Der Farnesische Stier ist aus einem einzigen Marmorblock gearbeitet und die größte Skulpturengruppe, die uns die Antike hinterlassen hat: 1546 kam sie in den Caracalla-Thermen in Rom zutage, und 1787 ließ Ferdinand IV. sie mit dem übrigen farnesischen Marmor nach Neapel bringen, gegen die Gesetze des Kirchenstaats und gegen das Testament Alessandro Farneses. Das Museum selbst entstand 1777 im Palazzo degli Studi, einer Kavalleriekaserne von 1585, die später Sitz der Universität wurde, und öffnete am 22. Februar 1816 als Real Museo Borbonico.
Sehenswertes
Im Erdgeschoss stehen die farnesischen Marmorwerke: der Herakles mit der Keule, der Atlas mit dem Globus, auf dem die ältesten überlieferten westlichen Sternbilder eingezeichnet sind, die Tyrannenmördergruppe Harmodios und Aristogeiton. Vieles davon sind römische Kopien verlorener griechischer Originale: ohne sie wüssten wir nicht, wie die Arbeiten von Kritios und Nesiotes aussahen. Im Zwischengeschoss folgen die Mosaiken aus den Vesuvstädten: die Alexanderschlacht, aus dem Haus des Fauns in Pompeji gelöst und um 100 v. Chr. datiert, mit Alexander, der den fliehenden Dareios fixiert, und die Straßenmusikanten, signiert von Dioskurides von Samos.
Im ersten Stock stehen die Bronzen aus der Villa dei Papiri in Herculaneum, der sitzende Hermes, der trunkene Satyr und die beiden Läufer, und hängen die aus den Vesuvhäusern gelösten Fresken, die Flora und die Amorettenverkäuferin, die von den Klassizisten genau studiert wurden. Das Gabinetto Segreto, 1819 von Michele Arditi für das erotische Material aus Pompeji und Herculaneum eingerichtet, war nur mit Erlaubnis zugänglich: Die Tür bekam drei verschiedene Schlösser, 1851 wurde sie sogar zugemauert. Seit April 2000 steht der Raum allen offen. Im Untergeschoss liegt die ägyptische Abteilung mit rund 2.500 Stücken, die erste ihrer Art in Italien.
Der Besuch
Das Museum liegt an der Piazza Museo 19, über der Station Museo der Metrolinie 1; die Linie 2 hält an der Piazza Cavour, hundert Meter weiter unten. Geöffnet ist von Mittwoch bis Montag bis 19.30 Uhr, dienstags bleibt zu. 2023 kamen 553.141 Besucher: Wer zur Öffnung oder am späten Nachmittag erscheint, findet deutlich leerere Säle. Die Sammlungen verteilen sich auf vier Ebenen und sind riesig; statt alles sehen zu wollen, nimmt man sich besser zwei Abteilungen gründlich vor und plant mindestens drei Stunden ein.
Tipp der Redaktion
Wir kaufen das Ticket online und gehen zuerst ins Zwischengeschoss: Die Mosaiksäle sind klein und laufen als Erste voll, und gleich daneben liegt das Gabinetto Segreto, das mit den Reisegruppen unbrauchbar wird. Die farnesischen Marmorwerke im Erdgeschoss stehen in hohen, weiten Sälen und vertragen Andrang viel besser, also heben wir sie uns für den Schluss auf. Vor dem Hinausgehen nehmen wir den Salone della Meridiana mit, den größten Saal des Hauses, mit der in den Boden eingelassenen Mittagslinie und den Tierkreiszeichen aus Messing: Kaum jemand hebt den Kopf zu der Öffnung, durch die das Sonnenlicht fällt.










