Im 17. Jahrhundert maß Carlo Celano sie in Schritten: 1128 von einem Ende zum anderen. Die Neapolitaner nennen sie Spaccanapoli, den „Neapelspalter“, weil sie die alte Stadt entlang einer Linie zerteilt, die nie ausweicht; auf dem Plan ist es der untere Decumanus des römischen Neapolis und davor eine der drei griechischen Plateiai des Rasters, das gegen Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. abgesteckt wurde — die örtliche Überlieferung nennt lieber 470 v. Chr. Ein amtlicher Name ist das nicht: Die Straße wechselt unterwegs sechs- oder siebenmal das Schild. Das Zentrum, das sie durchquert, ist mit 17 km² das größte Italiens, und seit 1995 stehen 10,21 km² davon auf der Welterbeliste der UNESCO.
Sehenswertes
Von Westen beginnt man an der Piazza del Gesù Nuovo mit dem Obelisken der Immacolata und der ganz aus Diamantquadern gefügten Fassade der Kirche Gesù Nuovo. Wenige Meter weiter öffnet sich die Anlage von Santa Chiara, im 14. Jahrhundert von Robert von Anjou gestiftet. Die Via Benedetto Croce führt zur Piazza San Domenico Maggiore mit ihrem Obelisken und der Basilika, in der Thomas von Aquin lernte und lehrte; an der Piazzetta Nilo steht die Statue des Flussgottes Nil, der „Leib Neapels“, nach dem der Platz heißt. Danach heißt die Straße Via San Biagio dei Librai und setzt sich jenseits der Via Duomo als Via Vicaria Vecchia, Via Forcella, Via Giudecca Vecchia und Via Ottavio Tupputi fort.
Der griechische Plan ist mit bloßem Auge ablesbar: Die Häuserblöcke messen etwa 180 mal 35 Meter, ein Verhältnis von eins zu fünf, und die Quergassen dazwischen bleiben knapp drei Meter breit. Allein im alten Kern stehen mehr als 200 historische Kirchen, mit Werken von Caravaggio, Luca Giordano, Jusepe de Ribera, Cosimo Fanzago und Giuseppe Sanmartino.
Der Besuch
Zu Fuß und nicht anders: Autos kommen nicht durch, Roller schon, also geht man dicht an den Mauern. Die Metrolinie 1 hält an Dante und Università, die Linie 2 an Montesanto und Cavour; von allen vier ist man in zehn Minuten auf der Strecke. Die ganze Länge ohne Einkehr kostet gut eine halbe Stunde; mit Santa Chiara, San Domenico und der Sansevero-Kapelle nebenan ist der Tag weg. Die Kirchen schließen mittags, die Sansevero-Kapelle verlangt eine Reservierung. Der Belag besteht aus glatten Basaltplatten: Schuhe mit ordentlicher Sohle.
Tipp der Redaktion
Bevor Sie sie gehen, schauen Sie sie an. Vom Aussichtspunkt der Certosa di San Martino oben auf dem Vomero ist der Schnitt klar zu sehen: eine gerade Furche durch die Dächer, um die herum die übrige Stadt schief gewachsen ist. Dann steigen Sie hinab und gehen sie rückwärts, von der Via Duomo zum Gesù: Der östliche Abschnitt bei Forcella ist der am wenigsten begangene und der ehrlichste.







