Sehenswertes
Der Komplex gliedert sich in mehr als 30 monumentale Bauwerke, die die Eindrücke aus Hadrians Reisen durch die Provinzen des Reiches mit den fortschrittlichsten Techniken der römischen Architektur verbinden, welche auf dem Einsatz von Gewölben und Gussmauerwerk basieren. Das Pecìle dominiert das Areal mit seinem riesigen, säulengesäumten viereckigen Platz, der von einem zentralen Becken geschmückt wird; das Gebäude erinnert an die Stoa Poikile von Athen und beherbergte die Unterkünfte der Wachen und des Verwaltungspersonals. Unweit davon gibt das Canopo einen Arm des Nils wieder, der die gleichnamige ägyptische Stadt mit Alexandria verband. Dieser Bereich zeichnet sich durch eine lange Wasserfläche aus, die von einer großen überkuppelten Exedra abgeschlossen wird. Darin befindet sich ein Triclinium im Freien mit einem imposanten stibadium (gemauertes Speisebett). Zu den Skulpturen zählen Kopien der Karyatiden des Erechtheion, die Statue des ägyptischen Gottes Bes sowie ein Krokodil.
Zu den außergewöhnlichsten Bauwerken gehört das Teatro Marittimo: eine kreisförmige Einfriedung mit einem Durchmesser von 40 Metern, die einen von unkannelierten ionischen Säulen getragenen Säulengang mit Tonnengewölbe umschließt. Im Inneren umgibt ein kreisförmiger Kanal eine künstliche Insel mit Thermen, einer Bibliothek, drei Suites mit Fußbodenheizung und einer Kunstgalerie. Der Palazzo Imperiale, der private Wohnbereich, entstand über der bereits bestehenden Villa aus der Zeit Sullas. Hier befinden sich das mit Marmor im opus sectile gepflasterte Atrium, das Triclinio dei Centauri und die Sala a Tre Navate, die mit feinsten mehrfarbigen Mosaiken im opus vermiculatum geschmückt ist.
Der Besuch
Das heute vom Polo Museale del Lazio verwaltete, erkundbare archäologische Areal macht nur einen Teil der ursprünglichen Ausdehnung aus; Randbereiche sind noch unerforscht oder in Privatbesitz. Die Stätte trägt die Spuren jahrhundertelanger Plünderungen: Nach der Gründung Konstantinopels im Jahr 330 nach und nach verlassen, diente sie während des Gotenkriegs als Militärlager und später als Steinbruch für wertvolle Materialien. Mehr als 300 bedeutende Kunstwerke wurden bei Ausgrabungen entnommen, die im 16. Jahrhundert von Kardinal Ippolito II. d'Este in Auftrag gegeben wurden. Er beauftragte den Architekten Pirro Ligorio damit, Marmor und Statuen in die nahe gelegene Villa d'Este zu überführen.
Tipp der Redaktion
Achte bei deiner Erkundung des Palazzo Imperiale besonders auf das Criptoportico: Die im Tuffstein ausgehobenen Galerien mit Tonnengewölbe bewahren im Südostteil das wohl älteste erhaltene Beispiel eines Gewölbemosaiks aus der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. – ein wertvolles Fragment der früheren republikanischen Villa, die von Hadrian integriert wurde.