Sehenswertes
Die Hauptfassade blickt auf einen rechteckigen Platz und wird von zwei Türmen eingerahmt: Der linke Turm blieb auf Höhe des ersten Geschosses unvollendet, während dem Südturm die Spitze fehlt, nachdem 1807 ein Blitz einschlug. Vor dem Eingang steht eine dreibogige barocke Vorhalle, die Bischof Francesco Testa 1770 hinzufügen ließ. Sie schützt das Bronzeportal, das Bonanno Pisano zwischen 1185 und 1186 goss. An der Nordseite erstreckt sich ein Renaissance-Portikus, den Giovanni Domenico und Fazio Gagini zwischen 1547 und 1569 entwarfen. Er weist elf Bögen auf korinthischen Säulen sowie ein Tondo aus Terrakotta mit der Madonna col Bambino auf; dahinter liegt ein zweites Bronzetor, das Barisano da Trani 1185 schuf.
Das dreischiffige Innere orientiert sich an cluniazensischen Vorbildern und wird durch Säulen aus grauem orientalischem Granit sowie einer einzigen Säule aus Cipollino-Marmor gegliedert, die von antiken korinthischen Kapitellen gekrönt werden. Die oberen Wandflächen sind auf 6.500 Quadratmetern vollständig mit byzantinischen Glasmosaiken bedeckt, die zwischen dem späten 12. und der Mitte des 13. Jahrhunderts von einheimischen und venezianischen Meistern geschaffen wurden. Der Chorbereich, der höher und breiter als das Langhaus ist, besitzt einen Mosaikfußboden im Stil des Opus alexandrinum mit deutlichen arabischen Einflüssen; der Porphyr- und Granitboden des Hauptschiffs stammt hingegen aus dem Jahr 1559. Die Holzdecke im fatimidischen Stil ist eine getreue Rekonstruktion aus dem 19. Jahrhundert, da ein verheerender Brand am 11. November 1811 das ursprüngliche Dach, das Chorgestühl aus Nussbaumholz und die Orgel zerstörte sowie die königlichen Grabmäler beschädigte. Heute beherbergt das Gotteshaus die restaurierten Porphyrsarkophage von Wilhelm I. und Wilhelm II., das Grab von Margarete von Navarra sowie eine Urne mit den Eingeweiden von König Ludwig IX. von Frankreich, der 1270 in Tunis starb. Ergänzt wird der Raum durch die Barockkapellen San Castrense (1595) und del Crocifisso, letztere entworfen vom Jesuiten Angelo Italia (1690–1692).
Direkt angrenzend befindet sich der 2.200 Quadratmeter große Benediktinerkreuzgang, der um 1200 fertiggestellt wurde. Seine Spitzbögen ruhen auf 216 Doppel-Säulchen aus weißem Marmor, die abwechselnd glatt ausgeführt oder spiralförmig mit farbigen und goldenen Glassteinen verzierte Inkrustationen tragen. Sie schließen mit figürlichen Kapitellen ab, von denen keines dem anderen gleicht. In einer Ecke sticht das Lavatorium der Mönche hervor, das von einer quadratischen Ädikula umschlossen wird.
Der Besuch
Der Monumentalkomplex lädt dazu ein, nicht nur die sakralen Räume zu erkunden – in denen seit 1967 eine gewaltige Ruffatti-Orgel mit sechs Manualen und 102 Registern steht –, sondern auch die Spuren der einstigen Benediktinerabtei zu entdecken. Die ursprüngliche Anlage war von einer Wehrmauer mit zwölf Türmen umgeben, von denen heute noch einige Ruinen und Teile des Schlaftrakts der Mönche erhalten sind. Um all die feinen Mosaikdetails und die historischen Schichten von den ersten Landschenkungen im Jahr 1175 bis hin zu den Bauten aus spanischer Zeit zu erfassen, solltest du etwas Zeit mitbringen.
Tipp der Redaktion
Achte beim Blick durch das Hauptschiff auf die Säulenreihe: Such gezielt nach der einzigen Säule aus Cipollino-Marmor, die die Abfolge aus grauem orientalischem Granit bewusst durchbricht. Dahinter steckt ein ganz bewusstes architektonisches Detail, das von der mittelalterlichen Praxis zeugt, antikes Baumaterial als Spolien in den normannischen Prachtbau einzubinden.