Das Studiolo Federicos da Montefeltro misst 3,60 mal 3,35 Meter und hat keinen Zentimeter freie Wand: alles ist Einlegearbeit in Holz, mit halb offenen Schranktüren, hinter denen Bücher, ein Astrolab, eine Armillarsphäre, ein Papagei im Käfig und eine Bank voller Musikinstrumente auftauchen. Ein perspektivischer Trug aus Intarsien verschiedener Hölzer, das berühmteste Stück dieser Technik in Italien, und die Mitte eines Palastes, der «alle Fürstensitze Italiens übertreffen» sollte.
Sehenswertes
Der Ehrenhof ist das Meisterwerk Luciano Lauranas, des dalmatinischen Architekten, den man um 1464 nach Urbino holte: Rundbögen auf korinthischen Säulen, Inschriften in römischen Kapitalen entlang der Gesimse, Kapitelle nach flavischen Vorbildern. Das herzogliche Patent vom 10. Juni 1468 nennt ihn «Ingenieur» und überträgt ihm die Leitung der gesamten Bauhütte. Auf der Gegenseite, steil über dem Tal, staffelt die Torricini-Front drei Loggien zwischen zwei schlanken Türmen: sie blickt nicht auf die Stadt, sondern auf die, die von weit her kommen.
Ab 1472 übernahm Francesco di Giorgio Martini die Bauleitung, trieb die Wendelrampe in den Fels, über die Pferde und Karren vom Mercatale heraufkamen, und richtete Ställe, Zisternen und das Bad des Herzogs ein; er arbeitete auch nach Federicos Tod 1482 daran weiter. Im Hauptgeschoss zeigt die Galleria Nazionale delle Marche die Geißelung und die Madonna von Senigallia von Piero della Francesca, die Ideale Stadt, das Hostienwunder von Paolo Uccello, La Muta von Raffael und eine späte Auferstehung Tizians. Im Saal der Nachtwachen siedelte Baldassare Castiglione die Gespräche von 1507 an, aus denen das Buch vom Hofmann wurde.
Der Besuch
Der Palast steht mitten in der Oberstadt, neben dem Dom, Kasse und Eingang liegen an der Piazza Rinascimento; ein Ticket gilt für Palast und Galerie zusammen. Wer mit dem Auto kommt, stellt es am Mercatale am Fuß des Steilhangs ab und fährt mit dem Aufzug hinauf oder nimmt die Treppengassen. 2015 kamen 191.829 Besucher, und die Altstadt von Urbino gehört seit 1998 zum UNESCO-Welterbe. Für die Säle des Hauptgeschosses, das Studiolo, die Untergeschosse und das Lapidarium rechnen wir zweieinhalb Stunden.
Tipp der Redaktion
Das Studiolo heben wir uns bis zum Schluss auf: nach den großen Sälen und den steinernen Kaminen wirkt dieser Raum von dreieinhalb Metern ganz anders, und man merkt, dass die Intarsien ihr Muster hinter den bemalten Türen weiterführen. Danach treten wir auf die Terrazza del Gallo hinaus, die fast niemand sucht: von dort sieht man die Torricini von der Seite, dahinter die Tonhügel, genau die Aussicht, die sich Federico um sich herum bauen ließ.



