Sie ist die älteste Brücke Veronas und die einzige erhaltene römische: Man baute sie aus Stein dort, wo die Via Postumia 148 vor Christus eine Holzbrücke gelegt hatte, an der Stelle, wo die Etsch am schmalsten und die Strömung am schwächsten ist. Als die Stadt innerhalb der Flussschleife neu gegründet wurde, gab es die Brücke schon, und deshalb steht sie schief zu den römischen Straßen: Die Straßen passten sich ihr an. Dann tausend Jahre Überschwemmungen, Einstürze und Flickwerk; die Scaliger erneuerten einen Bogen und setzten eine Wasserleitung darauf, Fra Giocondo erneuerte 1520 zwei, und am vierundzwanzigsten April 1945 sprengten sie die abziehenden Deutschen und ließen einen Bogen stehen. Verona richtete sie wieder auf, indem es die Steine aus dem Fluss fischte.
Sehenswertes
Die Brücke selbst, zu Fuß überquert: fünf verschiedene Bögen, und man sieht die Epochen mit bloßem Auge, denn die Materialien wechseln. Die zwei zum Hügel hin sind römisch, aus großen Quaderblöcken mit spornförmigen Pfeilern; der zur Stadt hin ist scaligerisch, aus rotem Ziegel, abgeschlossen vom Turm Alberto della Scalas von 1298; die zwei in der Mitte stammen von Fra Giocondo, aus weißem Stein, gemacht, um mit den römischen zusammenzugehen. Auf dem Schlussstein des zweiten römischen Bogens ist noch der gemeißelte Kopf eines Flussgottes aus dem zweiten Jahrhundert.
Der Wiederaufbau der Nachkriegszeit ist eine Geschichte für sich: fünfhundertneunundzwanzig originale Blöcke, aus dem Bett der Etsch gefischt und einer nach dem anderen an ihren Platz gesetzt, weitere dreihundertneunundsiebzig neu gefertigt, die Ziegel aus den zerbombten Häusern der Stadt geborgen, die Arbeiten von 1957 bis 1959. Von der Brücke sieht man das römische Theater am anderen Ufer, den Hügel San Pietro mit der Burg und, wenn man sich umdreht, die Apsis des Doms. Abends ist sie beleuchtet, und das Wasser verdoppelt sie.
Der Besuch
Die Brücke liegt am Ende der Via Ponte Pietra, zehn Minuten von der Piazza Erbe zum Fluss hin, und ist Fußgängerzone, immer offen und kostenlos. Fünf Minuten für die Überquerung, eine halbe Stunde, wenn Sie auf der anderen Seite zum römischen Theater hinaufsteigen oder die Standseilbahn zum Castel San Pietro nehmen, von dem aus man ganz Verona in der Flussschleife sieht.
Tipp der Redaktion
Überqueren Sie sie und schauen Sie auf die Brüstung statt auf die Aussicht: Die hellen und die dunklen Steine, die Ziegel und die Quader erzählen zweitausend Jahre Einstürze und Erneuerungen besser als jede Tafel. Dann steigen Sie bei Sonnenuntergang zum Castel San Pietro hinauf: Von dort oben ist die Brücke eine Steinlinie auf dem grünen Wasser, und das ist die Fotografie, die Verona denen schenkt, die den Aufstieg gemacht haben.
