Sehenswertes
Die Villa erstreckt sich auf einer einzigen Ebene in einer Pavillonstruktur, die an das Vorbild der Villa Adriana in Tivoli erinnert. Der Komplex gliedert sich in vier getrennte Bereiche mit jeweils eigener Ausrichtungsachse, die alle mit äußerster Präzision auf die Mitte des rechteckigen Peristyls zulaufen. Der monumentale Eingang im Westen empfängt dich mit drei Bögen und einem hufeisenförmigen Hof. Von hier gelangst du zum Haupttrakt, der um das große Peristyl mit Garten und einem geschwungenen Becken in der Mitte angelegt ist. An diesen Bereich grenzen im Norden die Gästezimmer und im Osten die apsidenförmige Basilika an, die in einer dritten Bauphase erweitert und reich mit exotischem Marmor ausgestattet wurde.
Der Rundgang im Inneren ist so angelegt, dass öffentliche und private Aktivitäten funktionell getrennt sind, und führt durch eine Reihe von Räumen, die für ihre Fußböden berühmt sind; deren Themen verraten fast immer die jeweilige Nutzung der Säle. Besonders hervorzuheben sind der Korridor 25 mit der „Großen Jagd“, der Raum der „Kleinen Jagd“ und die „Diaeta des Orpheus“. Im Süden erstreckt sich ein großer Trakt, dem ein ovales Peristyl vorgelagert ist und der in einem imposanten Triklinium (Dreibogensaal) für repräsentative Empfänge gipfelt. Die Thermenanlage, die von der Nordwestecke des Hauptperistyls aus zugänglich ist, umfasst eine Palästra, deren Mosaike die „Zirkusspiele“ zeigen. Obwohl weniger bekannt, belegen die Überreste, dass nicht nur die Innenräume, sondern auch die Außenwände mit Fresken bedeckt waren, während die Gewölbe einzelner Räume in einer besonderen Hohlziegel-Technik errichtet wurden.
Der Besuch
Die heutige Gestalt der Ausgrabungsstätte lässt die historischen Schichten dieses Palastes im Miniaturformat deutlich erkennen. Die Residenz wurde in außergewöhnlich kurzer Zeit – geschätzt zwischen fünf und zehn Jahren – über einer älteren Villa rustica errichtet und mindestens 150 Jahre lang bewohnt. Zwischen dem 5. und 6. Jahrhundert schloss man die Bögen des Aquädukts für die Thermen und befestigte die Außenmauer. Die daraus entstandene mittelalterliche Siedlung, bekannt als Platia, Blàtea oder Iblâtasah, wurde zwischen 1160 und 1161 vom normannischen König Wilhelm I. dem Bösen zerstört. Kurz darauf verschüttete ein Erdrutsch die Villa und bewahrte die Mosaikböden wie durch ein Wunder. Die wissenschaftliche Erforschung begann mit Paolo Orsi 1929, Giuseppe Cultrera 1935-39 und systematisch durch Gino Vinicio Gentili zwischen 1950 und 1960; aus dieser Zeit stammt auch die erste Schutzüberdachung des Architekten Franco Minissi. Die Grabungen der Universität La Sapienza, die in den 1970er-Jahren von Andrea Carandini begonnen wurden, bringen bis heute immer wieder neue, prunkvolle Räume ans Licht.
Tipp der Redaktion
Schau dir die Details des Obelisken auf dem Mosaik der „Zirkusspiele“ in der Thermen-Palästra genau an. Historikern zufolge stellt er den Lateranischen Obelisken dar, den Memmius Vitrasius Orfitus im Circus Maximus errichten ließ. Dieses Detail legt zusammen mit dem Prunk der „Großen Jagd“ nahe, dass die Villa nicht dem Kaiser Maximian gehörte, sondern einem mächtigen Aristokraten wie Lucius Aradius Valerius Proculus Populonius oder Orfitus selbst.