🏺 Archäologische Stätten

Pantheon

📍 Roma, Latium · 94/100

Auf dem Giebel steht M·AGRIPPA·L·F·COS·TERTIVM·FECIT, «Marcus Agrippa, Sohn des Lucius, Konsul zum dritten Mal, hat es errichtet» — und diese Angabe irrt um mehr als ein Jahrhundert. Agrippas Tempel, 27 v. Chr. auf dem Marsfeld erbaut, brannte 80 und erneut 110 n. Chr. nieder; der heutige Bau entstand zwischen 112 und 128 n. Chr. unter Hadrian, der statt des eigenen Namens den des alten Bauherrn wieder auf die Fassade setzen ließ. 609 schenkte der oströmische Kaiser Phokas das Gebäude Papst Bonifatius IV., der es zur christlichen Kirche weihte: deshalb steht es fast unversehrt da, während das übrige antike Rom Stück für Stück abgetragen wurde.

Sehenswertes

Die Kuppel ist bis heute die größte je aus unbewehrtem Beton gebaute: 43,44 Meter Durchmesser, genau so viel wie die Höhe vom Boden bis zum Oculus, sodass in den Innenraum eine perfekte Kugel passen würde. Die Last läuft über acht Pfeiler ab, die in der Mauerdicke verborgen sind, und die Betonmischung wird nach oben hin leichter, mit Bims und Tuff in den obersten Lagen. An der Innenschale liegen fünf Reihen zu je achtundzwanzig Kassetten, die Gewicht sparen, ohne die Festigkeit zu mindern. Ganz oben ist die Öffnung wirklich offen: neun Meter ohne Glas, die einzige Lichtquelle. Regen fällt herein und läuft durch die Löcher des römischen Bodens ab, der noch der ursprüngliche ist.

Im Inneren ist das Pantheon zugleich ein ungewöhnlicher Friedhof. In der dritten Ädikula links ruht Raffael unter der lateinischen Grabschrift von Pietro Bembo, wenige Schritte weiter liegt der Geiger Arcangelo Corelli. Gegenüber stehen die Gräber der ersten beiden Könige Italiens, Vittorio Emanuele II. und Umberto I. mit Königin Margherita, vor denen Freiwillige der Ehrenwache abwechselnd Dienst tun. Die Basilika ist kein bloßes Denkmal: Sie ist eine tätige Pfarrei, und zu Pfingsten fällt durch den Oculus ein Regen aus Rosenblättern auf die Menschen im Rund.

Der Besuch

Der Eingang liegt an der Piazza della Rotonda, benannt nach dem Spitznamen «la Rotonna», den die Römer dem Bau gaben. Seit Juli 2023 kostet der Eintritt fünf Euro; wer online bucht, umgeht die Schlange, die sich mittags um den Brunnen zieht, und für Gottesdienstbesucher bleibt der Zutritt frei. Zwanzig Minuten reichen für die Rotunde, eine halbe Stunde mit Gräbern und Kapellen: ein kurzer Besuch, den man in einen größeren Rundgang durch die Altstadt einbaut. 2019, als der Eintritt noch frei war, kamen 8.955.569 Besucher, mehr als in jede andere staatliche Museumsstätte Italiens.

Tipp der Redaktion

Am liebsten kommen wir bei Regen: Dann erklärt sich der Bau von selbst, mit der Wassersäule, die aus dem Oculus fällt, dem veränderten Klang unter der Kuppel und dem Boden, der alles schluckt, ohne überzulaufen. Bei klarem Himmel gehen wir zur Öffnung am Morgen, wenn die Lichtscheibe auf den Kassetten schnell genug wandert, um ihr zuzusehen. Und bevor wir hinausgehen, bleiben wir unter der Vorhalle stehen: Die Säulen sind Monolithe aus ägyptischem Granit, ganz über See und Fluss hergebracht, rund sechzig Tonnen schwer.

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