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Ponte Vecchio

📍 Firenze, Toskana · 90/100

Als einziger Übergang Florenz', der am 4. August 1944 von den Minen der sich zurückziehenden deutschen Wehrmacht verschont blieb, spannt sich der Ponte Vecchio seit 1345 in seiner heutigen Gestalt über den Arno. Seine baulichen Ursprünge reichen jedoch noch viel weiter zurück: Ende der 1950er-Jahre brachten Baugrunduntersuchungen Betonfundamente aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ans Licht, die im Jahr 123 n. Chr. unter Kaiser Hadrian für die Trasse der Via Cassia Nuova verstärkt worden waren. Die wichtige Verbindung zwischen der Via Por Santa Maria und der Via de' Guicciardini erhielt ihren heutigen Namen im Jahr 1218, als der Bau der nahe gelegenen Ponte alla Carraia eine Unterscheidung zwischen der „neuen“ und der „alten“ Brücke („Nuovo“ und „Vecchio“) erforderlich machte. Nach wiederholten Zerstörungen durch Hochwasser – besonders dramatisch war die Flut vom 4. November 1333, die auch das von Dante erwähnte antike Reiterstandbild des Mars mitriss – gilt er seit der Zerstörung der Ponte di Rubaconte im Jahr 1944 offiziell als älteste Brücke der Stadt und steht bereits seit 1901 auf der Liste des nationalen Kulturerbes.

Sehenswertes

Von Giorgio Vasari wurde der Entwurf Taddeo Gaddi zugeschrieben, möglicherweise stammt das Bauwerk jedoch von Neri di Fioravante oder Fra' Domenico da Campi. Die Brücke ruht auf drei flachen Segmentbögen – eine gegenüber dem römischen Rundbogen innovative Konstruktion, die weniger Brückenpfeiler benötigte und den Fuhrwerken die Überfahrt erleichterte. Der mittlere Bogen besitzt eine Spannweite von 30 Metern, die beiden seitlichen messen jeweils 27 Meter. Über den Bögen reihen sich die berühmten Botteghe. Diese wurden 1442 ursprünglich den Fleischern (beccai) und Gemüsehändlern zugewiesen, da diese ihre Abfälle so direkt in den Fluss werfen konnten. Per Erlass von Ferdinando I. wurden sie 1594 von Goldschmieden und Juwelieren übernommen, um die unangenehmen Gerüche zu beseitigen. Unterbrochen wird die Häuserreihe vom Corridoio Vasariano, den Giorgio Vasari 1565 im Auftrag von Cosimo I. in nur fünf Monaten errichten ließ: Dieser 760 Meter lange, überdachte Gang verläuft an der Ostseite und verbindet den Palazzo Vecchio mit dem Palazzo Pitti. In der Mitte öffnet sich die Brücke zu einem kleinen Aussichtsplatz, den eine 1900 von Raffaello Romanelli geschaffene Bronzebüste des Goldschmieds Benvenuto Cellini ziert. Zu den historischen Details gehören die Torre dei Mannelli an der Südostecke, die einst zur Verteidigung der Brücke errichtet wurde, eine Dante-Gedenktafel zur Erinnerung an die Ermordung von Buondelmonte de' Buondelmonti im Jahr 1215 sowie eine verwitterte Inschrift in der zentralen Loggia mit den Zeilen: „Nel trentatrè dopo il mille-trecento, il ponte cadde...“. Die charakteristischen Madielle, jene hölzernen Erker der Retrobotteghe, die über dem Fluss ragen, stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Der Besuch

Heute ist die Brücke eine reine Fußgängerzone, über die sich täglich ein dichter Strom von Menschen zwischen der Piazza della Signoria und dem Viertel Oltrarno bewegt. Nachdem der Übergang auch das verheerende Hochwasser von 1966 überstanden hat, steht nun ein im April 2024 angekündigter Restaurierungsplan an, der die Reinigung des Steins und die Erneuerung des Straßenbelags umfasst. Rund um das Cellini-Denkmal ist das Anbringen von Liebesschlössern strengstens verboten: Zwischen 2005 und 2006 ließ die Stadtverwaltung nicht weniger als 5.500 Schlösser entfernen, um ästhetische und strukturelle Schäden an den Gittern abzuwenden; Verstöße werden heute konsequent mit Bußgeldern geahndet.

Tipp der Redaktion

Schau dir die Schaufensterfront der Bottega bei der Hausnummer 16 rosso einmal ganz genau an. Sie ist das einzige fertiggestellte Fragment eines ehrgeizigen Projekts des Architekten Giuseppe Martelli aus dem Jahr 1856: Er hatte geplant, die gesamte Innenpassage der Brücke in eine überdachte Galerie aus Eisen und Glas zu verwandeln, bei der die Geschäfte von eleganten korinthischen Pilastern eingerahmt worden wären.

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