🏰 Burgen und Schlösser

Palazzo Ducale e Galleria Nazionale delle Marche

📍 Urbino, Marken · 88/100

Mit 191.829 Besuchern, die 2015 zusammen mit der Galleria Nazionale delle Marche verzeichnet wurden, bildet der Palazzo Ducale das monumentale Herz von Urbino. Der hochgebildete Federico da Montefeltro verfolgte mit dem Bau das Ziel, alle Fürstensitze Italiens zu übertreffen und die Stadt in eine echte „Idealstadt des Fürsten“ zu verwandeln. Die Wurzeln der Anlage reichen bis zu seinem Großvater Antonio da Montefeltro zurück, der sich gegenüber dem Duomo niederließ, sowie zu seinem Vater Guidantonio, der einen ersten kleineren Palast errichten ließ. Heute befindet sich das Gebäude im Besitz des Italienischen Staates und steht direkt neben der Cattedrale und dem Teatro Sanzio.

Sehenswertes

Die architektonische Entwicklung des Palastes vollzog sich in mehreren Abschnitten. Im Jahr 1454 verpflichtete Federico florentinische Architekten unter der Leitung von Maso di Bartolomeo, um die bestehenden Gebäude miteinander zu verbinden. So entstand das Palazzetto della Jole, ein dreigeschossiger Bau im schlichten toskanischen Stil, sowie das Appartamento dei Melaranci mit Kaminen, deren Reliefs Herkules und militärische Tugenden preisen.

Nach 1462 – als Federico durch den Sieg über Sigismondo Malatesta und den Gewinn von Fano und Senigallia zu erheblichem Wohlstand gelangt war – übertrug er die Leitung der Arbeiten dem Dalmatiner Luciano Laurana (tätig von 1464 bis 1472, in einer Patente ducale von 1468 als „ingegnero“ bezeichnet). Laurana schuf den weitläufigen Säulenhof mit Rundbögen, korinthischen Kapitellen nach flavischen Vorbildern und lateinischen Inschriften auf den Gesimsen. Zudem entwarf er schräge Schutzmauern gegen Kanonenbeschuss, die Scalone d'onore, die Biblioteca, die Sala degli Angeli, die Sala delle Udienze und die kleinen Kapellen. Auf ihn geht auch die berühmte „Facciata dei Torricini“ hoch über der Valbona zurück: Zwei Türme flankieren hier drei übereinanderliegende Loggien, die vom Triumphbogen des Castel Nuovo in Napoli unter Don Ferrante d'Aragona inspiriert sind.

Ab 1472, nach Lauranas Abreise, übernahm der Sinese Francesco di Giorgio Martini das Bauprojekt. Er vollendete die L-förmige Fassade zur Piazza Rinascimento, die Wasserversorgungsanlagen, die Terrazza del Gallo, das Bagno del Duca und den hängenden Garten (während der als Mausoleum gedachte Giardino del Pasquino unvollendet blieb). Die Innenräume wurden mit Skulpturen von Ambrogio Barocci ausgestattet. Ein wahres Meisterwerk ist das Studiolo, das bis heute fast vollständig erhalten ist. An den Wänden und Möbeln ließ man das Kürzel „F C“ (Federico Conte) nach Federicos Ernennung durch Sisto IV. häufig in „F D“ oder „FE DUX“ (Federico Duca) abändern. In den 1560er-Jahren entfernte der Architekt Filippo Terzi schließlich die mittelalterlichen Zinnen und ergänzte neue Süd-Räume, die mit prunkvollen Stuckarbeiten von Federico Brandani gestaltet wurden.

Der Besuch

Seit 1631 Sitz des Legato apostolico und heute Ausstellungsort, beherbergt der Palast die Galleria Nazionale delle Marche sowie das Museo del Lapidario. Abgesehen von den prächtigen Innenräumen führt der Rundgang hinab vor die Stadtmauern auf den Platz Mercatale. Hier baute Francesco di Giorgio Martini die Rampa elicoidale, über die Pferde und Fuhrwerke mühelos zum Schloss hinaufsteigen konnten – eine Meisterleistung der Ingenieurskunst direkt neben der „Data“ (Orto dell'Abbondanza) und den mächtigen Ställen im Untergeschoss.

Tipp der Redaktion

Schau dir die Farbe und Struktur der Facciata dei Torricini einmal ganz genau an. Der verwendete Backstein folgt einer ganz traditionellen Technik aus den Marken und wirkt dadurch ausgesprochen hell und glatt. Dieses Material hebt sich deutlich von der emilianischen Ziegelbauweise ab, die dunkler und schattiger wirkt, aber auch vom intensiv strahlenden Rot, das für Forlì typisch ist.

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