Von diesem kleinen Bergkirchlein ist nur die Front verputzt: Die anderen drei Seiten sind Sichtstein. Keine Nachlässigkeit, sondern Sparsamkeit. Putz kostet, und man bringt ihn dort an, wo die Leute hinschauen; der Rest bleibt, wie die Maurer ihn hinterließen. Eine Regel, die man in halb Italien auf dem Land findet, und hier liest man sie auf einen Blick.
Sehenswertes
Die Hauptfront ist ein Giebel mit zwei Schrägen, einem Architravportal und zwei kleinen vergitterten Fenstern an den Seiten. Oben, in der Mitte, ein Ochsenauge. Aus der Vorderseite erhebt sich ein Glockengiebel: die einfachste und billigste Art, eine Glocke zu halten, ein durchbrochenes Mäuerchen statt eines Turms.
Auch die Weihe sagt etwas. Johannes Bosco ist ein piemontesischer Heiliger des neunzehnten Jahrhunderts, erst in den dreißiger Jahren des zwanzigsten heiliggesprochen: Eine nach ihm benannte Kirche kann nicht älter sein als dieses Datum, jedenfalls unter diesem Namen. Im Aostatal und im Piemont vervielfachten sich solche Weihen gleich danach.
Der Besuch
Die Kirche steht in Pracharbon, einem Ortsteil von Ayas, im Val d'Ayas; als Weilerkirche öffnet sie zu Gottesdiensten und in der Saison. Zehn Minuten.
Tipp der Redaktion
Gehen Sie einmal ganz um den Bau, das dauert dreißig Sekunden. Sie sehen die saubere verputzte Front und dann, um die Ecke, den nackten Stein. Jene Grenze zwischen beiden Behandlungen sagt Ihnen genau, aus welcher Richtung die Leute kamen und welche Mauer zählte. In der Volksarchitektur folgt die Ausgabe dem Blick.
