Sehenswertes
Die Topografie von Selinunte ist außergewöhnlich vielgliedrig und liegt eingerahmt zwischen den Flusstälern des Modione im Westen und des Cottone im Osten. Das öffentliche und religiöse Zentrum befand sich auf der südlichen Akropolis – ein Areal, das durch das Kreuz zweier Hauptstraßen strukturiert wurde und von den Überresten der Tempel A, B, C, D und O dominiert wird. Nördlich davon erstreckte sich das nach einem strengen hippodamischen Raster angelegte Wohngebiet, flankiert von den Nekropolen Galera-Bagliazzo und Manuzza. Auf dem östlichen Hügel jenseits des Cottone erheben sich die gewaltigen Überreste der Tempel E, F und G zusammen mit der Nekropole von Buffa. Das heutige Bild der Stätte mit ihren riesigen Trümmerfeldern geht auf zwei Katastrophen zurück: die karthagische Belagerung im Jahr 409 v. Chr. – die unter Annibale Magone nach nur neun Tagen endete, 16.000 Bürgern das Leben kostete und 5.000 in die Sklaverei zwang – sowie ein verheerendes Erdbeben in byzantinischer Zeit. Während der späteren arabischen Besetzung trugen die Ruinen der Stätte den Namen Rahl'-al-Asnam, das Dorf der Säulen.
Der Besuch
Wenn du das 2,7 Quadratkilometer große Areal erkundest, solltest du etwas Zeit mitbringen, denn erst beim Laufen erfährst du die monumentale Dimension dieser einstigen Großstadt. Nach der Zerstörung durch die Karthager besiedelte und befestigte der Syrakuser Ermocrate lediglich den Bereich der Akropolis neu, bevor die Stadt während des Ersten Punischen Krieges im Jahr 250 v. Chr. endgültig geräumt wurde. Nach Jahrhunderten des Vergessens identifizierte erst 1551 der Theologe und Archäologe Tommaso Fazello den Ort wieder. Ein Großteil der beweglichen Funde befindet sich heute allerdings nicht mehr vor Ort: Die berühmten Metopenfragmente von Tempel C, die 1823 von den englischen Architekten Samuel Angell und William Harris entdeckt wurden, sind im Museo Archeologico di Palermo ausgestellt, während weitere Artefakte im Museo Civico di Castelvetrano aufbewahrt werden.
Tipp der Redaktion
Achte beim Rundgang auf die wilden Selleriepflanzen, die noch heute von selbst zwischen den zerfallenen Säulen sprießen. Es ist genau dasselbe Kraut – sélinon –, dem die Stadt ihren Namen verdankt und das die Selinuntier im 6. Jahrhundert v. Chr. auf ihren Münzen mit vertieftem Quadrat verewigten.