Die Wallfahrtskirche Boschetto bewahrt eine außergewöhnliche Sammlung seemännischer Votivgaben: Tafeln und Gegenstände, aus Dank für eine erhaltene Gnade zurückgelassen, verbunden mit Seefahrt, Fischerei und Seetransport, aus allen Epochen. In einem Ort voller Kapitäne und Mannschaften wie Camogli ist diese Galerie das private Archiv ganzer Familien. Am Anfang steht eine Erscheinung: Am 2. Juli 1518 soll der Überlieferung nach die Madonna hier dem Hirtenmädchen Angela Schiaffino erschienen sein. An der Stelle entstand zuerst eine Kapelle; Kirche und Kloster, wie man sie heute sieht, wurden zwischen 1612 und 1631 errichtet.
Sehenswertes
Der Innenraum ist dreischiffig, barock ausgestattet, mit einem Deckenfresko, das die Szene der Erscheinung zeigt. Die Sängerempore geht auf den Rektor don Piero Benvenuto zurück, der im Jahr 2000 starb, und trägt seinen Namen. Das als wundertätig geltende Gnadenbild wurde am 30. August 1818 zur dritten Jahrhundertfeier der Erscheinung gekrönt, aufgrund eines Dekrets von Papst Pius VII. vom 12. August 1817; am 27. März 1955 erklärte Papst Pius XII. Unsere Liebe Frau vom Boschetto zur Patronin von Camogli.
Vor dem Eingang steht noch immer eine alte Ulme, die der jüngste Umbau des Vorplatzes verschont hat. Auf eben diesem Vorplatz kamen die Reste eines älteren Gebäudes zum Vorschein, mit großer Wahrscheinlichkeit die kleine Votivkapelle der Erscheinung: Die Restaurierung hat sie sichtbar gelassen.
Der Besuch
Die Kirche liegt in der Via Enrico Figari im oberen Teil von Camogli; vom Zentrum sind es zu Fuß rund zwanzig Minuten bergauf, mit dem Auto geht es schneller. Es ist eine genutzte Pfarrkirche: Die Zeiten richten sich nach den Gottesdiensten, was zu bedenken ist, wenn man die Votivgalerie in Ruhe ansehen will. 2018 organisierte zur fünften Jahrhundertfeier der Erscheinungen ein Komitee der „boschettini“ Feste und kulturelle Veranstaltungen rund um das Heiligtum.
Tipp der Redaktion
Wir raten, den Votivgaben mehr Zeit zu geben, als nötig scheint: einzeln betrachtet, mit ihren Daten und Details, erzählen sie die Seefahrtsgeschichte von Camogli besser als jedes Museum. Danach hinaus auf den Vorplatz, in den Schatten der Ulme: Von dort liegt der Ort unter einem und der Lärm des Hafens kommt gedämpft an.
