Sehenswertes
Die Anlage der Villa, entworfen vom Architekten und Ingenieur Alberto Galvani aus Ferrara, erhebt sich über einen beeindruckenden Höhenunterschied von mehr als 45 Metern. Die Terrassengärten sind ein Meisterwerk der Wasserbaukunst: Um das komplexe System aus Becken, Wasserfällen, Nymphäen und Wasserspielen zu speisen, leitete man den Fluss Aniene um und verlegte 200 Meter unterirdische Rohre, die an einem künstlichen Berg unter der Fontana Ovale beginnen. Die Grünanlage folgt strengen ästhetischen Prinzipien der Renaissance und gliedert sich in regelmäßige Abschnitte von jeweils 30 Metern, die von einer Längsachse in der Mitte und fünf Querachsen durchzogen werden. Unter den Wasserkunstwerken ragen die Fontana del Drago – für den Besuch von Papst Gregor XIII. im Sommer 1572 in aller Eile fertiggestellt – sowie zwei Brunnen heraus, die Gian Lorenzo Bernini zwischen 1660 und 1661 im Auftrag von Kardinal Rinaldo I. hinzufügte. Die Bäume, die den Alleen heute Schatten spenden, ließ Herzog Francesco I. im 17. Jahrhundert pflanzen.
Die Innenräume der Villa, deren Gestaltung 1565 begann und bis 1572 Andauerte, bergen einen monumentalen Dekorationszyklus. Hauptmaler war Livio Agresti, unterstützt von Teams unter der Leitung von Girolamo Muziano, Federico Zuccari, Cesare Nebbia, Durante Alberti und Metteo Neroni. Die Bildhauerarbeiten wurden Giovan Battista della Porta, Pirrino del Galgliardo, Gillis van den Vliete, Giovanni Malanca und Pierre de la Motte anvertraut, die von Keramikern und Mosaikkünstlern unterstützt wurden.
Der Besuch
Bei deiner Erkundung des staatlichen Museums gelangst du in die oberen Etagen, die 1572 eigens für den Empfang des Papstes hergerichtet wurden – ein Empfang, der über fünftausend Scudi kostete und den Kardinal dazu zwang, sein Silber zu verpfänden. Beim Rundgang durch die Gärten entdeckst du die Spuren der wechselvollen Geschichte des Anwesens, von den Restaurierungen unter Alessandro d'Este im Jahr 1599 bis zum Niedergang im 18. Jahrhundert. Die ursprünglichen antiken Skulpturen wurden nach 1751 an Sammler verkauft, zudem erlitt die Villa Plünderungen durch französische Soldaten, bevor sie 1796 an die Habsburger überging. Die Rettung des Anwesens verdankt sich Kardinal Gustav von Hohenlohe, der es zwischen 1850 und 1896 restaurieren ließ. Neben der Villa kannst du die angrenzende Kirche besuchen, in der sich das schlichte Grab von Ippolito d'Este befindet, wo er nach seinem Tod am 2. Dezember 1572 beigesetzt wurde.
Tipp der Redaktion
Schau dir die Marmorelemente und Natursteine der ursprünglichen Grotten und Nymphäen einmal genauer an: Pirro Ligorio, der die römischen Ausgrabungsstätten der Umgebung intensiv studiert hatte, holte diese Steine und viele der Statuen direkt aus den nahe gelegenen Ruinen der Villa Adriana. So schuf er eine direkte architektonische Brücke zwischen der Sommerresidenz von Kaiser Hadrian und dem Ehrgeiz des Kardinals d'Este.