🏰 Burgen und Schlösser

Castel del Monte

📍 Andria, Apulien · 92/100

Am 29. Januar 1240 schickte Kaiser Friedrich II. von Schwaben aus Gubbio einen Brief an den Justitiar der Capitanata, Riccardo da Montefuscolo. Seine Anweisung: Baumaterial für eine Festung beim heute nicht mehr existierenden Kloster Santa Maria del Monte bereitzustellen. Aus diesem klaren Auftrag entstand eines der größten architektonischen Rätsel des Mittelalters. Bereits 1226 hatte ein Treffen zwischen dem Kaiser und Leonardo Fibonacci in Pisa die Konzeption des Bauwerks entscheidend geprägt, dessen Geometrie streng dem Goldenen Schnitt und der Zahlenfolge des berühmten Mathematikers folgt. Wegen seiner harmonischen Verbindung aus nordeuropäischen, islamischen und antiken Elementen erklärte die UNESCO die Festung 1996 zum Welterbe. Sie thront auf 539 Metern Höhe im nördlichen Murge-Plateau in Apulien, 17 Kilometer von Andria entfernt. Das Bauwerk ist so ikonisch, dass es die italienische 1-Cent-Münze ziert – allein im Jahr 2014 lockte es fast 207.000 Besucher an und brachte dem Staat Einnahmen von über einer halben Million Euro ein.

Sehenswertes

Das gesamte Gebäude ist eine Hommage an die Geometrie des Achtecks. Der Gesamtdurchmesser misst 40 Meter, während die Außenwände jeweils 10,30 Meter lang sind. An jeder Ecke schmiegt sich einer der acht ebenfalls achteckigen Türme an, die 23 Meter hoch sind, einen Durchmesser von 7,90 Metern haben und die Innenhofwände leicht überragen. Das Hauptportal zeigt exakt nach Osten, um die aufgehende Sonne zu den Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst einzufangen; man erreicht es über zwei symmetrische Zangentreppen, die 1928 rekonstruiert wurden. Im Inneren erschließt der Hof mit knapp 18 Metern Durchmesser die Zugänge. Die beiden Etagen verteilen sich auf trapezförmige Räume, die von einer ausgeklügelten, völlig unabhängigen Dachkonstruktion gedeckt werden: Ein zentrales quadratisches Kreuzgratgewölbe mit hervortretendem Schlussstein wird von zwei Tonnengewölbesegmenten flankiert. Das um 9,5 Meter angehobene obere Stockwerk wirkt noch eleganter. Hier lassen Doppel- und ein einziges nach Andria ausgerichtetes Dreibogenfenster mit seitlichen Sitzbänken Licht hinein. Die Säulchen dieser Fenster waren derart feingliedrig, dass der Architekt Luigi Vanvitelli sogar erwog, sie für einen Brunnen in den Gärten der Reggia di Caserta abzutragen. In den tragenden Mauern erkennst du noch heute die Schächte für die Ketten des ursprünglichen Fallgitters.

Der Besuch

Wenn du das Bauwerk erkundest, durchschreitest du Jahrhunderte gegensätzlicher Nutzungen, errichtet auf den Resten früherer langobardischer und normannischer Festungen. Ursprünglich „Castello di Santa Maria del Monte" genannt – den heutigen Namen erhielt die Burg erst 1463 per Erlass von Ferdinando d'Aragona aus Altamura –, war sie nur selten Schauplatz von Festen. Eine Ausnahme bildete 1246 die Hochzeit von Violante, der Tochter Friedrichs II. und Bianca Lancia, mit dem Grafen von Caserta, Riccardo Sanseverino. Schon bald diente das Gemäuer als Gefängnis: Unter König Manfred wurde hier 1253 Marino da Eboli eingekerkert, und Karl I. von Anjou sperrte Manfreds kleine Söhne streng bewacht vom Burgherren Golardo Saumeri heimlich hier ein. Nachdem die Festung 1528 bei einem französischen Feldzug bombardiert worden war, ging sie 1552 für 100.000 Dukaten an den Grafen von Ruvo, Fabrizio Carafa. Die Familie Carafa nutzte das Schloss als Sommerresidenz und richtete eine Mühle, einen Backofen und eine Bäckerei ein. Nach dem 17. Jahrhundert verfiel es zum Unterschlupf für Hirten, Briganten und politische Flüchtlinge. 1876 kaufte der italienische Staat den baufälligen Komplex schließlich für 25.000 Lire. Eine Inspektion des Inspektors Buongiovannini im Jahr 1883 leitete die Restaurierung ein, die 1928 mit den Auffrischungsarbeiten des Architekten Quagliati fortgesetzt wurde und mit weiteren Maßnahmen 1981 endete. Selbst die Türme verraten viel über den damaligen Alltag: Fünf beherbergten Zisternen, während drei den Soldaten und Falknern vorbehalten waren, die sie über entgegen dem Uhrzeigersinn gewundene Wendeltreppen aus 44 monolithischen Stufen erreichten.

Tipp der Redaktion

Achte bei deinem Rundgang besonders auf die Basis der Kapitelle oberhalb der Tragsäulen: Genau hinter diesen Steinelementen verbergen sich die letzten erhaltenen Spuren der ursprünglichen Wanddekorationen aus Marmor, die während der langen Verfallszeit im 17. Jahrhundert rücksichtslos geplündert wurden.

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