Der deutsche Baron Wilhelm von Gloeden verhalf ihrer künstlerischen Bedeutung einst zu internationaler Bekanntheit und gab ihr den Beinamen „Perle des Mittelmeers“: Die Isola Bella (auf Sizilianisch Ìsula Bedda) ist eine Gezeiteninsel im mar Ionio. Ihre moderne Geschichte begann im Jahr 1806, als Ferdinando I di Borbone die Insel Pancrazio Ciprioti, dem Bürgermeister von Taormina, schenkte. Im Jahr 2006 wurden das Eiland und das nahe Taormina gemeinsam in die Tentative List der UNESCO aufgenommen, um als Weltkulturerbe anerkannt zu werden.
Sehenswertes
Das Bild der Isola Bella wird durch das Wechselspiel der Gezeiten geprägt: Ein schmaler Streifen aus Sand und Kieselsteinen verbindet sie mit der Küste und verwandelt sie regelmässig in eine Halbinsel. Der kleine Felsenstrand ist von Meeresgrotten umgeben und ein beliebtes Ziel zum Baden. Das botanische und architektonische Erscheinungsbild der Insel geht auf zwei grosse private Initiativen zurück. Im Jahr 1890 kaufte Florence Trevelyan das Areal von der Gemeinde, errichtete ein kleines Haus mit Blick aufs Meer und pflanzte exotische Arten sowie seltene Sträucher, die im lokalen Klima prächtig gediehen. Nach einem Zwischenspiel im Besitz des Anwalts Cesare Acrosso (Neffe von Trevelyans Ehemann Salvatore Cacciola) erwarben 1954 die Brüder Leone und Emilio Bosurgi die Insel für 38.000 Lire. Die Inhaber des traditionsreichen Messina-Zitrusfruchtunternehmens Sanderson errichteten ein Ensemble aus 12 eigenständigen Residenzen und verbargen geschickt einen winzigen Pool zwischen den Felsen und der Bepflanzung, um befreundete Unternehmer und Bankiers zu empfangen. Heute bietet das Eiland auch zahlreichen Vogelarten und einigen Eidechsenarten einen Lebensraum.
Der Besuch
Die Pleite von Sanderson im Jahr 1982 führte dazu, dass die als Sicherheit genutzten Güter der Familie Bosurgi zwangsversteigert wurden. Nachdem eine erste Versteigerung am 17. Oktober 1984 mit einem Startpreis von 5,5 Milliarden Lire und Mindestgebotsschritten von 100 Millionen ergebnislos geblieben war und auch ein zweiter Versuch 1985 trotz einer Preissenkung um 20% scheiterte, erwarb schliesslich 1990 das Assessorato dei beni culturali der Regione Siciliana das Areal. Die Behörden hatten bereits vorher gehandelt: Am 8. Oktober 1984 wurde die Insel wegen ihres einzigartigen naturkundlichen und kulturellen Werts zum Denkmal von historisch-künstlerischem Interesse sowie zum „monumento naturale“ erklärt. Nachdem sie 1998 unter der Verwaltung des WWF, der Provincia di Messina und des Umweltzentrums CUTGANA der Università di Catania zum Naturschutzgebiet geworden war, obliegen der Zugang, der Schutz und die Nutzung des Geländes seit 2010 dem Parco Archeologico di Naxos.
Tipp der Redaktion
Achte auf die Gezeiten, die die schmale Landbrücke zum Festland im Wechsel überschwemmen und wieder freigeben. Halte zwischen der üppigen Vegetation Ausschau nach den Resten des getarnten Pools, den die Brüder Bosurgi in den 1950er-Jahren anlegen liessen.