Der zwischen 1332 und 1349 nach Plänen von Angelo da Orvieto oder dem aus Gubbio stammenden Matteo Gattapone errichtete Palazzo dei Consoli verschlang eine dokumentierte Summe von 16.336 Ravenna-Lira. Inspiriert vom nicht mehr existierenden Palazzo dei Capitani del Popolo in Arezzo, ist der Bau ein eindrucksvolles Werk gotischer Kommunalarchitektur. Auf rechteckigem Grundriss schmiegt er sich an den Hang und stützt dabei die unterhalb der Piazza Grande schwebende Terrassenkonstruktion. Vom südlichen Straßenniveau bis zur Spitze des quadratischen Glockenturms ragt das Bauwerk 60 Meter in die Höhe.
Sehenswertes
Die Fassade aus weißem Kalkstein, der im Laufe der Jahrhunderte nachgedunkelt ist, gliedert sich in zwei Abschnitte. Im oberen Teil fallen sechs Rundbogenfenster ins Auge, die paarweise angeordnet, durch Pilaster getrennt und von Zinnen über einem Spitzbogenfries gekrönt werden. Im Erdgeschoss rahmen zwei große Biforienfenster das gotische Portal ein. Der Zugang erfolgt über eine aufwendig gestaltete, fächerförmige Steintreppe mit Brückenkonstruktion; an der Basis des Bogens zeigen die Pfeiler das heraldische Wappen von Gubbio mit vier Bergen, über denen eine eiserne Lilie thront. In der Lünette des Portals befindet sich ein Fresko aus dem 16. Jahrhundert, während an der Außenwand noch immer der Eisenkäfig hängt, in dem man einst Verbrecher öffentlich anprangerte.
Gleich hinter dem Eingang gelangst du in den Arengo, einen gewaltigen Saal mit Tonnengewölbe, in dem zur Zeit der freien Gemeinde die Bürgerversammlungen stattfanden. Der Palast war das erste öffentliche Gebäude seiner Zeit mit einer fließenden Wasserleitung, die dekorative Innenspringbrunnen speiste. Heute dient der Arengo als Lapidarium und beherbergt einen verzierten römischen Marmorsarkophag sowie antike Inschriften, darunter die Ehrentafel für den örtlichen Magistrat Gneo Satrio Rufo. Die ehemalige Kapelle birgt den wertvollsten Schatz des Hauses: die bronzenen Tavole eugubine, verfasst in einer umbrischen Sprache, die älter ist als das Lateinische. In der Pinakothek erwarten dich das bemalte Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert vom Maestro della Croce di Gubbio, eine Prozessionsfahne von Sinibaldo Ibi, das Gemälde der Immacolata Concezione von Francesco Signorelli aus dem Jahr 1527 sowie ein Fresko von etwa 1350, das die Madonna col Bambino mit San Giovanni Battista und Sant'Ubaldo zeigt und Guiduccio Palmerucci sowie Mello da Gubbio zugeschrieben wird.
Der Besuch
Seit 1909 beherbergt das Gebäude das Städtische Museum von Gubbio, dessen Rundgang archäologische Funde, Münzen, Majolika-Keramiken sowie Abteilungen zu ostasiatischer Kunst und zum Risorgimento umfasst. Ein Höhepunkt des Besuchs ist der Glockenturm, neben dem sich eine schmale Loggia zum Tal hin öffnet. Im Turm hängen die kleine Glocke aus dem Jahr 1289 (die älter ist als der Palast selbst), die mittlere Glocke von 1678 und der berühmte Campanone, der am 30. Oktober 1769 von Giovanni Battista Donati gegossen und am 20. März 1770 auf den Platz gezogen wurde. Gemeinsam bilden sie die „Stimme von Gubbio“. Seit 1380 läuten die Glockengießer diese Bronzen in komplexen Abfolgen, den sogenannten Sonate, die den städtischen Festkalender begleiten — ausgeführt von der Zunft der Campanari, die 1981 offiziell als Vereinigung anerkannt wurde.
Tipp der Redaktion
Nimm dir einen Moment Zeit, um die eiserne Lilie und die vier Berge zu betrachten, die an der Basis der Eingangstreppe eingemeißelt sind: Das genau gleiche Wappen entdeckst du auch am Brunnen gegenüber dem Palazzo del Bargello in der via dei Consoli.