Mit 5.294.968 Besuchern im Jahr 2024 ist die Galleria degli Uffizi das meistbesuchte Kunstmuseum Italiens – ein Erfolg, der fest im historischen Erbe der Medici-Dynastie verwurzelt ist. Das Bauwerk wurde 1560 auf Wunsch von Herzog Cosimo I. de' Medici ins Leben gerufen, um die 13 wichtigsten Florentiner Magistrate an einem einzigen Ort zusammenzufassen, und Giorgio Vasari anvertraut. Um Kosten zu sparen, griff man auf der Baustelle zu ungewöhnlichen Mitteln: Der Sand wurde direkt aus dem Bett des Arno entnommen und die Bruchsteine stammten aus dem Graben der Festung San Miniato. Das Ergebnis ist ein monumentaler U-förmiger Komplex zwischen der Piazza della Signoria und dem Fluss, der heute die weltweit bedeutendste Sammlung florentinischer Renaissancekunst beherbergt – einst der Stadt von Anna Maria Luisa de' Medici im berühmten „Patto di famiglia" vermacht.
Sehenswertes
Die Ausstellung folgt einer strengen chronologischen Ordnung und führt durch Säle vom 12. bis zum 18. Jahrhundert. Das Museum besitzt den weltweit umfangreichsten Bestand an Werken von Sandro Botticelli – darunter die Primavera und die Nascita di Venere – sowie von Raffael, ergänzt durch herausragende Werkgruppen von Giotto, Leonardo da Vinci, Tizian, Andrea del Sarto, Caravaggio, Dürer und Rubens. Du gehst dabei unter Decken entlang, die zwischen 1579 und 1581 von Antonio Tempesta, Alessandro Allori und ihren Mitarbeitern mit Groteskenfresken verziert wurden. Der historische Kern der Galerie ist die Tribuna, ein achteckiger Raum, den Bernardo Buontalenti 1584 in Anlehnung an den antiken Turm der Winde in Athen gestaltete. In den Korridoren stehen antike Skulpturen wie die Venere de' Medici, der Arrotino, die Lottatori und die Busto di Severo Giovanni. Darüber hängt die „Serie Gioviana", eine 1587 unter Ferdinand I. hinzugefügte Porträtsammlung illustrer Persönlichkeiten. Von außergewöhnlicher Bedeutung ist zudem das Gabinetto dei Disegni e delle Stampe im ersten Stock, das in den Räumen des ehemaligen, zweigeschossigen Teatro Mediceo aus dem Jahr 1586 untergebracht ist.
Der Besuch
Schon seit dem 16. Jahrhundert auf Anfrage zugänglich und seit 1769 offiziell für das Publikum geöffnet, hat die Galerie tiefgreifende Veränderungen erfahren. Das Projekt „Nuovi Uffizi" hat die Ausstellungsfläche von 6.000 auf fast 13.000 Quadratmeter mehr als verdoppelt, wodurch zuvor im Depot verwahrte Werke gezeigt werden können. Im Mai 2021 eröffnete das Museum 14 neue Säle mit 129 zusätzlichen Kunstwerken, um bislang unterrepräsentierten Gruppen – darunter Frauen und BPoC – mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Der Rundgang führt auch an Orten vorbei, die von der jüngeren Geschichte gezeichnet sind: Die Sala della Niobe zeigt klassizistischen Stuck und Skulpturen, die nach dem verheerenden Mafia-Attentat in der Via dei Georgofili im Jahr 1993, das fünf Menschenleben forderte, akribisch restauriert wurden. In jüngerer Zeit bewahrte das Schutzglas vor Botticellis Meisterwerken die Leinwände während der Proteste von Klimaaktivisten in den Jahren 2022 und 2024 vor Schaden. Bis 2018 gehörte auch die Sammlung von über 1.700 Selbstporträts zum Rundgang, die im Corridoio Vasariano untergebracht war – jenem überdachten Passagengang, der 1565 in nur sechs Monaten erbaut wurde, um den Palazzo Vecchio mit dem Palazzo Pitti zu verbinden.
Tipp der Redaktion
Achte auch auf die äußere Architektur des Gebäudekomplexes: Wenn du die Via Lambertesca entlangspazierst, solltest du nach der von Buontalenti entworfenen Porta delle Suppliche Ausschau halten, die durch ihre kühne Kombination klassischer Elemente auffällt. Im Innenhof wiederum lohnt sich ein Blick auf die von Vasari geschaffene Perspektive: Das Zusammenspiel der durchgehenden Dachgesimse und ununterbrochenen Stockwerksbänder lenkt deinen Blick direkt auf die eindrucksvolle dorische Säulenfront, die den Arno wie einen Rahmen einfasst.