1295, 1361 und 1378 tagten im Kastell Pietrarossa die Generalparlamente Siziliens: Dreimal versammelte sich die Ständeversammlung des Königreichs in diesen Mauern, in der glanzvollsten Zeit einer der ältesten Festungen von Caltanissetta. Die Anfänge sind umstritten – die verbreitetste Annahme hält den Bau für byzantinisch, errichtet zwischen 750 und 800 –, doch heute bleibt kaum mehr als eine Ruine, die sich an die Schlucht klammert, und genau diese Ruine erzählt Jahrhunderte sizilianischer Geschichte.
Sehenswertes
Die Festung steht am Rand einer tiefen Schlucht, dicht bei der Kirche Santa Maria degli Angeli und dem Monumentalfriedhof, am Saum des alten arabischen Viertels. Von hier reicht der Blick über das ganze Tal bis zum Fluss Salso, und du verstehst, warum das Kastell jahrhundertelang als uneinnehmbar galt. Der Name selbst, dessen Herkunft unklar ist, soll auf das Rot der Ziegel zurückgehen, die einst die Türme verkleideten und von denen nur wenige Spuren geblieben sind. Von der ursprünglichen Anlage haben Erdwälle und zwei Wehrtürme überdauert; der schmale Wachturm, der die Katastrophe überstanden hatte, stürzte in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts endgültig ein. So weit gebracht hat es die Nacht des 27. Februar 1567, als ein Großteil des Baus ins Tal abrutschte, weil der Fels darunter nicht trug; die 1591 begonnenen Arbeiten beschleunigten das Ende nur und machten das Kastell praktisch zum Steinbruch für Baumaterial.
Der Besuch
Die übrig gebliebenen Steine bewahren Episoden, für die sich der Aufstieg lohnt. Unter den Anjou stand das Kastell im Mittelpunkt des Widerstands von Nicolò Maletta gegen die Truppen Wilhelms von Estendard: Von den eigenen Leuten verraten, musste Maletta die Festung übergeben und endete am Galgen. 1407 ging der Bau an die Moncada über, verlor seine Funktion als Wohnsitz, und gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Kellerräume zum Gefängnis. Die merkwürdigste Begebenheit stammt allerdings aus dem Jahr 1600, mitten im Abbruch: Im Schutt fand man den Leichnam der Adelasia, Nichte Rogers I. von Hauteville, umschlossen von einer Kupferkrone, die ihren Namen und ihre Abstammung nannte.
Tipp der Redaktion
Um die Lage des Kastells wirklich zu begreifen, schaust du es dir am besten von der Seite der Schlucht an: Dort misst du den senkrechten Absturz, der es lange unangreifbar machte. Verbinde den Besuch mit der nahen Kirche Santa Maria degli Angeli – ein paar Schritte genügen, und die Ruine hängt wieder am ältesten Gewebe der Stadt.
