulver beschmiert wurde. Die Denkmalschutzbehörde (Soprintendenza ai Beni Culturali) und Freiwillige reinigten den Felsen umgehend; 2025 wurden zwei Personen aus Favara deswegen verurteilt. Die Initiative zur Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe begann 2007 mit einem Antrag der Gemeinde Realmonte und wurde 2019 durch einen einstimmigen Beschluss der Regionalversammlung Siziliens erneut vorangetrieben.
Tipp der Redaktion
Wer die Form der Küste betrachtet, versteht schnell, wie der Ort zu seinem Namen kam. Die Steilwand bildet einen natürlichen Schutzwall, der die Bucht vor starken Winden abschirmt. Genau diese Eigenschaft bot einst sarazenischen und barbareskischen Piraten einen sicheren Ankerplatz. Man nannte sie verallgemeinernd „Türken“, da das Osmanische Reich damals Nordafrika umfasste. Die Freibeuter nutzten die natürlichen Felsstufen als Ausgangspunkt für Raubzüge in die umliegenden Dörfer – eine Gefahr, die erst nach der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571 endete.